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Der Journalist Takis Würger veröffentlicht seinen Debütroman.

Der Journalist Takis Würger veröffentlicht seinen Debütroman.
© Sven Döring

Porträt

Takis Würger veröffentlicht ersten Roman „Der Club“

Für ihn fühlt es sich ein bisschen wie verkehrte Welt an: „Komisch, dass ich auf einmal derjenige bin, der Interviews gibt.“ Denn eigentlich stellt Takis Würger (31), wie üblich in seinem Reporteralltag, die Fragen.

Hannover. Den Grund dafür lieferte der Wennigser kürzlich selbst: Mit „Der Club“ veröffentlichte der Journalist einen Roman, es ist sein erster. Einer, der vom Verlag Anfang März in Berlin auf einer rauschenden Party vorgestellt worden ist, unter anderem war Schauspieler Benno Fürmann (45) zu Gast. Es gab Schampus aus Magnumflaschen, „und im Laufe des Abends wurde es immer verrückter“, erinnert sich Würger an den Abend im International Club, „das hat mich schon überwältigt und auch ziemlich nervös gemacht.“ Das kann es ruhig, denn sein Debüt befindet sich jetzt schon in der dritten Auflage, und Würgers Hoffnung, 10 000 Exemplare zu verkaufen, wurde gleich am Erscheinungstag erfüllt.

„Es fühlt sich irgendwie unwirklich an“, beschreibt der 31-Jährige den derzeitigen Rummel um seine Person und seinen Roman. „Wenn ich ihn im Buchladen sehe, befürchte ich manchmal, jemand könnte darauf kommen, dass ich das gar nicht kann.“ Schwer nachvollziehbar, dass einen Mann, der mehrfach mit Journalistenpreisen ausgezeichnet worden ist, solche Zweifel plagen. „Am Ende des Tages bin ich einfach nur ein Redakteur des Spiegels.“

Seit 2010 schreibt Würger für das Hamburger Nachrichtenmagazin, reist dafür unter anderem nach Mexiko, in den Irak und nach Libyen. Vor zwei Jahren nimmt er sich eine Auszeit vom Büro. „Ich hatte das Bedürfnis, etwas für meinen Kopf zu tun und etwas zu lernen“, erzählt er. Nach dem Volontariat in München hatte er zwar die renommierte Henri-Nannen-Schule besucht, ist aber nie an einer Uni gewesen. Der Journalist schreibt sich am St. John’s College in Cambridge ein, Fachrichtung „Human, Social, Political Sciences“. Ein Jahr studiert er in England, erlebt dort so viel, das ihn gleichermaßen „fasziniert und erschreckt.“

Er begegnet Menschen aus der britischen Upper Class, „die schon mit dem Gedanken aufwachsen, etwas Besseres zu sein.“ Für Menschen aus der Elite ist es kein Problem, 50 000 Pfund fürs Studium zu bezahlen, „im Alter von sechs Jahren können die Jungs sich schon eine Krawatte binden. Und sie wissen, welche Gabel man benutzt, um eine Auster aus der Schale zu lösen.“ Aus deutscher Perspektive betrachtet, eine ganz andere Welt, „so eine Oberschicht haben wir hier ja gar nicht.“ Jedenfalls macht sich in Würger zügig das Bedürfnis breit, eine Geschichte über jene sonderbare Welt zu schreiben. „Weil es dir dann besser geht. Besser, als es für sich zu behalten.“ Sein Erstlingswerk nennt er fiktional, die Ideen dafür stammen aber sehr wohl aus den Erfahrungen, die er in diversen elitären Herren- und Box-Clubs gemacht hat. Hier trifft er Snobs und verquere Leute, aber auch welche, „die total angenehm und nett sind.“

Nach einem Jahr beendet Würger das Studium („Ich habe alles erlebt, was man erleben kann“), kehrt nach Hamburg zurück. Er beginnt, seinen Roman zu schreiben. Gerade einmal drei Monate benötigt er , „ich habe ohne Pause durchgeschrieben.“ Dabei hält er sich an einen Ratschlag von Stephen King (69, „Es“) – nämlich in einem Rutsch durchzuschreiben, das legt der Bestsellerautor unerfahrenen Autoren nahe. „Er wird es ja wissen“, sagt Würger und lacht.

Was macht ihm denn mehr Freude: Alltägliche Geschichten für den „Spiegel“ zu schreiben oder Romane? „Definitiv Erstes“, antwortet er prompt. „Weil es spannend, weil es die Wahrheit ist. Ich definiere mich als Journalist!“ Einer, der sich gerne in den Zug setzt und in die Heimat an den Deister fährt: „Wenn ich in Wennigsen bin, kommt tiefstes Heimatgefühl auf. Dort fühle ich mich sicher.“ Er hat im München und England gelebt, jetzt wohnt er in Hamburg, „aber Hannover ist und bleibt großartig.“ Eine schönes Statement eines Mannes, der nicht abgehoben wirkt und augenscheinlich nicht vergessen hat, woher er kommt – nämlich aus einem Umfeld, das nichts mit elitären Clubs gemein hat.

Von Mirjana Cvjetkovic

Hannover