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MIT ENERGIE UND SPASS BEI DER SACHE: Sarah Wiener bereitet mit Schülern der IGS Roderbruch einen Bulgur-Salat zu.© Frank Wilde

Porträt

Sarah Wiener macht Kochen zum Kinderspiel

Dass TV-Köchin Sarah Wiener (54) Expertin am Herd ist, ist klar. Mit ihrem Projekt „Ich kann kochen!“ will sie jetzt beweisen, dass das auch Kinder und Jugendliche draufhaben. An der IGS Roderbruch hat sie mit der Barmer-Krankenkasse das Projekt vorgestellt.

Ist Kochen ein Politikum? Wenn es nach Sarah Wiener (54) geht, auf jeden Fall. Mit ihrer vor neun Jahren gegründeten Stiftung engagiert sich die Köchin an Schulen und Kindertagesstätten. Dabei geht es ihr um Ernährung, Zubereitung und bewusstes Einkaufen. „Wo man seine Lebensmittel kauft, ist entscheidend. Regionalität hat ja nicht nur was mit der Frische der Lebensmittel zu tun, sondern auch mit Transportwegen, Belastung der Umwelt oder auch der Frage, wer eigentlich mein Nachbar, der Landwirt, ist“, sagte sie gestern beim Termin in der IGS Roderbruch.

„Ich kann kochen!“ heißt das Projekt, das ihre Stiftung gemeinsam mit der Krankenkasse Barmer entwickelt und auf den Weg gebracht hat. In fünf Jahren sollen 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche an das Kochen herangeführt werden. Der Grund: 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche leiden in Deutschland an Übergewicht. Bewegungsmangel ist einer der Gründe, aber vor allem einseitige und ungesunde Ernährung mit zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse.

Dass Kochen und Lebensmittel für Wiener ein Thema sind, hat sie schon öfter unter Beweis gestellt. Bei der ZDF-Sendung „Kerner kocht“ stand sie unter anderem mit Tim Mälzer (45), Jamie Oliver (41), Horst Lichter (54) und natürlich Johannes B. Kerner (51) vor der Kamera. Mit den Fernsehsendern Arte und ORF hat sie die Doku-Serie „Die kulinarischen Abenteuer“ gedreht. Entdeckt worden war ihr Talent einst von der Schauspielerin Tilda Swinton (55), die, nachdem sie ihren Kuchen probiert hatte, das Catering für ihre nächsten Filmaufnahmen an Wiener vergab.

„Gesunde Ernährung ist wichtig, und diese kann nur gewährleistet sein, wenn Menschen wissen, was sie essen“, mahnt die 54-jährige Köchin bei der Aktion mit den Schülern. Einerseits geht es Wiener um die Identifikation der Lebensmittel - sie ermutigt die Kinder dazu, Kräuter und Gemüse einfach mal zu probieren. Andererseits ist es ihr ein Anliegen, dass die Kinder Spaß am Kochen haben.

Ihre Erfahrung: „Das ist in vielen Familien verloren gegangen. Die Eltern können teilweise selber nicht kochen und geben dieses Nicht-Wissen und den ahnungslosen Umgang mit Tiefkühlkost und Fertigprodukten an ihre Kinder weiter. Man schätzt, dass der Beruf des Kochs in 15 Jahren ausgestorben sein wird.“ Um das zu verhindern, werden bei dem Projekt „Genussbotschafter“ ausgebildet - Pädagogen, die an ihren Schulen und Kindertagesstätten dafür sorgen, dass die Kinder Begeisterung für das Kochen entwickeln. Insgesamt soll es 56 000 dieser Botschafter geben.

Wiener hat ihre Stiftung ge-gründet, um genau diese Leidenschaft weiterzutragen. Aber auch, weil sie als Kind nicht unbedingt eine Wahl hatte: „Ich selbst komme aus einer armen Künstler-Familie. Wir können aber alle gut kochen, weil es damals noch deutlich günstiger war, selbst einzukaufen und Gerichte zuzubereiten, als Fertigprodukte zu essen. “

Wieners Mutter ist die Grafikerin und Zeichnerin Lore Heuermann (78). Die Künstler-Familie hat sich in ihrem Lebenslauf fortgesetzt: Wiener war mit dem Schauspieler Peter Lohmeyer (54) verheiratet. Nach sieben Jahren Ehe war Ende 2015 dann Schluss. Und dieses Jahr starb ihr Bruder, der Maler Adam Wiener (51). Die letzten Gemälde ihres Bruders will sie, im Gedenken an ihn, ausstellen lassen.

Bei den Schülern der IGS Roderbruch schlägt ihre Ernährungsbotschaft auf jeden Fall ein. Sophia (9) geht in die vierte Klasse und steht mit anderen Schülern in der Küche, um einen Bulgur-Salat zuzubereiten: „Das macht viel Spaß. Die großen Tomaten waren ein bisschen anstrengend, wegen dem Strunk, aber die kleinen sind total leicht zu schneiden.“ Für Wiener ist jedes Rezept auch politisch: „Es definiert, was man kauft, wo man es kauft und welcher Region man sich zugehörig fühlt.“

Klingt nach einer ausgezeichneten Essenspolitik!

NPVISITENKARTE

Geboren am 27. August 1962 in Halle (Westfalen), wuchs in Wien auf, wohnt seit 1986 in Berlin. Sarah Wiener hat keine Ausbildung als Köchin, sie arbeitete 1986 zuerst im Restaurant „Exil“, das damals ihrem Vater Oswald Wiener (80) gehörte. 1999 eröffnete sie ihr erstes eigenes Restaurant in Berlin-Mitte: „Das Speisezimmer“. Berühmt ist ihr 2003 eröffnetes „Sarah Wiener im Hamburger Hauptbahnhof“, das aber in Berlin ist und nicht in der Hansestadt. Ihre ganzheitliche Koch-Philosophie umfasst auch Einkaufen und Produkt-Info. www.sarahwiener.de


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