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Mensch-Hannover Samuel Koch macht aus allem das Beste
Menschen Mensch-Hannover Samuel Koch macht aus allem das Beste
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00:25 08.11.2017
Im Expo-Wal: Samuel Koch sprach über das Thema „Nur das Beste“ – ein Titel, der nur im ersten Moment irritierte.  Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

 Es ist still, wenn er spricht. Das liegt daran, dass Samuel Koch (30) leise redet, aber vor allem daran, dass man keinen seiner Sätze versäumen möchte. Der Schauspieler, der sich 2010 bei einem Stunt in der Show „Wetten, dass ..?“ schwer verletzte und seitdem querschnittsgelähmt ist, ist zum Thema „Nur das Beste“ im Expo-Wal zu Gast, spricht mit Pastor Heino Masemann (56) über Schicksal und Glauben.

Kann jemand, der bei weitem nicht nur das Beste erlebt hat, noch glauben? Oder, wie es Masemann formuliert: „Kannst du noch ,Dein Wille geschehe’ beten?“. Daran hatte der christlich erzogene junge Mann lange Zweifel. „Ich habe mich nach dem Unfall gefragt, ob der Glaube nicht nur ein menschliches Konstrukt ist“, erzählt Koch. Und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Aber schließlich hielt ich ihn für eine lebenserhaltende Maßnahme.“

Vieles, was Koch sagt, klingt ironisch, verschmitzt, beinahe flapsig. Sein erstes Buch erschien unter dem Titel „Zwei Leben“, „ich hätte es lieber ,Mein Krampf’ genannt“, sagt Koch im Expo-Wal. Die 400 Zuhörer, darunter auch Ex-First-Lady Bettina Wulff (44), lachen. Und auch, als das Ensemblemitglied des Staatstheaters Darmstadt über das erste Ehejahr mit seiner Kollegin Sarah Elena (32) spricht („Ich bin noch in der Trainingsphase, aber ich freue mich über diesen Ehe-Zustand“), kichert das Publikum vergnügt.

Ist der Humor seine Antwort auf das Schicksal? „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt“, zitiert Koch im Gespräch mit der NP nach dem Gottesdienst den Dichter Joachim Ringelnatz. Statt mit seinem Los zu hadern, sucht der 30-Jährige bewusst nach intensiven Erfahrungen und weiß gar nicht, wo er anfangen soll, wenn man ihn bittet, „nur das Beste“ aus dem ablaufenden Jahr aufzuzählen. „Ich durfte viel Theater spielen, das erste Ehejahr war herrlich, ich habe meine Frau in zwei tollen Rollen auf der Bühne gesehen, bin unter dem Sternenhimmel im Toten Meer geschwommen und war eine Woche in einem Schweigekloster.“ Der Klosteraufenthalt hat ihn beeindruckt: „Man kann dort einfach nur hören, die Welt ist viel zu laut.“ Ein Mönch sagte ihm, dass es kein intensiveres Erlebnis gibt als die Nahtoderfahrung, „ich habe dem Tod ins Gesicht geschaut.“

Diese Erfahrung in Energie umzusetzen, das ist Kochs Stärke. Er besucht Schulen, Kinderhospize und Krebsstationen, spricht über seinen Weg, seine Erkenntnisse. „Das ist nicht immer leicht, aber wenn ein Mädchen, das sich umbringen wollte, danach wieder leben will, hat es sich gelohnt.“

Gestern traf er in seiner ehemaligen Heimat Hannover noch alte Freunde, „und dann will ich schnell nach Hause.“ Man wünscht ihm ein schönes Wiedersehen mit seiner Liebsten. Und tatsächlich nur das Beste.

Von Julia Braun

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