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KUNST STATT EROTIK: Den alten Kinosaal verwandeln Mansha Friedrich (rechts) und Katrin Hamann am Wochenende in einen Ausstellungsraum.

KUNST STATT EROTIK: Den alten Kinosaal verwandeln Mansha Friedrich (rechts) und Katrin Hamann am Wochenende in einen Ausstellungsraum.
© Frank Wilde

Ausstellung

Sie machen Kunst im alten Erotikkino

Wenn aus einem Erotikkino plötzlich eine Kurzzeit-Galerie wird, dann sind Malerin Katrin Hamann (35) und Street-Art-Künstlerin Mansha Friedrich (48) am Werk. Die beiden Kreativen veranstalten ab 5. Mai mit zwölf weiteren Künstlerinnen und Künstlern eine dreitägige Ausstellung. Die NP sprach mit ihnen über Efeu im Männerklo, Diven und elitärer Kunst.

Hannover. Der Vorführraum ist noch zu erahnen. Sonst ist schon etwas Fantasie nötig, um auf den 440 Quadratmetern ein ehemaliges Kino zu vermuten. Street-Art-Künstlerin Mansha Friedrich (48) und Malerin Katrin Hamann (35) machen aus verwinkelten Räumen, bei denen der Putz abbröckelt, eine Kunstausstellung – Kunst im Kino. Am Steintor gab es von 1958 bis 1982 die Erotikkinos Roxy, Rivoli und Regina. Nach der Schließung war dort eine Zeit lang eine Disco, aber auch diese ist längst geschlossen. „Ich bin immer mal wieder auf der Suche nach außergewöhnlichen Räumlichkeiten. Sie sollen spannend sein“, sagt Katrin Hamann, die bereits durch „Kunst im Polizeirevier“ und ihren Ausstellungen im Bredero-Hochhaus bekannt ist. In Hildesheim studierte die gebürtige Dresdnerin bildende Künste. Auf Festivals in Asien holt sie sich Inspirationen.

Der Schutt von 30 Jahren

Dem Gebäude an der Münzstraße wollen die beiden mit zwölf weiteren Künstlerinnen und Künstlern nun wieder neues Leben einhauchen. Dafür mussten sie erstmal den Schutt, der sich dort fast 30 Jahre angesammelt hatte, entfernen. „Sechs Wochen lang haben wir hier geputzt“, sagt Mansha Friedrich. Die geborene Berlinerin machte schon Graffiti, rappte und schrieb Drehbücher. Nachdem sie dreimal für ein Kunststudium abgelehnt wurde, ging sie in die Street-Art-Szene.

Langsam nimmt in der neuen Ausstellung alles Form an. Im Treppenhaus hängen Bilder, eine Installation befindet sich im ehemaligen Kinosaal an der Decke – und auch die beiden Veranstalterinnen der Ausstellung haben ihren Anteil. „Mir ist Nachhaltigkeit sehr wichtig. Das ist generell ein wichtiges Thema, das sollte die Kunst nicht ausklammern. Keine wollte im Männerklo ausstellen, also habe ich es gemacht“, sagt die 48-Jährige. In dem kleinen Raum, in dem früher einmal Waschbecken waren, rankt nun Efeu von den Wänden – „ich versuche gerade, ihn am Leben zu erhalten“, denn aus Plastik ist er nicht.

„Kunst will gesehen werden“

Zum zweiten Mal arbeiten die Frauen nun schon zusammen an einer Schau. Ihr Ziel: urbane und spannende Kunst für jedermann zu schaffen. „Wir wollen nicht, dass Kunst elitär ist. Sie will doch auch gesehen werden“, erklärt Street-Art-Künstlerin Mansha Friedrich. „Es ist eine alternative Ausstellung, und das ist fantastisch.“ Friedrich ist in Hannover vor allem als Strickkünstlerin bekannt – dabei ist Wolle nur einer ihrer Werkstoffe. „Bei mir geht es immer um Kunst, aber die Richtung ist jedes Mal anders.“ Zur Hälfte sind die ausstellenden Künstler Autodidakten, Menschen, die durch ein Selbststudium Kunst erlernt haben. „Dadurch haben sie oft einen schweren Stand in der Kunstszene.“

Fotografie, Malerei, Streetart, Holz- und Metallarbeiten, auch Graffiti wird es in der Ausstellung „Kunst im Kino“ auf zwei verwinkelten Etagen zu sehen geben. Da viele verschiedene Kunstrichtungen zusammenkommen, gilt für die Veranstalterinnen: „Hier ist kein Platz für Diven. Es gibt große Unterschiede vom Ansatz her, aber alle bringen sich ein, haben eigene Ideen“, sagt Mansha Friedrich.

Kunst darf Spaß machen

Durch ihre große Vernetzung in Hannover haben die Frauen schnell ihre ausstellenden Künstler zusammen bekommen. „Das sind nicht immer einfache Entscheidungen. Es ist mit einem großen Aufwand verbunden“, gibt Friedrich zu. Auch nicht leicht ist die Finanzierung – durch gute Freunde und einige kleine Geschäfte ist das möglich, denn Friedrich und Hamann zahlen für alles selbst. Bei einer Ausstellung über ein Wochenende gibt es aber auch Vorteile. „Künstler sind es gewöhnt, Monate auszustellen“, sagt Katrin Hamann. „Hier können Besucher die Menschen hinter der Kunst kennenlernen, weil sie wirklich die ganze Zeit anwesend sind. Wir freuen uns über jeden, der vorbeikommt.“ Im Shop gibt es Kunst, wie bemalte Postkarten, schon ab einem Euro zu kaufen. Das Credo für die Ausstellung: Kunst darf Spaß machen.

„Kunst im Kino“ am Steintor, Münzstraße 3/4. Die Vernissage am 5. Mai beginnt um 19 Uhr. Schauspielerin Denise M’Baye eröffnet die Ausstellung, anschließend gibt es Musik. Am Samstag, 6. Mai, ist von zwölf bis 20 Uhr, am Sonntag von zwölf bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Von Karina Hörmann

Hannover, Münzstraße 3-4