Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Mensch-Hannover Sternekoch Heinrich Stern feiert 80. Geburtstag
Menschen Mensch-Hannover Sternekoch Heinrich Stern feiert 80. Geburtstag
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:20 29.10.2018
IDYLLISCH: Heinrich Stern lebt in Fallingbostel auf einem ehemaligen Gutshof. Quelle: Dröse
Hannover

Die braunen Augen blitzen fröhlich, weiße Haare umrahmen das freundliche Gesicht. Heinrich Stern steht in seiner Küche in seinem Haus bei Fallingbostel und kocht – ein Drei-Gänge-Menü mit Entenbrust als Hauptgang. Töpfe scheppern, Geschirr wird aufgetragen, im Hintergrund erklingt leise klassische Musik.

80 Jahre alt wird Heinrich Stern am 31. Oktober. Das Laufen fällt ihm nicht ganz leicht – das ist der Tribut, den sein Beruf gefordert hat. Doch ansonsten ist die Koch-Legende fit. Wie eh und je strahlt Sterns Aura, er füllt mit seiner Präsenz jeden Raum. Und wenn er wie gewohnt mit leiser Stimme spricht, hören alle gebannt zu.

Heinrich Stern freut sich auf sein Kindermädchen Tilly

Seinen Geburtstag feiert er in der Schlossküche Herrenhausen. „Die Familie reist an, inklusive meiner Kinder und der acht Enkelkinder“, sagt er, „ich bin schon ganz aufgeregt“. Viele alte Weggefährten sind unter den 120 Gästen, und es gibt einen ganz besonderen Ehrengast: Heinrich Sterns Kindermädchen Tilly Lilienthal feiert mit. „Sie ist heute über 90 Jahre alt und hat in den 40er Jahren auf mich aufgepasst.“

SEINE GESCHWISTER: Heinrich (rechts) mit Klaus, den Geschwistern Gerhard und Marianne und Kindermädchen Tilly. Quelle: privat

In Hannover hat Heinrich Stern Gastronomiegeschichte geschrieben. Mit seinen Restaurants hat er die gehobene Gastroszene maßgeblich geprägt. Er war der Spitzenkoch, zu dem alle aufblickten, die Gäste verehrten ihn, die Kollegen schätzen ihn als gewissenhaften Perfektionisten. Er verlangte viel von sich, aber auch von anderen. Sich auf Erfolgen ausruhen, sich feiern lassen, das gab es bei ihm nicht. Was seine Gäste betraf, war er absolut diskret. In einer eigentlich eitlen Branche war Stern über jegliche Missgunst erhaben, in Streitereien ließ er sich nicht reinziehen. Da schwieg er lieber. Was kein Zeichen von Schwäche war, im Gegenteil: Stern war eine Autorität und konnte sehr bestimmend sein.

Sterns Ziel war von Anfang an die Sterneküche

Von Anfang an war er ehrgeizig: „Schon als ich mich selbstständig machte, war mein Wunsch, genauso zu kochen wie die, die einen Stern haben“, erinnert sich der Meisterkoch. Den Stern, den er im Namen trug, bekam er mehrmals verliehen: „Es gab eine Zeit, da hatte die Familie Stern sogar drei Sterne“, sagt er lachend: „Ich hatte einen im Georgenhof, einen in Stern’s Restaurant und mein Sohn Achim hatte auch einen!“

Gelernt hat Heinrich Stern in den Maschsee-Gaststätten, das war damals schon die gehobene Gastronomie in Hannover. „Doch mit dem, was wir später gemacht haben, diese französisch angehauchte Küche, hatte das nichts zu tun.“ In dieser Zeit lernte er seine Frau Renate (heute 77) kennen. Die gelernte Hotelfachfrau war noch nicht einmal 18, als er ihr einen Antrag machte. Stern wusste eben früh, was er will. Nächstes Jahr ist das Paar 60 Jahre verheiratet und feiert Diamantene Hochzeit – in der Gastronomie eine Seltenheit.

GLÜCKLICH: Heinrich Stern und seine Renate sind bald 60 Jahre verheiratet. Quelle: Rainer_Droese

Das junge Paar liebte es, seine Freiheit zu genießen. Die beiden begannen, sich mit Reisen durch Europa kulinarisch fortzubilden. Schon bald kündigte sich das erste Kind, Joachim (heute 58), an und die Sterns wurden in Hannover sesshaft. „Ich habe dann versucht, mich selbst in der Küche weiterzubilden. Ich habe viel ausprobiert und getestet. Als Seeigel aufkamen, habe ich einfach eine Kiste bestellt und geschaut, was man damit machen kann. Ich habe es erstmal mit einer Suppe versucht“, schmunzelt er.

Auch die Urlaube von Familie Stern, inzwischen waren es drei Kinder, standen immer unter dem Zeichen der gehobenen Küche: „Wir reservierten in allen Sternehäusern auf unserem Weg. Meine Frau und ich bestellten je ein Acht-Gänge-Menü, um neue Anregungen zu bekommen. Und den Kindern gaben wir etwas Geld, damit sie im Ort herumlaufen konnten. Die wollten ja nicht fünf Stunden am Tag in einem Restaurant verbringen und abends noch einmal in einem anderen.“

Stern arbeitet nie nach Kochbuch

So haben es die Sterns ein Leben lang gemacht: Die Augen offen halten, Trends aufspüren, die Geschmacksnerven fordern, ausprobieren: „Ich habe nie nach Kochbuch gearbeitet. Ich bin nicht der Typ, der abwiegt. Darum kann ich auch nicht backen“, sagt Heinrich Stern.

1984 dann die Sternstunde: Heinrich Stern wurde mit seinem ersten Stern vom Guide Michelin geehrt. „Wenn man jung und ehrgeizig ist, ist diese Auszeichnung gut, besonders fürs Ego“, sagt Heinrich Stern und lacht herzlich.

So blickt der Jubilar auf ein Leben zurück, das Höhen und Tiefen hatte: „Ich habe mehrere dicke Fehler gemacht, die mich viel Geld gekostet haben, aber ich bereue nichts: Denn meine Familie und meine Kinder waren alle Mühen wert.“

KOCHT NUR NOCH PRIVAT: Für den NP-besuch zaubert Heinrich Stern drei Gänge. Quelle: Dröse

2004 gingen die Sterns gemeinsam in Rente und gaben den Georgenhof auf. „Wir wollten nur noch unsere Ruhe haben“, sagt Stern. Zunächst zogen sie in ein kleines Haus in Ingeln-Oesselse, vor drei Jahren erfolgte der Umzug nach Fallingbostel. Dort hatte sein jüngster Bruder Dieter (72) ein großes Gelände mit Gutshof gekauft und den Sterns ein wunderschönes Fachwerkhaus gebaut.

Mit der Pinzette Essen anrichten? Stern hält nichts davon

Ein paar Jahre lang kochte Stern noch hin und wieder in Restaurants. Inzwischen kommen aber nur noch Freunde oder Verwandte bei einem Besuch in Fallingbostel in den Genuss der Original-Sternküche. Heinrich Stern ist froh, heute nicht mehr arbeiten zu müssen. Er, der Trends gegenüber immer aufgeschlossen war, kann die heutigen Küchenmoden teils nicht verstehen: „Wenn die mit einer Pinzette anrichten, dann fasse ich mir an den Kopf!“, sagt er. „Ich möchte ein Essen auf dem Teller haben, das zusammenpasst und nicht fünf oder sechs Komponenten, die für sich zwar top sind, aber überhaupt nichts miteinander zu tun haben.“

So genießen die Sterns lieber ihre Freizeit und versorgen sich kulinarisch selbst: „Es ist so schön hier“, bekräftigen sie: „Wenn wir nach draußen schauen, haben wir immer den Eindruck, dass der Himmel viel blauer ist. Und dass die Sterne nachts viel mehr funkeln als anderswo.“

Von Maike Jacobs

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Hannover-Quote bei „The Voice of Germany“ steigt: Nach Jeanie Schultheiß (18) und Fabian Riaz (30) ist auch Diana Babalola (26) eine Runde weiter. Die NP weiß, für welchen Coach sie sich entscheidet.

28.10.2018

Er hat ein Häuschen in der Wedemark, liebt Sonntagsspaziergänge und hat 25 000 Instagram-Freunde: Dennis (35) alias Vale Tudo nennt sich selber „Spießer“ – dabei ist (fast) jeder Zentimeter seiner Haut tätowiert!

28.10.2018

Erst der Film für das Publikum, dann stellen sich die Schauspieler, Autor und Regisseur dem Publikum. Dabei herrscht ausgelassene Klassenfahrt-Stimmung.

26.10.2018