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VERSTEHEN SICH: Bettina Tietjen und Alexander Bommes moderieren den NDR-Talk aus Hannover. © Nancy Heusel

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Tietjen und Bommes: "Die Sendung ist das i-Tüpfelchen

Einmal im Monat talken Bettina Tietjen (56) und Alexander Bommes (40) im NDR-Studio auf dem Messegelände. Die NP sprach mit „Bettina und Bommes“ (morgen, 22 Uhr, NDR) über Witze in der Maske, Lampenfieber und das Privatleben ihrer Gäste.

Seit einem Jahr talken Sie gemeinsam. Wie ist die Bilanz?

Tietjen: Super. Mir kommt es schon viel länger vor.

Bommes: Ausgesprochen positiv, ich bin toll aufgenommen worden im Team und hatte durchgängig Spaß. Es ist ja kein Nachteil zusammenzuarbeiten, wenn man sich mag. Der Vorteil: Wir beide sind vor der Kamera nicht anders als hinter der Kamera. So schaffen wir es, eine Runde von acht Leuten wie einen schönen Abend beim Italiener wirken zu lassen.

Sie kannten sich vorher schon?

Bommes: Wir haben uns 2008 ganz klassisch kennengelernt - in der Maske. Das klingt immer so nach Fernsehklischee, aber jeder muss da halt einmal am Tag hin. Sie war zuvorkommend, interessiert und nett zu mir. Ich hab Bettina damals in der Maske immer Witze erzählt, das hat sich über die Jahre ritualisiert.

Tietjen: Das machen wir jetzt auch in der Talk-Runde, bevor es losgeht. Das lockert so schön! Ich fand es damals großartig, dass mit Alexander ein Talent aus dem eigenen Haus gefördert wird. Er ist mir sofort aufgefallen.

Frau Tietjen hat ja schon einige Moderatoren „verschlissen“. Fühlt man sich da ein bisschen wie auf einem Schleudersitz?

Bommes: Da hab ich nicht einen Moment drüber nachgedacht (lacht). Ich hab nicht das Gefühl, dass sie meiner schon überdrüssig ist.

Wie teilen Sie die Gesprächspartner auf?

Bommes: Typische Juristenantwort: Kommt drauf an. Da Bettina 95 Prozent der Interviewgäste in ihrer 64-jährigen Karriere schon siebenmal interviewt hat, ist das sehr entspannt.

Tietjen: Hallo? Ich bin erst 56, mein Lieber! Wir gehen das als Team an. Jeder von uns kann die Fragen stellen, die ihm auf dem Herzen liegen. Der andere empfindet das nicht als Unterbrechung, sondern als Bereicherung des Gesprächs. Und auch unsere Gäste motivieren wir immer vor der Sendung, sich mit Fragen und Kommentaren einzumischen.

Bommes: Dass es so gut klappt, liegt auch daran, dass keiner von uns glaubt, sich über diese Sendung profilieren zu müssen. Keiner will den anderen an die Wand moderieren. Wir sind beide mit dem, was wir im TV machen, so zufrieden, dass wir den Abend einmal im Monat genießen können.

Tietjen: Die Sendung ist das i-Tüpfelchen von allem, was wir sonst so versenden.

Frau Tietjen, ist das nicht langweilig, wenn Sie einen Gast zum x-ten Mal treffen?

Tietjen: Das ist, als ob man alte Freunde trifft. Man findet immer etwas Neues, über das man sich austauschen kann. Und es ist schön, wenn die Leute sich gut aufgehoben fühlen. Denn dann öffnen sie sich schneller und haben Vertrauen.

Bommes: Wir machen ja nicht das hochjournalistische Investigativprogramm. Ich gucke Freitagabend selber lieber Sendungen, in denen es nett ist. Die Politik-Talks, die schaue ich unter der Woche. Und wenn Bettina Hannes Jaenicke zum zehnten Mal in sechs Jahren interviewt, hat der Zuschauer keine Sekunde das Gefühl, er wäre ausgeschlossen. Das kann nicht jeder, oft wird das zu Kumpanei.

Tietjen: Dieses Geklüngel, dieses Sich-Verbrüdern mit dem Gast, das mag ich nicht. Es muss immer eine gewisse journalistische Distanz bleiben.

Und wenn Gäste ihr Privatleben unter Verschluss halten?

Tietjen: Ich versuchs natürlich trotzdem (lacht). Manchmal frage ich ganz direkt, warum sie eigentlich nie über ihr Privatleben reden - und versuche auf Umwegen dann doch ein bisschen was herauszufinden. Das funktioniert aber besser im Radio, da fühlen sich die Leute unbeobachteter.

Talk-Gäste brennen darauf, ihre neue CD in die Kamera zu halten. Wie geht man damit um?

Bommes: Ach, das muss man entspannt sehen. Schauspieler drehen mehr als einen Film im Leben. Und wenn man einen als Gast hat, muss man ja nicht zum zehnten Mal darüber reden, wie er damals seinen Motorradführerschein gemacht hat. In den USA ist das anders: Jimmy Fallon hält ein Buch 17-mal in die Kamera und sagt am Ende dreimal, wann ein Film startet. Das ist Part of the Deal. Auch bei uns ist ein neues Buch ein Anlass. Es darf halt nicht der Eindruck entstehen, wir wären QVC, der Shopping-Sender.

Herr Bommes, erinnern Sie sich denn an die korrekten Antworten bei ihrer Quiz-Sendung „Gefragt - gejagt“?

Bommes: Ach (stöhnt), ich bin ganz schlecht bei so Sachen wie Quiz-Duell. Aber an Antworten aus der Schnellraterunde kann ich mich oft aus unerklärlichen Gedächtnisgründen erinnern.

An Ihre erste Live-Situation?

Bommes: Oh ja, 22. September 2007, ich war noch Volontär und designierter Moderator des „Hamburg-Journals“. Ich saß in der Kantine, als der Anruf kam, dass Judith Rakers ausfällt und ich ins kalte Wasser geworfen werden sollte. Da bin ich kurz ohnmächtig geworden (lacht). Ich hatte ja noch nie in meinem Leben live vor der Kamera gestanden. Da hab ich erst mal meinen Vater angerufen, dann meinen Konfirmationsanzug rausgeholt und eine Krawatte umgebunden, die bis zu den Kniekehlen ging. Das wurde dann noch ein bisschen gerichtet (lacht). Aber ich war sooo aufgeregt.

NPVISITENKARTE - Bettina Tietjen

Geboren am  5. Januar 1960 in Wuppertal. Nach dem Studium (Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte) ist sie Reporterin für Rias Berlin und NDR, moderiert die „Aktuelle Stunde“ im WDR und bis heute „DAS!“ im NDR. Seit 1997 macht sie einmal im Monat den Freitagstalk – erst mit Eva Hermann, dann mit Yared Dibaba, fünf Jahre lang mit Eckart von Hirschhausen, jetzt mit Alexander Bommes. Sie gilt in Talk-Runden als „Menschenöffnerin“ und hat ein Buch über die Demenz ihres Vaters geschrieben. Tietjen ist verheiratet und hat zwei Kinder.

NP-VISITENTKARTE - Alexander Bommes

Geboren am 21. Januar 1976 in Kiel. Er spielt Bundesliga-Handball bei TSV Bayer Dormagen und VfL Gummersbach, studiert später Jura und volontiert beim NDR. Ab 2007 moderiert er das „Hamburg-Journal“, außerdem den „Sportclub“. Seit 2011 führt er durch die „Sportschau“ am Sonntag, seit Sommer 2015 moderiert er auch die Bundesliga-Sportschau am Sonnabend. Mit Bettina Tietjen talkt er seit etwas mehr als einem Jahr. Ein weiteres ARD-Standbein mit tollen Quoten: die Quizsendung „Gefragt – gejagt“. Mit Kollegin Julia Westlake (44) hat er zwei Söhne.


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