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Dietmar Althof und Renate Rochell trinken ein Gläschen auf den 50. Geburtstag des Amateurtheaters „Die Tribüne“ im Mövenpick. Das Restaurant am Kröpcke leitete der 64-Jährige 25 Jahre. Foto: Wilde

Hannover

Theater ist Althofs schönste Nebenrolle

Den Gastwirt mimt Dietmar Althof (64) in Perfektion. Doch der Senior-Partner der Schlossküche Herrenhausen schlüpft auch 
gerne in andere Rollen. Seit 22 Jahren spielt er bei „Die Tribüne“. Das Amateurtheater feiert dieses Jahr 50. Geburtstag.

Hannover. Der Part des Gastgebers ist seine Paraderolle. Als Regisseur macht Dietmar Althof (64) sich ebenso hervorragend – beruflich. Kein Wunder, dass der Senior-Partner der Schlossküche Herrenhausen privat ein großes Faible fürs Theater hat. „Es gibt wahnsinnig viele Parallelen“, erklärt das Szene-Urgestein. „Ich liebe besonders die hautnahen Erfolgserlebnisse: Nach der Vorstellung gibt es Applaus, in der Gastronomie bekommt man ebenfalls am gleichen Abend ein Feedback.“ In seinen Augen liegt dieser Ausdruck von Glückseligkeit, wenn er von seinen beiden großen Leidenschaften schwärmt.

22 Jahre gehört Althof nun schon zum Amateurtheater „Die Tribüne“, das dieses Jahr 50. Geburtstag feiert. 1991 spezialisierte sich die Truppe auf Krimi-Inszenierungen. In dieser Zeit wurde auch die Werkstatt Galerie Calenberg (WGC) zum Stammhaus. Doch immer wieder zieht es das Ensemble auch an ungewöhnliche Spielstätten. Für das Stück „Die zwölf Geschworenen“ wurde die Bühne ins Landgericht Hannover verlegt. Aber nicht in irgendeinen Raum. „Wir haben im Schwurgerichtssaal gespielt, wo Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf der Anklagebank saß“, erzählt Althof. Zurzeit begeistert das Ensemble mit „Der Seelenbrecher“ von Bestseller-Auto Sebastian Fitzek (44). „Wir haben das Stück schon über 50-mal gespielt – für ein Amateurtheater eine ziemliche Hausnummer“, findet Renate Rochell (60), die seit fünf Jahren die künstlerische Gesamtleitung hat und Regie führt.

Die ausgebildete Ballettänzerin und Althof sind schon lange befreundet. 25 Jahre war der 64-jährige Mövenpick-Chef am Kröpcke (von der Eröffnung 1976 bis 2001), pflegte stets gute Beziehungen zur benachbarten Staatsoper, an der die Hannoveranerin einst als Regieassistentin arbeitete. Was beide noch verbindet? „Ich bin wie Renate ein Menschenfreund“, antwortet der Schlossküchen-Wirt ohne zu überlegen, „ich brauche andere um mich, um erfolgreich zu sein“.

Was viele nicht wissen: Fast wäre Althofs Karriere ganz anders verlaufen. „Ich habe 1970 die Aufnahmeprüfung an der berühmten Wiener Schauspielschule Max Reinhardt Seminar gemacht – und bestanden“, erzählt der gebürtige Österreicher, in dessen Stimme immer noch ein Hauch des heimatlichen Dialekts liegt. Theater faszinierte ihn schon seit frühester Kindheit. Die Ausbildung hat er jedoch nie angefangen. Schuld daran war Mövenpick-Gründer Ueli Prager († 95), in dessen Restaurant in Zürich Althof einst jobbte – und der das Potenzial des jungen Mannes erkannte. „In meiner Generation gab es damals ein Zauberwort: Amerika“, erinnert sich der Wahl-Hannoveraner. „Und genau dorthin wollte Prager mich zur Ausbildung schicken. Kein Frage, dass ich mich gegen die Schauspielschule entschied.“ Der Gastronom lacht.

So besuchte er Kurse in Wirtschaftspolitik und sammelte praktische Erfahrungen in der Gastronomie-Szene von Saint Louis in den USA. 1976 schickte Prager ihn nach Hannover, um das Mövenpick am Kröpcke mit aufzubauen. „Ich verliebte mich spontan in die Stadt“, schwärmt Althof in seiner warmherzigen Art. Es war die besondere Verbindung zu den Nanas („Ich kannte Niki de Saint-Phalle aus Zürich“) und seine Begeisterung über den sehr jungen OB. Herbert Schmalstieg (72) war damals 29 Jahre alt. „Heute ist er einer meiner engsten Freunde“, so Althof.

Für den Gastronom ist die Schauspielerei ein wunderbarer Ausgleich zum stressigen Job mit viel Verantwortung. „Ich sehe auf der Bühne nicht nur, wie ich geistig noch drauf bin, sondern auch, ob ich mich noch unterordnen kann“, beschreibt er durchaus selbstkritisch. Anders als im Beruf spielt Althof nämlich besonders gerne Nebenrollen. „Sie geben den Hauptdarstellern den Rahmen und heben das ganze Stück“, argumentiert er. So wie eben ein Restaurant-Chef nichts ohne seine Angestellten ist. Der Rollentausch scheint ihm gut zu tun.

Zum 70. wünscht er sich allerdings dann doch mal wieder eine Hauptrolle. „Dann habe ich vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit“, sagt der Laien-Darsteller geheimnisvoll. Weil er dann in Rente ist?
Der 64-Jährige neigt den Kopf zur Seite. „Wir werden sehen.“ Dann lächelt Dietmar Althof wie ein Lausbub. „Dann würdest du vielleicht endlich mal öfter zur Probe kommen“, stichelt Renate Rochell. Beide lachen. Jana Meyer

Info

„Die Tribüne“ wird in diesem Jahr 50 und ist Hannovers ältestes Amateurtheater. Inszeniert werden Krimis wie „Die zwölf Geschworenen“, „Arsen und Spitzenhäubchen“ und „Tod auf dem Nil“. Stammhaus ist die Werkstatt Galerie Calenberg (WGC). Geprobt wird zweimal in der Woche – außerhalb der Spielzeit. Die Gruppe ist bunt gemischt. Renate Rochell (50) hat die künstlerische Leitung, führt Regie. Für das neue Stück „Acht Frauen“ werden noch Darstellerinnen zwischen 20 und 30 gesucht.

Das aktuelle Stück „Der Seelenbrecher“ mit Dietmar Althof  (64) als Hausmeister läuft noch am 14. und 18. November (20 Uhr, WGC, Kommandaturstraße 7). Karten: 16 Euro.
www.tribuene-hannover.de


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