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AUF DEM THRON: Mit der US-Serie „Game of Thrones“ wurde Tom Wlaschiha international bekannt.© HBO

Interview

Tom Wlaschiha - „Eine völlig andere Art des Drehens“

Die Serie „Game of Thrones“ elektrisiert die Fans weltweit: Tom Wlaschiha (42) spielte in der zweiten Staffel der Saga den ge- fährlichen Jaqen H’ghar, in der fünften Staffel kehrt er zurück. Freitag gibt der Schauspieler, der bereits mit Steven Spielberg und Roland Emmerich gedreht hat, bei der Reihe „Airlesen“ am Flughafen einen Blick hinter die Kulissen von GoT. Der Abend ist ausverkauft!

Herr Wlaschiha, ein deutscher Schauspieler mit Ihrer Filmografie müsste doch eigentlich in aller Munde sein. Trotzdem geht Ihr Name manch einem noch schwer über die Lippen. Scheuen Sie die Öffentlichkeit?

Nein, überhaupt nicht! Vielleicht liegt es ja daran, dass ich in Deutschland in den letzten Jahren nicht so viel gemacht habe. Mein persönlicher Eindruck ist, dass es mit meinem Bekanntheitsgrad schon bergauf geht. (lacht)

Sie geben im Disney-Film „Arlo & Spot“ einem Dino die Stimme. Sagt man bei so einem Angebot sofort zu?

Natürlich sagt man automatisch zu. Wann im Leben bekomme ich schließlich noch einmal die Möglichkeit, einen Dinosaurier zu sprechen? Diese Gelegenheit ist einzigartig. Ich hatte auch noch nie einen Trickfilm synchronisiert und sofort Lust darauf, das auszuprobieren.

Warum ist die Faszination, die von den Dinosauriern ausgeht, ungebrochen?

Ich stand als Kind vor einem riesigen Saurierskelett und fühlte mich winzig klein. Und so geht es einem auch noch als Erwachsener. Sich vorzustellen, dass diese riesigen Viecher tatsächlich gelebt haben, ist faszinierend. Und auch wenn ein Meteoriteneinschlag als Grund ihres Aussterbens wahrscheinlich ist, ist doch immer noch ein Rest von Mysterium mit ihrem Verschwinden verbunden.

Sind Sie im Gegensatz zu Ihrer Filmfigur eine eher furchtlose Natur?

Ich bin vielleicht ein bisschen weniger ängstlich. Aber im Film werden sich viele Kinder und Erwachsene wiedererkennen. Jeder hat doch im Laufe seines Lebens bestimmte Probleme und Ängste. Es gibt Situationen, in denen man sich einen Schubs geben und ins kalte Wasser springen muss, auch wenn man nicht genau weiß, wie es ausgeht. Dass man da erst mal ängstlich ist, wird jeder nachvollziehen können.

Wovor haben Sie Angst?

Das wird jetzt ein langes Gespräch! (lacht) Spontan erinnere ich mich an meine Zeit am Theater. Da hatte ich immer extremes Lampenfieber. Man ist sich sicher, dass man den Text kann, und weiß, wie man spielen muss. Und trotzdem hat man das Gefühl, man geht auf die Bühne raus in ein großes, schwarzes Loch und man erinnert sich an gar nichts mehr. Da kann ich mich ziemlich hineinsteigern. Beim Drehen ist das natürlich anders. Wenn man da wirklich mal etwas vergisst, hat man immer noch einen weiteren Take, einen neuen Versuch. Aber es macht ja gerade den Reiz des Theaters aus, dass es unmittelbar ist und man weiß, dass es jetzt darauf ankommt.

Gibt man bei zwei völlig gleichwertigen Angeboten aus Deutschland oder aus dem Ausland automatisch der internationalen Produktion den Vorrang?

Das kann man so nicht sagen. Es kommt immer auf das Drehbuch an und auf die Leute, mit denen man zusammenarbeiten kann. Und dann natürlich auf die Rolle. Es passiert praktisch nie, dass zwei Angebote genau gleich reizvoll sind. Ich würde nicht per se der internationalen Rolle den Vorrang geben. Wenn ich eine interessantere Rolle in Deutschland spielen kann, dann mache ich das natürlich.

Was lernt man, wenn man Filmemachern wie Steven Spielberg über die Schultern schauen darf?

Das ist natürlich faszinierend. Allein schon die Größe dieser Produktionen ist mit einem normalen Film in Deutschland nicht zu vergleichen. Man sieht erst mal, was es bei einer Filmproduktion überhaupt für Möglichkeiten gibt. Bei „Game of Thrones“ entsteht sehr viel in der Post-Produktion. Die technischen Möglichkeiten und die völlig andere Art des Drehens sind sehr beeindruckend.

Waren Sie überrascht, als „Game of Thrones“-Serienfigur die Bücher zu überleben?

Ja. Es hat eine Pause von zwei Jahren gegeben. Meine Figur tritt in den Büchern nicht wieder auf. Da kam der Anruf der Produzenten, man habe mich wieder in die Serie hineingeschrieben, doch sehr überraschend. Natürlich auf freudige Weise.

Werden Sie auf der Straße durch die Serien häufiger erkannt?

Ab und zu, klar. Das überrascht mich immer wieder. Gerade in „Game of Thrones“ sehe ich ja ganz anders aus, mit Langhaarperücke und in irgendwelche Lumpenklamotten gehüllt. Trotzdem gibt es tatsächlich viele Hardcore-Fans, die einen auf der Straße nur im Vorbeilaufen erkennen. Es hält sich aber alles im Rahmen. Ich bin noch nicht verfolgt worden.

Welcher Filmschaffende hat Sie als Mensch besonders beeindruckt?

Das lässt sich schwer sagen, ich treffe unheimlich viele nette Kollegen. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Berühmtesten oft die Bescheidensten und Normalsten sind. Meistens sind es die, die es sich eigentlich nicht leisten können, die wahnsinnig viel Wind um sich machen.

Um auf die Urzeitviecher zurückzukommen: Gibt es Situationen, in denen Sie sich wie ein Dinosaurier fühlen?

(lacht) Ja, mitunter. Wenn ich mit meinem siebenjährigen Patenkind rede, kommt das durchaus öfter vor. Da merkt man schon, dass man bei gewissen Dingen nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

NP-VISITENKARTE - Tom Wlaschiha

Geboren am 20. Juni 1973 in Dohna (Sachsen). Er studierte Schauspiel an der Hochschule in Leipzig. Im deutschen TV war er immer wieder in Nebenrollen zu sehen, in der ZDF-Serie „Die Rettungsflieger“ war er zwölf Folgen lang dabei. Berühmt machte ihn die Rolle des mysteriösen „Gesichtslosen“ Jaqen H’ghar in „Game of Thrones“. Seit 2013 ist er in der Krimi-Produktion „Crossing Lines“ als Polizist Sebastian Berger zu sehen. Wlaschiha drehte bereits mit Steven Spielberg und Roland Emmerich. In „Arlo & Spot“ spricht er einen ängstlichen Styracosaurus.

VON ANDRE WESCHE


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