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Zurück aus Asien: Ule Ritgen ist in Japan ein Rockstar.

Zurück aus Asien: Ule Ritgen ist in Japan ein Rockstar.
© Frank Wilde

NP-Porträt

Ule Ritgen rockt seit 25 Jahren Japan

In der Heimat kennt man sich kaum, in Asien sind die Rocker von Fair Warning seit 25 Jahren Superstars. Mit ihren Hits sind sie in Japan nicht mehr wegzudenken. Die NP traf den Hannoveraner Ule Ritgen (60), der gerade von der Jubiläums-Tour der Band durch Japan zurück ist.

Hannover. Es gibt diesen schönen Spruch vom Propheten, der im eigenen Land nichts wert ist. Für die hannoversche Band Fair Warning ist das bittere Realität: „Wenn wir in Japan auf Tournee sind, in ausverkauften Hallen vor 1200 Fans auf der Bühne stehen und alle singen unsere Songs mit, dann ist das eine surreale Erfahrung der angenehmen Art“, sagt Bandgründer (61, Drums). Neun Studio-Alben und drei Live-Alben (das vierte ist in Arbeit) haben die Rocker seitdem herausgebracht und sich mit ihren Songs in Asien in den Rang von echten Stars hochkatapultiert: Schon am Flughafen werden sie dort von kreischenden Fans empfangen, die auch bereit sind, horrende Summen dafür auszugeben, einmal ihre Idole bei einem „Meet & Greet“ treffen zu dürfen.

„Japan ist schon eine besondere Erfahrung: Die Konzerthäuser sind bestuhlt, schön mit ansteigenden Reihen. Die Gigs beginnen oft nachmittags, gegen 17 Uhr. So können die Menschen direkt nach der Arbeit kommen. Da stehen dann Typen in Anzug mit Aktentasche und feiern mit“, erzählt Ritgen, der gerade mit der Band von der „25th Anniversary Twin Special“-Tour durch Japan zurückgekehrt ist.

In Deutschland ist die Band über den Geheimtipp-Status nie wirklich hinausgekommen – zu Unrecht, wie sogar viele Musikkritiker sagen. Immerhin: Am 13. Mai treten sie im Rockzelt Camp Balu in Bad Münder auf. „Als wir 1991 anfingen, wurden deutsche Bands, die englisch sangen und den Anspruch hatten, international zu sein, in der Öffentlichkeit eher belächelt. Dagegen wurde alles, was erfolgreich in Amerika war, auch hier ein Hit. Die Japaner dagegen haben sich schon immer ganz unabhängig ihre Sachen herausgepickt“, versucht Ritgen das Phänomen zu erklären.

„Wir haben uns nie von Trends abhängig gemacht. Anfang der 90er Jahre, als unsere erste Platte herauskam, war gerade Grunge mit Nirvana top, also eine ganz andere Richtung.“ Dagegen galten sie in Japan sofort als die Newcomer des Jahres, schon das zweite Album wurde vergoldet: „Ihr habt allein in diesem Moment 65 000 Platten verkauft“, mit diesem Satz wurden die Hannoveraner damals in einer Radiosendung von der Moderatorin begrüßt. „Das war schon ein beeindruckendes Gefühl!“

„Pimp your Past“ heißt ihre aktuelle Platte, in Japan ist sie bereits wieder der große Hit. Auf dem Album sind Neufassungen der wichtigsten Stücke ihrer ersten drei Studioalben „Fair Warning“, „Rainmaker“ und „Go!“ Natürlich hätten die Musiker auch gern in der Heimat diesen Erfolg, das gibt Ritgen, der sich nebenbei eine zweite Karriere als Maler aufgebaut hat, zu. „Aber was haben wir für ein Glück, dass wir als Band so viele Menschen positiv erreichen können, dass wir davon gut leben können.“

Karten (20 Euro) für das Konzert in Bad Münder am Sonnabend (13. Mai) gibt es an der Abendkasse und unterwww.rockzelt-camp-balu.de

Von Maike Jacobs