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SEIT FAST 30 JAHREN IM POP-GESCHÄFT:  Thomas D. von den „Fantastischen Vier“.

SEIT FAST 30 JAHREN IM POP-GESCHÄFT: Thomas D. von den „Fantastischen Vier“.
© picture alliance / dpa

NP-Interview

Thomas D: „Ich bin stolz, was wir geschaffen haben“

Er ist der auffälligste Kopf der „Fantastischen Vier“: Thomas D. (48). Und das nicht nur wegen seines Looks, sondern auch wegen seiner Lebensart. mit seiner Frau und den zwei Kindern lebt der Musiker, der sich vegan ernährt, in einer Landkommune. Am Wochenende hat er mit seiner Band bei der Ideen-Expo gespielt.

Hannover.  

Thomas D., wann hatten Sie eigentlich zuletzt so eine richtig gute Idee?

Gestern! Doch, wirklich. Kurz vorm Einschlafen ist mir so ein Hammerreim eingefallen. Und wie es dann so ist – vergessen! Die letzte richtig große Idee war Deutsch-Rap, ist von Smudo und mir und gut 30 Jahre her (). Ansonsten habe ich mir die „Nature Tom“-Produkte einfallen lassen. Okay, nicht ganz alleine meine Idee, aber ich habe mit dem Hersteller eine schöne Bio-Marke entwickelt. So richtig im Labor mit Haube auf dem Kopf. Und aktuell sammele ich hauptsächlich Ideen für die neue Fanta-4-Platte, die nächstes Frühjahr kommt.

Rumtüfteln ist also total Ihr Ding. Zum Beispiel, wie man den perfekten Espresso hinbekommt.

() Also wenn der Es­presso meine Erfindung ge­wesen wäre, würde ich damit angeben. Es dauert drei Jahre, bis man die Barista-Ausbildung hat, ich habe zwei Jahre mit mir selbst und meiner Maschine gebraucht. Herausgekommen ist der „Es­presso D“, den ich mit der Dauner Kaffeerösterei entwickelt habe.

Und der schmeckt wie?

Ich habe natürlich versucht, das zu toppen, was es schon gibt. Smudo jedenfalls ist passionierter Espressotrinker und hat das erste Päckchen aus Sympathie seinem Bandkollegen gegenüber gekauft. Neulich hat er mir aber ein Foto geschickt und geschrieben, dass er zwei Kilo gekauft hat und nie mehr was anderes trinken will. Das macht der nicht nur so, da ist das Zeug gut in seinen kritischen Gaumen reingelaufen.

Sie engagieren sich für Bildungsprojekte mit Kindern und Jugendlichen. Was reizt Sie daran?

Kinder sind unsere Zukunft! Die sind so hungrig, Wahnsinn, wie schnell sie Dinge aufnehmen. Unser Speicher ist doch schon längst voll, die Festplatte löscht sich schon von alleine. Bei Kindern ist das eben nicht so. Es ist schön, wenn man Input an­bieten kann, der nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Inhalte wie Texte und das Einmaleins lassen sich leichter vermitteln, wenn man sie rappt. Mit Musik lernt es sich nun mal besser.

Und im Gegenzug beflügeln Kinder Ihre Kreativität. Wie das?

Das ist ein total interessantes Phänomen. Ich arbeite ja viel von zu Hause, und ständig heißt es von meinen Kindern: „Papa, guck mal hier, Papa, guck mal da.“ Ich habe kaum Zeit, bin aber trotzdem kreativ und habe sogar mehr Soloalben geschaffen als vorher. Junges Leben ist direkte Inspiration. Es ist eine unglaubliche Erfahrung, wenn du plötzlich Regeln aufstellen musst, auf die du selbst eigentlich scheißt – oder „Nein“ sagen musst. Das sind unglaubliche Erfahrungen, die man machen kann, wenn man Kinder hat. Kinder ändern alles.

War es Ihnen als Band wichtig, mal wieder ein Gratis-Konzert zu spielen? Denn in Hannover sind die Leute nach diesem Konzertsommer definitiv pleite, so viel, wie hier los ist.

In Deutschland ist es ja gängig zu sagen, dass, wenn etwas nichts kostet, es nichts wert ist. In vielen Fällen kaufen sich Leute bedenkenlos einen teuren Louis-Vuitton-Koffer, weil sie es geil finden. Bei geistigem Eigentum, wie der Kunst, wird das nicht so gesehen. Ab und zu ein sehr exklusives Konzert zu spielen, ist super, gerade für Leute, die sonst nicht die Möglichkeiten haben. Das nächste Mal wird aber wieder bezahlt ().

Wie bestücken Sie eigentlich eine Setlist? Bei der Hitdichte ist das doch bestimmt unheimlich schwierig.

Da geht es gerade echt ein bisschen hin und her. Smudo macht den Plan, dann wird er diskutiert. Der hat aber gerade das dritte Kind bekommen, es ist erst ein paar Wochen alt, da ist er manchmal etwas neben der Spur und verwirrt. Da heißt es plötzlich: „Hoppla, ich habe ,Was geht’ vergessen.“ Bei einem 120-Minuten-Konzert sind es dann auf einmal nur 110, dann muss eben noch etwas dazu – aber was?! Dann kommt „Die da“ wieder rein. So wird hin- und hergeschoben. Wir sind da aber ziemlich konservativ. Wenn wir eine Setlist haben, dann bleibt die eigentlich auch so, weil wir einige Stücke haben, die gut hintereinander funktionieren. Das sind dann Hits und Lieder, die wir selber mögen. Zum Beispiel „Gegen jede Vernunft“ finden wir total geil, selbst wenn es zwei Jahre gedauert hat, bis die Leute es auch abgefeiert haben.

Gibt es irgendwas, das Sie mir exklusiv von den Fantas noch verraten könnten?

Da gibt es einige Sachen. Es reden ja alle von unserem 30-Jährigen, das kommt 2019. Nächstes Jahr kommt die neue Platte … Ich denke mal nach, nee, den Titel kann ich nicht verraten, der ist noch geheim. Leider kann ich noch nicht mit etwas dienen, so­bald es aber so ist, bist du die Erste (). Ich kann nur sagen, dass ich total stolz bin auf mich und die Jungs im Hinblick darauf, was wir ge­schaffen haben.

Von Mirjana Cvjetkovic