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Musikalische Fibel: In diesem Heft sind acht internationale Kinderlieder versammelt.

Musikalische Fibel: In diesem Heft sind acht internationale Kinderlieder versammelt.
© Clemens Heidrich

Leute

Schröder-Köpf bringt internationale Kinderfibel heraus

Sie hat ein prima Projekt an den Start gebracht: Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf (54) hat eine Liederfibel mit acht Kindersongs aus der Heimat von geflüchteten Kindern herausgebracht. Freitag stellte sie das liebevoll gestaltete Heft „Sing mit“ in der Fichteschule in Hainholz vor.

Hannover..  

Es hört sich leicht dahin gesagt an – die Wirkung dagegen wird unschätzbar groß sein: „Musik erreicht Herz und Seele auf einer ganz anderen Ebene als das gesprochen Wort.“ Als Integrationsbeauftragte des Landes hat Doris Schröder-Köpf (54) etwas richtig Schönes auf den Weg gebracht – eine Liederfibel mit acht Kindersongs aus acht Ländern. Das Heft in DIN-A4-Format hat die Politikerin Freitag an der Hainhölzer Fichteschule vorgestellt.

Vor etwa drei Jahren kam die Idee auf, „ich wusste nicht so recht, was ich Flüchtlingskindern außer Buntstiften Sinnvolles in Erstaufnahmelager mitbringen kann“, berichtete die 54-Jährige in einem Klassenzimmer der Schule, an der Jungen und Mädchen aus 42 Nationen unterrichtet werden. „Ich hatte an etwas Inhaltsschwereres gedacht.“ Und da sich Schröder-Köpf in Sachen Musik persönlich außerstande sah, wie sie lachend erzählte, holte sie sich fachkundige Hilfe, nämlich die von Gabriele Eckstein-Scheuerer (45). Die Musikpädagogin aus Bayern hat akribisch Kinderlieder aus den Herkunftsländern (Afghanistan, Albanien, Eritrea, Irak, Nigeria, Russland und Syrien) gesammelt, ihre Verschriftlichung und Vertonung (die Songs gibt es auch auf CD!) umgesetzt, daneben gibt es auch ein deutsches Lied. „Vor allem war es schwer, etwas aus Syrien und Afghanistan zu finden“, erläuterte die Fachfrau. Melodien hatte sie zwar (im Zweifel haben ihr Menschen Lieder vorgesungen), „aber es gab keine Noten auf Papier, an denen man sich hätte orientieren können.“

Unterstützung gab es auch von jemandem, durch dessen Adern musikalisches Blut fließt: Greg Perrineau (63). Den Musiker dürften viele noch Leadsänger der Band Eruption kennen, sie hatte Hits wie „I can’t stand the Rain“. Perrineau ist seit Jahren in Hannover zu Hause, arbeitet schon lange mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten und für Integrationsprojekte. „Die Kinder haben bei unserer Arbeit rhythmisch ein Feuerwerk entfacht“, resümierte er die Begegnungen, „ich bin sehr stolz darauf, und es hat richtig viel Spaß gemacht.“

Das bestätigten auch die Schüler der Klasse 4c, die nach dem theoretischen Gespräch über dieses in Deutschland wohl einzigartiges Projekt (Kooperation von Musikzentrum und Pavillon) zur Generalprobe für das Konzert am nächsten Freitag im Pavillon baten: „Es ist neu und anders, in einer Sprache zu singen, die man nicht kennt“, sagte das Mädchen mit türkischen Wurzeln, Beren (9), nachdem sie mit Klassenkameraden das albanische Lied „Qengjin e vogël“ (Das kleine Lamm) vorgetragen hatte. „Anfangs war das schwer, aber dann wurde es immer einfacher, weil wir dann auch verstanden haben, was wir da gesungen haben“, ergänzte Melissa (9), die eine deutsche Mutter und einen türkischen Papa hat. Schulleiterin Cornelia Heimbucher (62) war sichtlich stolz: „Ich bin immer wieder begeistert, wie schnell Kinder lernen. Und ich quäle mich mit Vokabeln, wenn ich eine neue Sprache lernen will ...“

Auch zwei Kinder von Doris Schröder-Köpf sprechen neben Deutsch noch eine andere Sprache als ihre Mutter – Russisch. Viktoria (15) und Gregor (12) stammen aus Sankt Petersburg („eine der schönsten Städte der Welt“), beide sind adoptiert. „Sie lernen Russisch in der Schule“, erzählte Schröder-Köpf der NP im Anschluss, „ich versuche, ihnen ihre Wurzeln nahezubringen.“ Bei Reisen in die Geburtsstadt von Sohn und Tochter hat es sich auch schon bezahlt gemacht, dass die Juniors die Sprache und die Schrift – in Russland wird Kyrillisch geschrieben – beherrschen: „Wenn ich mich nicht mehr an den Wahrzeichen orientieren kann, liest meine Tochter eben die Schilder vor“, so die Integrationsbeauftragte lachend. „Mir ist wichtig, dass meine Kinder, wenn sie erwachsen sind und nach Russland reisen, sich wohlfühlen und auskennen, sich vertraut fühlen.“

Da ist es kein Wunder, dass die 54-Jährige mit dem Projekt „Sing mit!“, das gleichzeitig auch ein Mal- und Freundschaftsbuch ist, ein so sicheres Händchen hatte!

Beim Konzert „Sing mit!“ präsentieren 150 Kinder am 8. Dezember die Songs aus der Liederfibel im Pavillon. Los geht’s um 15.30 Uhr, Erwachsene zahlen vier, Kinder zwei Euro Eintritt.

Die kostenlose Liederfibel kann über die Staatskanzlei geordert werden – es werden noch Sponsoren gesucht!

Von Mirjana Cvjetkovic