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WEITBLICK: Tan wird den Maschsee vermissen.© Behrens

Porträt

Shanti Tan - „Ich habe auch eine Vorbildfunktion“

Die Hannoveranerin Shanti Tan (20) hat mehr als 650 000 Abonnenten bei Youtube. Dort macht sie Videos über ihr Leben, über Mode und Reisen. Mit der NP sprach sie über den Abschied von Hannover, weinende Fans und Sexismus.

Nach 20 Jahren in Hannover sind Sie nach Berlin gezogen. Wie kommt’s?

Ich liebe Hannover wirklich, aber jetzt bin ich bereit für etwas Neues. In Berlin habe ich Familie, Freunde und mein Management. Das hat also total Sinn ergeben.

Werden Sie Hannover vermissen?

Auf jeden Fall Familie und Freunde, die hierbleiben. Und auch Plätze wie den Maschsee, den Georgengarten und die Eilenriede. Wenn man Hannover nur kurz besucht, kann man das alles gar nicht entdecken. Ich glaube, deswegen wird Hannover oft unterschätzt.

Aber Youtube geht in Berlin besser?

Viele meiner Freunde sind auch Youtuber wie Sami Slimani oder Ischtar Isik. Die wohnen in Berlin, und da geht das Hand in Hand.

Wie wählen Sie aus, worüber Sie Videos machen?

Man sollte wissen, worauf man Lust hat. Die Videos sollten aber auch mit der eigenen Person zu tun haben. Die Leute abonnieren den Kanal ja, weil sie etwas über mich wissen wollen. Manchmal inspiriert mich auch einfach die neue Jahreszeit, Mode oder ein Beauty-Produkt. Und es gibt viele Anregungen von Fans, die ich umsetze.

Wie ist es, wenn Sie Ihre Fans live treffen? Meistens kommunizieren Sie ja online.

Es war am Anfang schon komisch, auf der Straße erkannt zu werden. Einmal hat ein Mädchen angefangen zu weinen, als es mich gesehen hat, das war echt ungewohnt. Es ist aber ein schönes Gefühl, dass man die Menschen mal sieht, die hinter den Zahlen und Kommentaren stecken.

Wollen alle ein Foto mit Ihnen?

Nicht alle. Manche unterhalten sich auch einfach mit mir oder erzählen, dass diese Pflegemaske, die ich empfohlen habe, ihnen total gut gefallen hat (lacht).

Sie dokumentieren viel aus Ihrem Leben und Ihren Reisen. Wo liegt die Grenze zu Ihrem Privatleben?

Ich zeige den Leuten, was ich den Tag über mache oder wohin ich reise. Aber wenn etwas nur mich oder meine Freunde betrifft, dann mache ich das nicht öffentlich.

Aber sind Ihre Reisevideos nicht auch etwas Privates?

Stimmt, deshalb wähle ich ja das Material gründlich aus. Außerdem kann ich anderen dabei helfen, das Land ein bisschen kennenzulernen.

Wie schafft man es denn, authentisch zu bleiben, wenn man eine Vorauswahl trifft?

Wenn man sich darüber Gedanken macht, wie man echt rüberkommt, ist man es schon nicht mehr. Ich bin ich selbst, so funktioniert Authentizität.

Gibt es viele Youtuber, die sich verstellen?

Ich kenne keinen, aber es gibt sicher welche, die vor der Kamera ganz anders sind. Einige wählen ihre Themen nur danach aus, was viel geklickt wird. Die machen dann irgendwas Skandalöses und baden in Chicken Wings oder so.

Klingt verrückt. Haben Sie auch schon in Essen gebadet?

Nein! Das finde ich total unethisch. Ich habe ja bei so vielen Zuschauern auch eine Vorbildfunktion - ob ich will oder nicht. Teilweise sind die zwölf Jahre alt oder jünger. Da sollte man ihnen nicht vermitteln, dass Lebensmittel wenig wert sind.

Könnten Sie sich denn vorstellen, solche ernsten Themen öfter in Ihren Videos zu behandeln?

Dafür muss man die Kompetenz mitbringen, finde ich. Bei politischen Themen ist das schwierig, aber ich habe neulich ein Video über Sexismus bei Youtubern gemacht. Da werden oft total kindische Rollenklischees befeuert. Dazu kann ich was sagen, und das habe ich dann auch gemacht.

NPVISITENKARTE

Geboren am 4. Mai 1996 in Hannover. Shanti Joan Tan, wie sie mit vollem Namen heißt, hat 2014 ihr Abitur an der Tellkampfschule gemacht. Seit 2012 dreht sie Youtube-Videos für den nach ihr benannten Kanal. Die Videos drehen sich um Essen, Make-up, Mode und Aufgaben, die ihr Freunde oder andere Youtuber stellen. Auf ihrem zweiten Kanal „Shanti?Fun“, den sie seit Jahren hat, finden sich kurze Videos aus ihrem Alltag, Videotagebücher von ihren Reisen oder Stimmungsvideos. Schnitt und Bearbeitung übernimmt die 20-Jährige übrigens selbst.


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