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GROSSE EHRE: Tuğba Tekkal stellt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Projekt vor.

GROSSE EHRE: Tuğba Tekkal stellt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Projekt vor.
 © Fähnrich

NP-Porträt

Tuğba Tekkal: Ihr Projekt gefällt auch Merkel

Ihre Schwester Düzen Tekkal (38) ist Menschenrechtsaktivistin, Tuğba Tekkal (32) erfolgreiche Fußballerin beim 1. FC Köln. Was die Frauen aus Hannover eint: Ihr Engagement für Integrationsarbeit – und die Sympathie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (62), der Tuğba Tekkel ihr Projekt „Scoring Girls“ vorstellen konnte.

Hannover.  Die Begrüßung fiel schon mal sehr herzlich aus: „Das sieht man aber gleich, dass Sie die Schwester sind!“ Als Angela Merkel (62) das Sport- und Integrationsprojekt „Scoring Girls“ von Tuğba Tekkal (32) in Köln besuchte, war die Bundeskanzlerin offensichtlich erfreut, die Schwester von Hannovers Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal (38) kennenzulernen – die hatte sie ja schon einige Male getroffen.

Zurück zur Fußballerin des 1. FC Köln. Im Oktober hatte die 32-Jährige die „Scoring Girls“ ins Leben gerufen: „Ich wollte etwas ausschließlich für Mädchen tun. Wenn sie unter sich sind, agieren und entwickeln sie sich ganz an­ders“, erläutert Tekkal ihr Projekt. Die Mädels, die sie einmal pro Woche – immer mittwochs für zwei Stunden – trainiert, sind acht bis 18 Jahre alt und stammen sowohl aus Flüchtlingsfamilien als auch aus sozial schwachen deutschen Elternhäusern.

„Ich musste anfangs wirklich viel Überzeugungsarbeit leisten“, berichtet die Spitzensportlerin von ihren Be­suchen in Flüchtlingsunterkünften. Eltern war es zu­nächst gar nicht geheuer, ihre Mädchen zum Sport gehen zu lassen – schon gar nicht zum Fußball. „Das hat mich auch an meine Kindheit und Jugend erinnert“, so Tekkal, „es war nicht leicht für mich, das tun zu können, was ich gut konnte – nämlich Fußball spielen. Schon gar nicht als Mädchen mit Migrationshintergrund.“

Überdies waren ihre El­tern auch gar nicht begeistert, die kleine Tuğba sollte doch lieber mit Puppen spielen, als mit Lindener Jungs auf der Straße gegen den Ball zu treten. Die 32-Jährige hat es aber geschafft, sie kickte sich an vielen vorbei bis nach oben in die Bundesliga. Und genau diese eigene Erfolgsgeschichte hat sie motiviert, auf den Vorwiesen des Rhein-Energie-Stadions des 1. FC Köln Mädchen zu trainieren.

„Es geht dabei aber nicht nur um Fußball“, betont Tekkal, „es geht auch darum, das Selbstbewusstsein der Mädels und ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft zu stärken.“ Bei den „Scoring Girls“ spielen die Wurzeln der Teilnehmerinnen gar keine Rolle. „Ich konnte noch nie verstehen, warum Religion zum Beispiel die Ursache für Kriege ist“, ergänzt die Jesidin nachdenklich. Zu dem einstündigen Treffen mit Merkel hatte sie bewusst vier Mädchen mit unterschiedlichen Wurzeln mitgenommen: ein deutsches, eins aus Afrika, eine junge Afghanin und eine Jesidin.

„Wir waren alle ziemlich aufgeregt, das hat sich aber relativ schnell gelegt“, be­richtet die Bundesligaspielerin. Die Politikerin hat viele Fragen gestellt: wie die Mädchen wohnen, zum Beispiel. Und ob sie geärgert werden. Das „Scoring Girl“ Jaden (10) erzählte der Kanzlerin etwa: „Obwohl wir aus anderen Ländern kommen, sind wie beste Freunde geworden.“ Nach dem Treffen be­dankte sich Merkel für die Einblicke: „Hier wird eine wunderbare Arbeit geleistet , die dazu führt, dass Flüchtlinge die Integration über den Sport schaffen, aber auch viele Kontakte knüpfen können und damit auch Wege ins Leben, wenn man das so sagen darf, geebnet bekommen“, hielt sie fest.

Und die Mädchen schwärmen noch immer beim Training von dem spannenden Treffen mit dieser „herzlichen und fürsorglichen“ Person, die einen so wichtigen Job hat – als Frau.

Von Mirjana Cvjetkovic