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JUNGAUTORIN:Hilkje Hänel ist mit „Engel derErlösung“ erfolgreich unter die Krimiautoren gegangen. Die Nachfra- gen ist so groß, dass Libri die Bücher schonnachordern musste.

JUNGAUTORIN:Hilkje Hänel ist mit „Engel derErlösung“ erfolgreich unter die Krimiautoren gegangen. Die Nachfra- gen ist so groß, dass Libri die Bücher schonnachordern musste.© Michael Wallmüller

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Sie wandelt auf den Spuren der Eltern

Das Autorenpaar Wolfram Hänel (61) und Ulrike Gerold (61) ist mächtig stolz auf Tochter Hilkje (30): Vor ein paar Tagen ist ihr erster Krimi erschienen. Der Buchmarkt freut sich über den neuen Stern am Autorenhimmel.

Hannover. Wenn Wolfram Hänel und Ulrike Gerold (beide 61), Hannovers be­kanntestes Schriftstellerpaar, ihre Tochter Hilkje (30) anschauen, schwingt derzeit mehr mit als der übliche Stolz auf das eigene Kind mit: Hilkje Hänel tritt gerade ganz fest in die Fußstapfen ihrer Eltern. Sie hat ihren ersten Krimi veröffentlicht. „Engel der Erlösung“ – das sind 352 Seiten voller Action und Spannung und mit mehreren Morden für zehn Euro. Die Story spielt in Berlin, dort, wo Hilkje Hänel heute lebt. Erschienen ist das Buch im Goldmann-Verlag, für eine Jung­autorin ist das fast so etwas wie ein Ritterschlag. Mit dem Debüt bei einem alteingesessenen Verlag landen zu können, ist keine Selbstverständlichkeit.

Und nicht nur das: Nur eine Woche brauchte der Agent, bis er das Manuskript verkauft hatte – und zwar inklusive eines zweiten Teils. Sensationell findet das auch Vater Hänel: „Ich hatte vorher Hilkjes Erwartungen etwas gedämpft“, erzählt der Autor, „ich hatte sie darauf vorbereitet, dass es Monate oder länger dauern kann, bis sich ein Verlag entscheidet. Aber mit dieser schnellen Zusage setzt Hilkje da an, wofür wir nach 30 Jahren waren!“

Dabei hatte die junge Frau gar nicht von vorneherein vor, den Beruf ihrer Eltern zu ergreifen: „Ich wollte eigentlich nur ausprobieren, ob ich es auch hinkriegen könnte, ein Buch zu schreiben“, sagt sie. Vier Jahre hat sie an dem Krimi gearbeitet, übrigens parallel zu ihrer Doktorarbeit: „Das Schreiben des Krimis war für mich der Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit.“ Ihre Doktorarbeit hat sie in Philosophie über den Begriff der Vergewaltigung verfasst: „Viele Recherchen, die ich für die Doktorarbeit gemacht ha­be, konnte ich auch für den Krimi nutzen.“

Wie es jetzt beruflich weitergeht, ist für die Jungautorin noch nicht ganz sicher: „Bei meinem Philosophie-Studium sind die Aussichten auf einen Job ja eher schwierig, da muss man mindestens eine Professur haben. Schreiben hat sich für mich jetzt zumindest als Plan B herausgestellt.“

Die Eltern hätten nichts dagegen, wenn die Tochter den gleichen Berufsweg einschlagen würde.  Sie genießen gerade, dass sie jetzt auch mit ihrer Tochter über Buchcover, Inhalt, Plot, Handlungsstränge, Autorenkollegen, Lesungen, Verlage und Marketingstrategien fachsimpeln können. Und irgendwie macht es sie auch stolz, wenn die Tochter von sich aus Sätze sagt wie: „Ohne euch wäre ich nicht so weit gekommen. Schon davon, dass ich als ein Kind von Schriftstellern aufgewachsen bin, habe ich sehr profitiert: Ich habe im Alltag erlebt, wie ihr arbeitet und dass Sprache ein echtes Handwerk ist.“ Außerdem konnte sich Hilkje Hänel bei ihrem Vater auch jetzt noch den einen oder anderen wichtigen Tipp holen.

Zum Dank hat sie das erste fertige Manuskript ihren Eltern vorletztes Jahr zu Weihnachten ge­schenkt. Die waren so begeistert, dass sie den Kontakt zum Agenten herstellten: „Ich liebe Hilkjes Sprache und wie sie Bilder verwendet“, sagt die Mutter, und der Vater schließt an: „Sie schafft es, Verknüpfungen richtig zu setzen und eine Binnenlogik perfekt zu verbauen: Die Fäden und Erzählstränge werden gut verwoben und zu Ende geführt.“ Und was für die Hannoveraner wirklich nett ist: Immer wieder mal baut Hilkje ihre Heimat ein, Künstler Timm Ulrichs (77) wird erwähnt, der neue Partner von Hauptkommissarin Alexandra Go­de kommt aus Hannover.

Nicht nur die Tochter, auch die  Eltern waren fleißig: Unter dem Pseudonym „Freda Wolff“ hat das Ehepaar den Schlussteil der Trilogie um Sonderermittler Jan-Ole Andersen und seine Ex-Frau, die Psychologin Merette Schulman, veröffentlicht: „Nichts ist kälter als der Tod“ (Aufbau, 400 Seiten, 9,99 Euro). Auch für Lesefans ab acht Jahren gibt’s einen neuen Krimi von Wolfram Hänel: „Drei Weihnachtsengel auf heißer Spur“ (cbj, 200 Seiten, 9,90 Euro) heißt der und ist für die Weihnachtszeit in 24 festliche Kapitel eingeteilt.

Von Maike Jacobs