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Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders kommt nach Hannover. Foto: Stephan Pick

NP-Interview

Thomas Anders: „Bohlen bei Modern Talking war Zufall“

Höhenflug und Absturz mit Modern Talking, dutzende Ohrwurm-Hits und die berühmte Nora-Kette: Thomas Anders (53) 
ist seit den 80ern ein Star, an dem sich die Meinungen spalten. Dienstagabend ist er zu Gast in einer Talk-Runde am Flughafen.

Hannover. Im Juni spielen Sie Konzerte in Russland, dann gehts auf Tour in die USA. Mit alten Modern-Talking-Songs ...
Ich bin ja pausenlos unterwegs auf dem Weltmarkt, erst vor ein paar Wochen habe ich in Polen ein Konzert vor 8000 Leuten gespielt. Mein Erfolg basiert auf dem Erfolg von Modern Talking, die Band ist der Grundstein meiner Karriere. Ich habe diese Marke und diese Musik aber auch immer gepflegt, habe die Songs in die Gegenwart mitgenommen. Die Hörgewohnheiten des Publikums verändern sich ja, also lasse ich die Arrange
ments alle zwei Jahre aufpolieren.

Warum funktioniert Modern Talking in Ausland immer noch?
Vielleicht weil die Fans dort die Querelen zwischen Dieter Bohlen und mir nicht so mitbekommen haben wie die Fans in Deutschland. Hier ist die Band kontrovers diskutiert worden, jeder hat geglaubt, eine Meinung zu haben. Es macht mich heute noch fassungslos, was für Geschichten über mich erzählt werden!

Sie und Bohlen haben ja auch für allerhand Schlagzeilen gesorgt ...
Das ist immer ein zweischneidiges Schwert. Als Modern Talking waren wir immer sehr exponiert, auch provokant. Aber dadurch ist man auch im Gespräch.

Wie gehts Ihnen, wenn Sie heute „You’re my Heart, you’re my Soul“ im Radio hören?
Da kommen schon sentimentale Emotionen hoch. Aber ich platze nicht vor Stolz. Der Song und alles, was damit verbunden ist, gehört nun mal zu meinem Leben.

Wie gehen Sie und Dieter Bohlen heute miteinander um?
Geschäftlich. Neutral. Modern Talking ist immer noch ein Wirtschaftsunternehmen, eine Marke. Wir verkaufen jedes Jahr etwa 250 000 Alben weltweit. Da muss man auch mal miteinander telefonieren ...

2011 haben Sie in Ihrem Buch „100 Prozent Anders“ aber einiges aus der gemeinsamen Geschichte ausgeplaudert. Eine Revanche für Dieter Bohlens zwei Enthüllungsbücher?
Nein, ich wollte nicht den Gegenpol darstellen. Das Buch war auch nicht als Abrechnung gedacht. Ich bin damals 50 geworden, das ist ja ein Zeitpunkt, an dem man auf genügend Jahre zurückblicken kann. Egal, wie man zu Thomas Anders steht, er hat Musikgeschichte geschrieben.

Aber beinahe hätte die ohne Dieter Bohlen stattgefunden, oder?
Ja, Dieter Bohlen als Teil von Modern Talking war Zufall (lacht). Er hat damals „You’re my Heart“ geschrieben, wollte aber unbedingt als Produzent im Hintergrund bleiben und auf keinen Fall in die Öffentlichkeit. Unvorstellbar aus heutiger Sicht, oder? Aus ihm wurde die öffentlichste Person!

Wie kam es dazu?
Der Plan war von vornherein, Modern Talking als Duo zu promoten. Dafür sollte ein Model gecastet werden, als die Single schon auf dem Markt war. Die hat sich anfangs nur schleppend verkauft, wurde dann aber über die Weihnachtsfeiertage 1984 rasant erfolgreich. Die Zeit war knapp, also trat Dieter mit mir auf. Das hat dann wohl seinem Leben eine 180-Grad-Wendung gegeben ...

Ihnen wäre aber auch viel erspart geblieben ohne ihn, oder?
Hätte, hätte, Fahrradkette (lacht). Vielleicht haben Modern Talking ja gerade dieses Yin und Yang, diese extremen Gegensätze so interessant gemacht. Ich bin erst mal dankbar, dass ich das alles miterleben durfte.

Eine Wiedervereinigung schließen Sie immer noch konsequent aus? Das Comeback 1998 war ja sogar noch erfolgreicher als das Original in den 80ern.
Ich glaube, die Faszination von Modern Talking beruht darauf, dass es uns nicht mehr gibt. Man muss den Teebeutel nicht zum dritten Mal ins Wasser halten.

In Ihrer Heimatstadt Mörz waren Sie ja als Knirps schon ein Star ...
... das ist auch nicht so schwierig in einem Ort mit 125 Einwohnern (lacht). Ich war erst gestern mit meinen Eltern essen, und sie haben mir bestätigt, dass man mich damals nicht bremsen konnte: Dieser Wunsch, auf die Bühne zu gehen war ganz tief in mir drin. Das kann man nicht lernen. Mit 14 Jahren hatte ich ja schon 300 Auftritte hinter mir.

Und mit 16 einen neuen Namen. Aus Bernd Weidung wurde Thomas Anders.
Das war ein Schnitt. Musik war kein jugendliches Hobby mehr, es kamen die ersten TV-Auftritte, Singles, Alben. Parallel bin ich aber zur Schule gegangen und habe brav mein Abitur gemacht. Ich war damals extrovertiert, bin nie mit dem Strom geschwommen. Aber ich war ein beliebter Schüler, war fünf Jahre Klassensprecher.

Aber die erste Schlagzeile in der „Bravo“ hat wehgetan, oder?
Schon doof, wenn am Schwarzen Brett der Schule der Ausriss hängt mit der Überschrift „Ich habe noch nie ein Girl geküsst“. Heute, in Zeiten von Facebook, würde das natürlich noch viel schlimmer ausfallen.

Ihr Sohn Alexander ist 14 Jahre alt. Würden Sie ihn unterstützen, wenn er Pläne im Show-Business hätte?
Junge Menschen müssen sich ausleben und auch mal auf die Schnauze fallen. Ich würde ihm sagen, dass dieser Weg ganz schön steinig ist. Man wird vom Schicksal gefordert.

Was gibt es Neues in Ihrem Leben?
Im Mai startet mein Youtube-Channel. Ich sammle TV-Mitschnitte von mir, mache Einspieler, filme mich selber mit dem iPhone. Außerdem arbeite ich an einem neuen Album mit Popschlagern, das im September rauskommen soll. Mit deutschen Texten.

Warum plötzlich wieder deutsch?
Meine Fans fordern das ein. Schon vor drei Jahren, als ich das Weihnachtsalbum „Christmas for you“ herausgebracht habe, bin ich darauf angesprochen worden. Außerdem hat sich ja viel verändert in den letzten Jahren: Xavier Naidoo hat die deutsche Sprache entstaubt und wieder interessant gemacht, Helene Fischer hat noch einen draufgesetzt.

 Mehr Talk mit Thomas Anders am 12. April, 19 Uhr, im „Skylight“ am Flughafen. Karten kosten 20 Euro.

Andrea Tratner


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