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IN DER HEIMAT: Stephanie Baczyk am Maschsee. Im Hintergrund: das Stadion. Um ihren Hals: der 96-Schal.

IN DER HEIMAT: Stephanie Baczyk am Maschsee. Im Hintergrund: das Stadion. Um ihren Hals: der 96-Schal.
 © Nancy Heusel

Leute

Sie ist die Fußballstimme von Hannover

Sie wuchs in Garbsen auf, machte ihre Ausbildung in Hannover, in Berlin begann ihre steile Karriere in einer Männerdomäne: Stephanie Baczyk (30) kommentierte schon Länderspiele der Frauennationalmannschaft vor einem Millionenpublikum. Mit der NP sprach sie über ihren Traumjob, die Heimat und ihren Lieblingsverein.

Frau Baczyk, im Sommer durften Sie erstmals ein EM-Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft live im TV kommentieren. Wie war’s?

Manchmal denke ich zurück und finde es noch ein bisschen surreal, dass das wirklich passiert ist. Ich war schon am Morgen des Vortags so nervös, dass ich kaum noch klar denken konnte. Das Gute bei mir ist, dass ich funktioniere, sobald es losgeht und dann habe ich einfach nur Spaß.

Die Reaktionen waren teils sehr positiv, teils fast beleidigend. Wie gehen Sie damit um?

Am Anfang sind die negativen Sachen nicht so zu mir vorgedrungen, aber man bekommt es dann schon mit. Damit muss ich lernen umzugehen. Das Internet ist ein Platz, wo jeder anonym das abladen kann, was ihn stört. Aber spätestens als mein Bruder mich neckte und mir schrieb: „Ich glaube, es gibt Menschen, die ihre Bude auseinandergenommen haben, weil sie deine Stimme nicht ertragen konnten“, musste ich lachen. Vieles ist leider nicht konstruktiv, sondern bloßes Draufhauen.

Holen Sie sich da Tipps von Kollegen, die schon länger mit solchen Shitstorms leben müssen?

Ich weiß ganz genau, dass ich Leute in meiner Redaktion habe, auf deren Meinung ich bauen kann. Wichtig ist die Meinung meines Chefs oder von Kollegen wie Andreas Witte, der schon seit Jahren Spiele für die Sportschau zusammenfasst.

Wenn Sie nicht gerade vor mehreren Millionen Zuschauern im TV zu hören sind – was machen Sie sonst in Ihrem Job?

Ich mache nicht nur TV, ich arbeite auch online. Meistens bin ich jedoch im Radio zu hören, oft bei Spielen von Union Berlin. Letzte Saison durfte ich zweimal in der ersten Liga kommentieren.

Davon träumen viele junge Menschen. Was raten Sie denen?

Es ist ein sehr begehrter Beruf, den aufgrund der wenigen Jobs nicht viele Leute machen können. Umso glücklicher bin ich, dass ich ihn machen darf. Man sollte dran glauben, es schaffen zu können, hart an sich arbeiten und dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Sie sind bekennender 96-Fan. Wie beurteilen Sie die aktuelle sportliche Situation?

Ich bin total positiv überrascht. Mich erinnert es an die Saison 2010/2011, als auch alle den letzten Platz prophezeit hatten. Es ist einfach schön zu sehen, wie diese Mannschaft zusammen funktioniert.

Was fehlt Ihnen an Hannover in Berlin?

In erster Linie tatsächlich 96. Aber natürlich fehlt auch dieses Heimatgefühl. In Hannover oder in Garbsen, wo ich aufgewachsen bin, hat man das Gefühl, man kennt sich untereinander. Ich kann immer nur müde lächeln, wenn Leute schlecht über Hannover reden. Die waren noch nie richtig in der Stadt unterwegs. Berlin ist zwar schön, aber auch sehr groß und irgendwie anonym. Dafür ist in der Weltstadt Berlin immer was los.

Wo sind Sie in Hannover besonders gern?

Linden finde ich toll und natürlich, dass Hannover so grün ist. Leider schaffe ich es nicht mehr so oft, herzukommen – alle drei, vier Monate vielleicht.

Ein Blick in die Zukunft: Glauben Sie, dass mal eine Frau ein Spiel der Männer-Nationalmannschaft kommentieren wird?

Schwierig zu sagen. Ich finde, dass die männlichen Kollegen das super machen und bin auch kein Fan von der Frauenquote. Das sollte schon nach Leistung gehen. Ich persönlich bin mit Frauenfußball super zufrieden und mache ja auch die Männer im Radio – alles gut also.

Von Timo Gilgen


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