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LIEBT DIE STADT: Gunter Gabriel lehnt an seinem sieben Meter langen, pinken Cadillac. Zehn Jahre lebte der 70-Jährige in Hannover.

LIEBT DIE STADT: Gunter
 Gabriel lehnt an seinem
sieben Meter langen, pinken
Cadillac. Zehn Jahre lebte
der 70-Jährige in Hannover.© Behrens

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Auf Streifzug

Stadtrundgang mit Gunter Gabriel

Hannover liegt ihm am Herzen, die Stadt war zehn Jahre lang Heimat für Sänger Gunter Gabriel. Der 70-Jährige lud die NP auf einen außergewöhnlichen Streifzug durch ein Jahrzehnt seines Lebens ein: Er zeigte Orte, an denen er arbeitete, lebte und liebte. Morgen und Montag spielt er übrigens seine „Hello I´m Johnny Cash“-Show im Theater am Aegi. Es gibt noch Karten.

Hannover. Er kennt den Laden „Rote Mühle“, den es einst am Steintor gab. Er erinnert sich an die Kultbar „Mecki´s“ an der Roscherstraße. Und er kehrt heute noch in die Goebenstraße zurück, wo er für 95 Mark Miete gewohnt hat. Der Blick, den Country-Star Gunter Gabriel (70) auf Hannover hat, ist ein besonderer: „Ich habe zehn Jahre hier gelebt und geliebt“, erzählt er auf der Rückbank seines pinken Cadillac, als er die NP mit auf zweieinhalbstündige Tour durch die City nimmt. „An keine andere Stadt habe ich so gute Erinnerungen.“

Das Ganze ist zwar lange her (1960 bis 1970), aber das Gabriel-Hirn vergisst nicht. Kein Wunder, schließlich fängt hier alles an: Als 17-jähriger kommt er nach Hannover und lebt auf zehn Quadratmetern in einer Lagerhalle an der Vahrenwalder Straße, nur einen Steinwurf vom heutigen Burger King entfernt. Eine goldfarbene Tafel, die ein Fan angebracht hat, ist einziger Hinweis, dass er dort seine ersten Hits geschrieben hat: „Hier war die Quelle meines Talents“, zeigt Gabriel auf ein vergittertes Fenster.

Vom Talent kann er damals längst noch nicht leben, er schuftet als „Spezialist für Buntmetallschweißen“ bei der Hanomag, ist Nachtwächter, Fahrer bei der Gilde-Brauerei, stenografiert in Uni-Vorlesungen, ist sogar Asta-Vorsitzender. „Ich hatte schon immer ein Lied auf den Lippen“, erinnert sich Gabriel und stimmt auf dem Ledersitz seines Schlittens „Am Brunnen vor dem Tore“ an. Die Träumereien eines jungen Mannes, der aus einer bürgerlichen Arbeiterfamilie stammt, sollen bald konkreter werden: Er schmeißt kurz vorm Abschluss sein Maschinenbau-Studium hin und fängt professionell an, in Klubs zu spielen. „Zum Beispiel bei Mecki, da hingen auch die Scorpions und Heinz Rudolf Kunze rum.“

Gabriel widmet sich ganz der Musik, landet Hits wie „Er ist ein Kerl“, „Papa trinkt Bier“ und „Hey Boss“, komponiert welche für Juliane Werding (56, „Wenn du denkst, du denkst“), Frank Zander (71, „Ich trink auf dein Wohl, Marie“) und Wencke Myhre (66, „Ein Sonntag im Bett), hat eine eigene TV-Show. Und mit Cover-Versionen seines Vorbilds Johnny Cash (71†) ist außerdem ein dicker Schlag Leidenschaft mit dabei.

„Ich kam mit dem Geld zählen nicht hinterher“, resümiert Gabriel heute seine Hoch-Zeiten. „Aber irgendwann saß ich ganz schön tief in der Scheiße“ - er setzt aufgrund windiger Berater zehn Millionen Mark in den Sand, säuft, lebt unter Brücken und auf einem Autoschrotthof in Hildesheim in einem Wohnwagen. Einziger Lichtblick und Luxus, den er sich leistet, sind Wochenenden im Maritim Grand Hotel am Friedrichswall. Es ist immer Zimmer 546. „Ein herrliches Bad, schöne Wäsche, der Duft nach Shampoo“, schwärmt er auf dem Zimmer. „Da habe ich gemerkt, wofür es sich zu leben lohnt.“

Die Wende kommt 2007: Mit Wohnzimmerkonzerten saniert sich der Sänger, steht viel im Theater auf der Bühne. So wie morgen und am Montag im Theater am Aegi. Da präsentiert er „Hello I´m Johnny Cash“. Für Sonntag gibts wenige Restkarten, für die zweite Show tags drauf welche in allen Preisklassen (38 bis 44 Euro). „Kommt vorbei, das wird geil.“