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MORGENS FRÜH UM SECHS: Stephanie Schneider schreibt in der Aral-Tankstelle am Altenbekener Damm an ihrem neuen Buch. Der erste Kaffee steht schon bereit. © Nancy Heusel

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Porträt

Stephanie Schneider: Ihr Schreibtisch steht in ganz Hannover

Ungewöhnliche Arbeitszimmer: Ihre Kinder- und Jugendbücher schreibt Stephanie Schneider (44) an öffentlichen Plätzen - in Cafés, in Tankstellen, in der Universität. Und so finden sich auch immer wieder Szenen in ihren Büchern, die an Hannover erinnern.

Altstadt, Café Konrad: Stephanie Schneider (44) hat ihren Laptop ausgepackt und schreibt. Nur ab und zu gleitet ihr Blick in die Ferne, dann trinkt sie aus ihrem Kaffeebecher und tippt schweigend weiter. Dabei tobt um sie herum das Leben: An einem großen Tisch gleich neben dem Eingang sitzen Frauen, lachen laut und frühstücken. Links davon tuschelt ein älteres Pärchen, einen Tisch weiter unterhalten sich zwei Studenten angeregt.

Stephanie Schneider ist Kinder- und Jugendbuchautorin. Ihre Geschichten schreibt sie nicht wie die meisten ihrer Kollegen abgeschieden im stillen Kämmerlein, sondern an öffentlichen Plätzen - wie im Café Konrad: „Das ist doch ein wunderbarer Ort, sehr atmosphärisch, es gibt eine gute Küche - ideal, um kreativ zu sein. Manche Szenen, die ich beobachte, baue ich gleich ein“, schwärmt die Autorin von dem Café - übrigens nur einem ihrer Lieblingsarbeitsplätze.

Die Chance, die hannoversche Schriftstellerin irgendwo in Hannover fleißig arbeiten zu sehen, ist groß: Gerade ist ihr neues Kinderbuch „Unser Kunterboot“ erschienen, von dem der zweite Band im Februar erscheinen soll und der dritte Band in Planung ist. Und im Knesebeck-Verlag soll das Bilderbuch „Mias Bohne“ erscheinen. Sie hat also viel zu schreiben.

„Neuerdings ist einer meiner Lieblingsarbeitsplätze auch die Cafeteria ,Sprengelstube‘ in der Universität. Wenn ich es leise brauche und viel schreiben muss, gehe ich dorthin“, erzählt sie. Die Arbeitsatmosphäre unter den Studenten sei prima: „Hier kann ich mich ausbreiten und sehr konzentriert drauflosschreiben. Und es fragt auch nicht alle fünf Minuten jemand, ob ich noch etwas verzehren möchte“, sagt sie und lacht. Die etwas unterkühlte Einrichtung stört Schneider nicht, im Gegenteil. Ein Problem gibt es aber doch: Kommt sie zu spät, sind in der Cafeteria alle Plätze besetzt.

Eine gute Ausweichmöglichkeit ist dann die Stadtbibliothek: Umgeben von Büchern Bücher schreiben - das hat etwas. In der Stadtbücherei ist es ruhig, von Haus aus wird hier nur geflüstert und die Nase tief in die Bücher gesteckt: „Der Nachteil ist ein ganz persönlicher: Ich kann nicht aus der Bücherei gehen, ohne mindestens zehn Bücher auszuleihen. Außerdem hat die Bücherei erst ab elf Uhr geöffnet, für mich ist das eigentlich zu spät.“

Die Autorin ist Frühaufsteherin, schreibt lieber aus dem Morgengrauen in den Tag hinein als abends aus dem Tag hinaus. „Bin ich ganz früh wach, dann setze ich mich auch mal in die Aral-Tankstelle am Altenbekener Damm“, gibt sie zu: „Das ist gemütlicher, als viele denken. Die Tankstelle hat in der Woche ab sechs Uhr geöffnet, hier kann ich richtig abtauchen, jenseits von Raum und Zeit.“

Alternativ geht sie mit ihrem Laptop auch zu McDonald’s an der Hildesheimer Straße: „Das ist für mich eine feste Adresse, da kennt man mich auch. Häufig gehe ich samstags und sonntags in der Früh dorthin, trinke einen Kaffee, schreibe und komme gegen zehn Uhr mit Brötchen vom Bäcker zu meiner Familie zurück.“ Auch kleine Südstadt-Cafés wie das „LaSall“ oder das „Pangea“ sind bei ihr beliebte Schreiborte.

Schon als Kind wollte Stephanie Schneider, die eine fleißige Leseratte war, Schriftstellerin werden: „,Ich werde Astrid Lindgren‘, habe ich immer gesagt“, erzählt sie lachend. Aber zu-nächst wurde sie Grundschullehrerin. Erst nach der Geburt ihrer zweiten Tochter gab Stephanie Schneider das Lehramt auf, um ernsthaft mit dem Schreiben anzufangen - von Beginn an in Cafés. Ihr Erfolgsbuch „Elefanten im Haus“ entstand zum Beispiel komplett in der „Vollkornbäckerei“ an der Limmerstraße. „Meine Kinder waren damals bei einer Feriencard-Aktion in Linden, haben dort an einer Zirkuswoche teilgenommen. Ich habe sie hingebracht und die Wartezeit effektiv in der Bäckerei verbracht.“

Und wer ihre Bücher ganz genau liest, wird auch so manchen Ort in Hannover wiedererkennen. „Hannover ist meine Wahlheimat, meine Welt“, sagt die Münsterländerin begeistert. So spielt ihre neue Serie in Hausbooten am Kanal: „Zwar gibt es hier keine Hausboote, aber für mich lagen da schon immer kunterbunte Kähne“, sagt sie - und ergänzt lachend: „Ich glaube, die meisten Schriftsteller führen ein eher langweiliges Leben. Weil die Dinge, die sie im Kopf erleben, sowieso viel spannender sind als das echte Leben.“

NPVISITENKARTE

Geboren am 9. Mai 1972 in Lohne (Vechta). Stephanie Schneider ist freie Journalistin und Autorin. Sie studierte Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Braunschweig und wurde Grundschullehrerin. 2004 gab sie das Lehramt auf, um Autorin zu werden. Ihren Durchbruch hatte sie mit dem Bilderbuch „Elefanten im Haus“ (Ravensburger, 32 Seiten, 12,99 Euro), einem Buch über die Akzeptanz von Andersartigkeit. Jetzt im August sind die Bücher „Unser Kunterboot“ (Cbj, 168 Seiten, 12,99 Euro) und „Wunschpost für Ida“ (Tulipan, 44 Seiten, 8,95 Euro), in dem es um die erste Liebe geht, erschienen. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter.


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