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LITERATURENTERTAINER: Sven Amtsberg lebt in Hamburg, ist seiner alten Heimat Langenhagen – und den Scorpions- aber noch eng verbunden.

LITERATURENTERTAINER: Sven Amtsberg lebt in Hamburg, ist seiner alten Heimat Langenhagen – und den Scorpions- aber noch eng verbunden.
© M. Hogrefe

Scorpionsroman

Sven Amtsberg macht „Superbuhei“ für Klaus Meine

Durch diesen Roman weht der „Wind of Change“: Sven Amtsberg (44) hat seiner alten Heimat Langenhagen ein Denkmal gesetzt. In „Superbuhei“ spielt ein berühmter Sohn der Stadt eine tragende Rolle: Klaus Meine! Die NP sprach mit dem Autoren über seine Leidenschaft für die Scorpions, das Streben nach Einzigartigkeit und „supernette Leute“ in Langenhagen.

Langenhagen. The world is closing in. Did you ever think that wie could be so close, like brothers.“ Die ganze Welt kennt diese Zeilen aus der Feder von Klaus Meine (69), die Scorpions landeten mit „Wind of Change“ 1990 einen globalen Hit. In einer Zeit, als die Welt sich in den Armen lag und das Ende des Kalten Krieges feierte. Die Nähe zwischen Brüdern, die Vertrautheit, das Gefühl des untrennbaren Bandes – ist das wirklich so erstrebenswert? Sven Amtsberg (44) hat ein Buch über Zwillingsbrüder geschrieben, die ausgerechnet diese Verbundenheit in ein lebensbedrohendes Duell drängt.

Amtsberg widmet den Roman Klaus Meine

„Für Klaus Meine“ lautet die Widmung in „Superbuhei“ (Frankfurter Verlagsanstalt, 360 Seiten, 24 Euro), der Roman ist eine Hommage an den Scorpions-Frontmann. „Eine Lichtgestalt, eine Art Jesus“, sagt Amtsberg mit einem Augenzwinkern. Der Hamburger hat seinen ersten Roman in seiner alten Heimat angesiedelt – in Langenhagen. Klaus Meine hat dort einst den Hauptschulabschluss gemacht, Amtsberg eine „fantastische Kindheit und großartige Jugend“ verbracht. „Ich hatte viel Spaß da“, sagt der Mann der aber mit Anfang zwanzig „die Biege nach Hamburg gemacht“ hat: „Ich musste mal raus.“ Seine Romanfigur Jesse Bronske kann dem „Moloch“ Langenhagen („das Tokio Niedersachsens“) nicht so viel abgewinnen.

Für Jesse ist die Flughafenstadt Fluchtpunkt und Versteck, hier will er in der Mittelmäßigkeit untertauchen, der er eigentlich unbedingt entrinnen will. Denn Jesse hat einen Zwillingsbruder, Aaron. Der Vater – ein talentfreier Elvis-Imitator, der seinen Imbiss „Grace­land“ getauft hat – hat die Söhne nach Elvis Aaron Presley und dessen totgeborenem Zwilling Jesse Garon benannt. Ein schweres Erbe.

Der Romanheld verehrt den Scorpionssänger

Die Zwillingsidee faszinierte Amtsberg. „Alle streben nach Einzigartigkeit. Das eigene Selbst wird er­höht – das sieht man bei Facebook, Instagram und dem ganzen Zeug“, findet der Mann, der sich in Hamburg einen Namen als „Literaturentertainer“ gemacht hat, „ein identischer Zwilling macht das zunichte.“ Zumal Jesses Abbild Aaron schon in der Kindheit versucht, in die Hülle des Bruders zu schlüpfen. Jesse flieht – nach Langenhagen. Und da kommt Meine ins Spiel.

Jesse verehrt den Scorpions-Sänger so sehr, dass er seine Absturzkneipe, die an das Einkaufszentrum „Superbuhei“ angegliedert ist, „Klaus Meine“ nennt. Der menschliche Bodensatz Langenhagens kippt dort Bier und Kurze, während Familien ihre Einkäufe ma­chen – die Hintergrundmelodie für die Loser liefert das Gesamtwerk der Scorpions. „Es war ein großer Spaß, für jedes Kapitel einen passenden Scorpions-Song als Überschrift zu finden“, erzählt Amtsberg, der sich dazu bekennt, durchaus Fan der Hardrocker zu sein.

„Es gab noch keine Reaktion von Klaus Meine“

„Das ist wohl meine Form von Lokalpatriotismus, seit ich in Hamburg lebe, ein gewisser Stolz auf Hannover“, sagt er trocken. Eine Ju­gend in den 80ern habe Spuren hinterlassen. „Damals waren die Scorpions überall präsent, wer sich für Punk oder Metal interessierte, kam um diese Band nicht herum“, erinnert er sich. Jesse führt im Roman eine rege (fiktive) Korrespondenz mit dem Star und bekommt – natürlich – we­gen des Kneipennamens auch Ärger mit den Anwälten des Sängers. Und Amtsberg? „Es gab noch keine Reaktion“, sagt er und lacht, „Klaus Meine hat das Buch aber zugeschickt bekommen.“ Angst vor einer Klage hat er nicht: „Das geht als Satire durch. Außerdem ist das Buch ja als Hommage gedacht.“

Ob die Langenhagener das auch so sehen? Der Ort steht für das „Ermüdungsbecken der Bedeutungslosigkeit“, in dem sich aber die Handlung gegen Ende des Romans ins Thrillerhafte dreht – als Jesse die Ahnung beschleicht, dass sich der unsichtbare Aaron wieder in sein Leben geschmuggelt haben könnte. Vor kurzem hat Amtsberg im CCL ge­lesen. „Die Stimmung war gut“, beteuert er, „der Roman ist zwar düster“ – Jesse taucht immer tiefer in eine Wahnwelt –, „aber bei Lesungen kommen eher die komischen Elemente raus.“ Auf seine alte Heimat lässt er nichts kommen: „Die Langenhagener sind supernette Leute.“

Das ist der Autor:

Sven Amtsberg lebt in Hamburg und ist Autor, Veranstalter und Moderator diverser Formate. Außerdem hat er das „Autorendock“ gegründet, Schriftsteller wie Juli Zeh (43), Frank Schulz (60) oder Tilman Rammstedt (42) geben dort Nachwuchsschreibern Seminare. Für das „Hamburger Abendblatt“ verfasste er die Kolumne „Amtsbergs Ansichten“, er erhielt zweimal den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg. Bereits erschienen sind die Erzählbände „Das Mädchenbuch“, „Die Wahrheit über Deutschland“ und „Paranormale Phänomene“. Hier gehts zur Internetseite des Autoren: www.amtsberg.net

Von Andrea Tratner