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Mensch-Hannover „Sông Trang“: Gminder zaubert Mondlicht auf den GOP-Fluss
Menschen Mensch-Hannover „Sông Trang“: Gminder zaubert Mondlicht auf den GOP-Fluss
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00:16 13.07.2018
VIEL BAMBUS: in Vietnam ist Bambus ein wichtiger Werkstoff, Regisseur Knut Gminder setzt ihn bei „Sông Trang“ beim Bühnenbild ein. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Das Rascheln des morgenfeuchten Grases, Wellen, die sich in der Halong-Bucht kräuseln, das leise Flüstern einer Frauenstimme, die von Sehnsucht spricht. Dann die Hektik der Großstadt Hanoi, knatternde Motorroller, frenetische Karaokesänger. Bei Youtube kann man schon einen Trailer klicken, der einen Vorgeschmack auf das Wintervarieté „Sông Trang“ gibt – Regisseur Knut Gminder (52) hat ihn gedreht, als er im Frühjahr fünf Wochen mit den 13 vietnamesischen Künstlern in Hanoi geprobt hat.

Die Idee hatte der künstlerische GOP-Direktor Werner Buss

Tradition und Dynamik, Mystik und moderne Technik – im 15. Wintervarieté (der ersten GOP-Show mit einem Ensemble aus einem einzigen Land) geht es um diese Gegensätze. „Und um das Eintauchen in eine andere Kultur“, betont Gminder, der das Leben in Vietnam fünf Wochen lang kennenlernte. Und sich im April bei 30 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug erstmal akklimatisieren musste. „Ich konnte nicht atmen“, erinnert sich der Regisseur aus der Nordstadt, der von sich selber sagt „ich bin nicht so der Reisetyp“.

Die Idee zum asiatischen Spektakel mit den leisen Tönen hatte Werner Buss (54), künstlerischer Direktor der GOP Entertainment Group durch die „tief verwurzelte Freundschaft“ zum vietnamesischen Artisten-Duo Dinh und Anh, die in vielen GOP-Produktionen aufgetreten sind. „Die beiden haben mich nach Vietnam eingeladen – und ich habe mich in Land, Leute und die Künstler verliebt“, schwärmt Buss. Das Gerüst der Show „Song Trang“ mit 13 Artisten des vietnamesischen Staatszirkus steht schon im Mai 2017 – „dieser ungeschliffene Juwel muss nur noch zum Glänzen gebracht werden“, gibt Buss seinem Regisseur Knut Gminder als Ziel vor.

15. Wintervarieté wird ein „würdiges Jubiläum“

BALANCEAKT: Die Artisten probten in Hanoi fünf Wochen lang. Quelle: privat

Dann der Schock: Gminder sitzt Monate später in der Premiere des 14. Wintervarietés „Machine de Cirque“ – „ich war unfassbar beeindruckt. Und hatte Zweifel, ob ich mit meiner kleinen Bambus-Show da mithalten kann.“ Nun muss man wissen, dass der Nordstädter Meister des Understatements ist. Denn nach fünf Wochen Hanoi ist ihm klar: „Das wird ein würdiges Jubiläum.“

Gminder macht seit 20 Jahren Shows, ist ein Feingeist in der Szene, „höher, schneller, weiter“ ist nicht sein Ding. „Mich berührt es, wenn etwas Kraft ausstrahlt“, sagt er. „Es geht immer um persönliche Geschichten – auch wenn alle 13 Künstler auf der Bühne stehen.“ Bei Großproduktionen wie „Cirque du Soleil“ verschwinde der Artist hinter einer Maske. „Aber Zauber ist individuell. Den muss man herauskitzeln.“ Deshalb gehöre bei ihm auch nicht der größten artistischen Leistung die Final-Szene der Show – „sondern der größten Emotion. Da kann man Pipi in den Augen haben.“

Verkehr in Hanoi: „Man muss loslassen können“

Denn Gminder will den Blick schärfen, die Zuschauer in eine andere Welt hineinziehen. Eine, die er fünf Wochen lang kennenlernen durfte. „Das Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit“ habe ihn in Vietnam tief beeindruckt. „Jeder achtet auf jeden und dessen Bedürfnisse.“ Deshalb könne man auch achtspurige Straßen problemlos überqueren: „Man muss einfach loslassen und ohne Stocken durchmarschieren.“ Auch im Restaurant habe er Vertrauen gelernt. „Du bestellst nichts, sondern du kriegst was“, hat er in Lokalen mit Einheimischen erlebt. „Und du solltest die Speise aber auch nicht hinterfragen.“

HEKTIK DER METROPOLE: Knut Gminder erkundete in Hanoi Viertel, in denen wenig Touristen unterwegs sind. Quelle: Knut Gminder

Mit der vietnamesischen Sprache hatte der 52-Jährige größere Probleme. „Konsonanten spielen keine Rolle“, hat er festgestellt. „Es hat ewig gedauert, bis ich den Namen der Show richtig aussprechen konnte.“ Es klingt wie „Sum Tian“ und ist Lyrik pur – die Worte stehen für die Spiegelung des Mondlichtes im Fluss. „Ein Motiv, das immer wieder auftaucht“, kündigt Gminder an. Die Show sei ein „Loblied auf das Leben auf dem Land“, es gehe um die Verbundenheit mit der Natur.

Varieté ist die „Utopie, dass alle Völker zusammen leben“

Wie lautet Gminders persönliche Bilanz seines Ausfluges in die fremde asiatische Welt? „E grübelt kurz. „Ich wollte nicht dableiben. Ich wollte aber auch nicht zurück.“ Im Oktober feiert er Wiedersehen mit dem Ensemble, dann beginnen die Proben. „Varieté steht ja für die Utopie, dass alle Völker zusammen leben können“, sagt er nachdenklich. Mit „Sông Trang“ trägt er seinen Anteil dazu bei.

Hier gibt es Karten für das Wintervarieté:

Das 15. Wintervarieté „Sông Trang“ ist bereits das dritte, das Knut Gminder als Regisseur inszeniert. Gespielt wird von 24. November bis 13. Januar in der Orangerie Herrenhausen, Tickets kosten (15 Prozent Frühbucherrabatt bis 31. August) 30,60 bis 38,25 Euro.

Alle 13 Künstler kommen aus der „Vietnam Circus Federation“ und zeigen Nummern, die eine etwas andere Note haben als bei europäischen Artisten. Zum Beispiel ist beim Luftring auf der Bühne auch zu sehen, wie sechs andere Artisten den Ring nach oben ziehen und während der Darbietung halten. Gminder plant eine offene Bühne, die Einblicke gewährt: „Bambus ist Werkstoff Nummer eins in Vietnam, er spielt eine große Rolle. Das Bühnenbild soll handgemacht, erdig, authentisch wirken.“

Für die Musik hat er sich „einige Nächte um die Ohren geschlagen“, um eine Schnittmenge aus aktuellem Pop und traditioneller vietnamesischer Musik zu finden – „Neutonmusik ist einfacher zu konsumieren“. Gminder weiß, wovon er spricht: Für die Oper Frankfurt hatte er in „Spectacle Spaces“ Artistik mit Klängen des Ensemble Moderne kombiniert.

Hier gibts den Link zum „Sông Trang“-Trailer.

Von Andrea Tratner

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