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Lisa Niechciol (21) ist Müll-Laderin bei Remondis.

Lisa Niechciol (21) ist Müll-Laderin bei Remondis.© Florian Petrow

Knochenjob

Sie ist Hannovers einzige Müll-Laderin

Wenn Männer plötzlich seelenruhig hinter Müllautos herfahren und anstatt zu drängeln und zu hupen die Müll-Lader anlächeln, dann haben sie entweder einen Super-Tag oder vor ihnen fährt Lisa Niechciol (21).

Hannover. „Die Leute können es meist nicht glauben, dass dort tatsächlich eine Frau ihren Müll wegräumt“, sagt die Blondine und lacht – wie so oft im Gespräch mit der NP. Niechciol ist 1,64 Meter und wiegt zarte 46 Kilo. Körperliche Arbeit macht ihr jedoch ab­solut nichts aus – im Gegenteil. „Ich komme jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit“, sagt sie. Seit fast einem Jahr sammelt Niechciol nun für Remondis Gelbe Säcke ein, das Unternehmen erwarb bei der letzten Ausschreibung die Rechte für die Müllentsorgung der Region.

Ihre Freunde waren am Anfang skeptisch, erinnert sich die Blondine. Doch nicht nur ihnen, sondern auch den neuen Kollegen hat Niechciol schnell gezeigt, was sie kann. „Am Anfang hatte ich schon Respekt vor dem Job, aber ich wollte denen zeigen, wo der Hammer hängt. Ich lasse mich nicht unterkriegen, stehe mit beiden Beinen im Leben“, sagt die junge Frau selbstbewusst.

Mittlerweile freuen sich Niechciols Kollegen darauf, mit ihr in einem Team zu arbeiten. „Die schafft mehr als mancher Mann“, lobt Kollege Matthias Rütz (34) mit ernster Miene. Wer Niechciol bei der Arbeit beobachtet, sieht eine Frau, die vor Be­geisterung nur so strotzt. Während Kollege Rütz ruhig und bedacht aus dem Lkw steigt, springt Niechciol bei jedem Halt wie aufgedreht aus dem Fahrzeug und sprintet zu den Gelben Säcken. Manchmal springt sie sogar schon während der Fahrt runter. „Das klappt auch noch bei Tempo“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Da­mit der Fahrer nicht bei jedem Haus warten muss, klappern Niechciol und ihr Partner viele Häuser nacheinander ab und stapeln die Säcke an einem Sammelort: „Ich laufe halt gerne. Laufen, werfen – das ist mein Ding.“

Die Idee kam von ihrem Freund

Kommt Niechciol nach der Arbeit nach Hause, wartet schon ihr vier Monate alter Jack-Russell-Terrier Amy auf sie. Doch anstatt nach dem Knochenjob erst mal die Füße hochzulegen, sucht die 21-Jährige noch nach einem zweiten Job: „Ich liebe es zu arbeiten. Schule war nie mein Ding, aber Arbeit macht mir Spaß.“

Nachdem Niechciol ihren Hauptschulabschluss in der Tasche hatte, absolvierte sie eine Ausbildung in einem Modegeschäft in Langenhagen als Verkäuferin. „Das war jedoch nichts für mich, und die Bezahlung war auch schlecht“, sagt sie rückblickend. Ihr Freund, mit dem sie zusammen in Burgdorf wohnt, war damals schon bei der Müllabfuhr in Wolfsburg beschäftigt und brachte Niechciol schließlich auf die Idee, sich auch zu bewerben. Der Rest ist Geschichte.

Wie lange die 21-Jährige bei diesem Job bleiben wird, ist unklar. Ihr Arbeitsvertrag ist auf drei Jahre befristet, und mit 10,80 Euro Stundenlohn wird die schwere körperliche Arbeit auch nicht üppig bezahlt. Dennoch scheint sicher, dass diese junge Frau ihren Weg gehen wird. Frei nach ihrem Motto: „Ich zeige denen, wo der Hammer hängt!“

Von Timo Gilgen