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Mensch-Hannover Sie wollen Trauernden beim Weiterleben helfen
Menschen Mensch-Hannover Sie wollen Trauernden beim Weiterleben helfen
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09:59 18.04.2018
Helfen: Vicky Lala (rechts) und Gabriele Gräfin von Hardenberg bieten Trauerbewältigung an – Weiterleben heißt ihr Projekt. Quelle: Rainer-Dröse
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Hannover

 Hin und wieder wird sie von Menschen aus ihrem Umfeld gefragt, warum sie sich eigentlich mit so traurigen Dingen beschäftigt. „Aus der Trauer heraus können auch schöne Dinge entstehen“, erklärt Vittoria „Vicky“ Palmieri-Lala (wird am 18. April 41 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch!) dann, warum sie mit ihrer Freundin Gabriele Gräfin von Hardenberg die Trauerinitiative „Weiter Leben“ gegründet hat.

„Das geht in dem akuten Moment sicher nicht sehr gut. Uns geht es aber darum, Betroffene zu ermutigen, den Schmerz auszuhalten und aufzuzeigen, dass etwas Neues kommt.“ Die beiden Frauen kennen sich seit langem, zehn, zwölf Jahre schätzen sie. „Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick“, beschreibt Palmieri-Lala (ja, sie ist die Frau von 96-Legende Altin Lala, 42) die anfänglichen Begegnungen mit der Frau, die als Psychotherapeutin in Waldhausen tätig ist. Damals hatte Palmieri-Lala Hilfe gesucht, sie litt an Angstzuständen. „Ich konnte nicht mehr ins Stadion gehen, nicht mehr mit der Bahn fahren“, beschreibt sie ihre Ohnmacht. von Hardenberg half ihr aus der Krise – Auslöser war der nicht verarbeitete Tod ihres Vaters, den Palmieri-Lala als 16-Jährige verloren hatte. „Wird es nicht verarbeitet, kommt es irgendwann zurück“, weiß von Hardenberg, „es kann in Form von Wut, Angst, einer Depression passieren.“

Vicky Palmieri-Lala ist ihre Verlustangst losgeworden – und hat eine Freundin fürs Leben gewonnen. Die zwei sind seitdem unzertrennlich. „Vor vier Jahren ist dann mein Mann ganz nach ganz kurzer, heftiger Krankheit gestorben“, erzählt von Hardenberg im Gespräch mit der NP. Rasch merkte sie, dass sie Hilfe bei der Verarbeitung brauchte, wandte sich an Kollegen. Und dort begann der Spießrutenlauf: „Termine waren erst Monate später möglich“, erinnert sie sich. „Ein Termin wurde sogar abgesagt, weil es um Trauer ging.“ Eine war dafür bedingungslos rund um die Uhr für sie da – ihre Freundin Vicky.

Woher der Missstand, den sie auch erleben musste, herrührt, weiß von Hardenberg: „Unsere Gesellschaft tut sich mit dem Thema einfach sehr schwer.“ Zu tun hat dies mit dem sogenannten Schweigegebot, das nach dem Zweiten Weltkrieg aufgekommen ist: „Man redet nicht über die Dinge, die einem widerfahren sind. Man erträgt sie.“ Und dieser Zustand wurde über Generationen weitergetragen. Als sich die Freundinnen dessen immer mehr bewusst geworden waren, entstand die Idee, Betroffenen Hilfe anzubieten. „Wir wollen eine Gemeinschaft für Gleichgesinnte bieten“, erläutert Palmieri-Lala. Der Wunsch, Hilfe zu geben und Trost zu spenden war bei ihr schon vor längerem so groß, dass sie nach der Geburt ihrer beiden Kinder die Karriere als Fremdsprachenkorrespondentin (sie spricht Deutsch, Italienisch, Spanisch, Englisch und Französisch) an den Nagel gehängt hat.

Ihre Freundin Anne Jokuszies bestärkte sie nicht nur darin, eine Ausbildung zur systemischen Beraterin für Familien, Mediatation und Coaching zu absolvieren, sie stellte ihr auch einen Raum in ihren Geschäftsräumen zur Verfügung. Mittlerweile berät sie Paare, Familien, Menschen, die sich verändern wollen.

Dazu kommt die Arbeit mit Gabriele von Hardenberg. Ziel ist, eine geschlossene und eine offene Gruppe anzubieten, in denen sich Menschen, die wegen des Todes einer geliebten Person trauern, austauschen können, etwa zehn bis zwölf Wochen lang. Solange die Frauen gebraucht werden, sind sie bei den Sitzungen dabei. „Wir verstehen uns intuitiv sehr gut. Da weiß jede, was sie zu tun hat“, so Palmieri-Lala.“ Bedarf gibt es, das wissen die Frauen. Nur traut sich vielleicht nicht jeder, darüber zu sprechen: „Wir leben in einer so schnelllebigen Gesellschaft“, sagt von Hardenberg, „wenn das Thema Trauer nicht schnell abgehakt ist, kann es lästig werden – für den Betroffenen und sein Umfeld.“ Deswegen wollen sie Wege und auch Rituale aufzeigen, wie man es schaffen kann, nach einem Trauerfall weiterzuleben.

Da ist ihr Projekt eine Anlaufstelle. Ins Leben gerufen von Betroffenen, die es geschafft haben – das macht Mut! www.weiterleben-hannover.de

Von Mirjana Cvjetkovic

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