Navigation:
POWERFRAU: Ruslana ist nicht nur Sängerin. Die Ukrainerin kämpft auch gegen Menschenhandel und Korruption und ist insbesondere in ihrem Heimatland politisch aktiv.

POWERFRAU: Ruslana ist nicht nur Sängerin. Die Ukrainerin kämpft auch gegen Menschenhandel und Korruption und ist insbesondere in ihrem Heimatland politisch aktiv.© Sergey Dolzhenko

|
Interview

Ruslana: „Die Ukraine braucht dieses Positive“

Ihr Lied „Wild Dances“ von 2004 wurde in einer ARD-Ranking-Show zum besten Eurovision-Song aller Zeiten gewählt. Ruslana Lyschytschko (43) spielt am 10. Dezember ein Konzert in Hannover. Vorab sprach die Künstlerin mit der NP über ihr Leben.

Ruslana, erzählen Sie uns von Ihrem neuen Musikprojekt: Sie waren dafür in den Bergen?

Ich bereite mein neues Projekt auf eine sehr unkonventionelle Art vor. Ich verlasse das komfortable Tonstudio und fahre in die Berge, wo absolut extreme Bedingungen herrschen, um dort Gesangs- und Videoaufnahmen zu machen - völlig untypisch für Musiker. In einem normalen Tonstudio mangelt es an Energetik und Inspiration. Deshalb habe ich mich dagegen entschieden und bin hoch in die Karpaten gefahren - dort, wo es eine echte Energetik gibt, wo die wirkliche Magie herrscht. Dorthin, wo die Musik geboren wurde, die die Basis für mein neues Album bildet.

Der ESC findet ja zum zweiten Mal in der Ukraine statt. Nach Ihnen hat Jamala mit dem Song „1944“ gewonnen. Was bedeutet das für Ihr Land?

Die Ukraine hat diesen Sieg gebraucht. Die Musik und alles, was mit dem Sieg beim ESC verbunden ist, ist immer eine großartige Erfahrung. Die Ukraine braucht dieses Positive. Die antiukrainische Propaganda Russlands war sehr präsent in der Welt. Unser Land ist nicht fähig, diesen Informationskrieg allein zu bewältigen. Jamala hat den ganzen Schmerz der Krimtataren, die ihr Zuhause verloren haben, gezeigt. Sie hat den Schmerz der Ukraine gezeigt und durch die Musik zeigen können, wie sehr unser Land gerade leidet.

Wie sieht es da in Ihnen aus?

Ich bin auch sehr glücklich darüber, dass die Ukraine gewonnen hat. Ich habe sehr lange auf diesen Moment gewartet. Die Aufmerksamkeit Europas in Richtung unseres Landes ist zurückgekehrt. Wir bereiten eine der besten Shows vor: Ich bin sicher, dass alle, die nächstes Jahr zu uns kommen, mit der ukrainischen Gastfreundschaft und mit der ukrainischen Exotik zufrieden sein und sich sehr wohl fühlen werden.

Könnten Sie sich vorstellen, erneut am Contest teilzunehmen?

Nein, mein Weg ist bereits fortgeschritten. Und ich glaube nicht, dass ich noch ein zweites Mal die gleichen Emotionen durchleben könnte, die ich 2004 erlebt habe. Das waren einmalige und unübertreffliche Gefühle. Ich möchte für mich den Sieg so lassen, wie er damals war. Für mein Team und mich sind das unglaublich berührende Momente.

Was hat sich in den Jahren nach dem ESC-Sieg persönlich bei Ihnen getan?

Diese zwölf unglaublichen Jahre sind wie in einem Atemzug verflogen. Ich habe wunderbare Menschen aus der ganzen Welt getroffen, mit denen ich gearbeitet habe und die zu Freunden geworden sind. Der Eurovision-Sieg hat mir Türen geöffnet. Ich habe Künstler wie Peter Gabriel, Celine Dion, Avril Lavigne getroffen und im Duett mit amerikanischen Stars wie T-Pain und Missy Elliot gesungen. Die große Popularität von „Wild Dances“ hat mir den World Music Award und viele Auszeichnungen in Europa eingebracht.

Und politisch?

Ich bin sehr glücklich, dass Gott mir die Chance gegeben hat, an zwei Revolutionen teilzunehmen - 2004 die Orangefarbene Revolution und die Maidan-Revolution 2013 und 2014. Ich kann ohne Übertreibung sagen, dass Maidan für mich zu einem der wichtigsten Ereignisse in meinem Leben wurde. Maidan ist als Erstes eine Sozialrevolution und der Wunsch von Menschen, ihr Land auf eine neue und ehrliche Art zu bauen. Sie wollen in einer gerechten Gesellschaft leben.

Stimmt es eigentlich, dass Sie in einem Öko-Haus leben?

Ja, es liegt in einem wunderschönen Ort in der Nähe von Kiew. Der Ort erinnert ein bisschen an kleine Hügel in den Karpaten. Das ist ein sehr antikes, historisches Plätzchen, ein Gebiet, das unglaubliche Energie besitzt. Dieser Ort inspiriert mich sehr. Jeden Tag habe ich die Möglichkeit, die fantastischen Aussichten während des morgendlichen Joggings zu genießen.

Warum sind Ihnen erneuerbare Energien wichtig?

Mein Haus ist ein Beispiel für Energieeffizienz. Wir nutzen Sonnen- und Windenergie. Mein Mann und mein Vater haben viele innovative Energiesparmaßnahmen selbst entwickelt. Wir haben diesen Weg gewählt, da wir kein Gas von Putin nutzen wollen. Wir haben die Technologie der erneuerbaren Energie gewählt, um unabhängig zu sein. Saubere, grüne und erneuerbare Energie wird unser Leben und unseren Planeten erhalten.

Am 10. Dezember kommen Sie für ein Charity-Konzert nach Hannover.

Ich bin eingeladen worden und freue mich immer, in Deutschland Konzerte zu geben. Ich war noch nie in Hannover und bin schon sehr gespannt. Der Erlös kommt über meine Stiftung und zwei deutsche Vereine Kinder-Hilfsprojekten in der Ukraine zugute. So wollen wir Waisenkindern zu Weihnachten eine Freude machen und unterstützen Krankenhäuser mit medizinischen Geräten.

Was erwartet die Gäste?

Wir werden traditionelle ukrainische Weihnachtslieder spielen und hauptsächlich meine wilden Karpaten-inspirierten Songs. Es wird ein tolles Fest, zu dem ich alle deutschen, ukrainischen und anderen Fans einlade.

Am 10. Dezember um 20 Uhr im Musikzentrum (Emil-Meyer-Straße 26-28). Konzert-Tickets für 41,05 Euro in den NP-Ticket-Shops (etwa Lange Laube 10) oder unter

neuepresse.tickets.de

NPVISITENKARTE

Geboren am 24. Mai 1973 in Lemberg (Westukraine). Bereits mit vier Jahren geht sie in eine experimentelle Musikschule. Sie studiert Orchesterleitung, Klavier und Schlagzeug. Der Durchbruch gelingt ihr 2004, als sie mit „Wild Dances“ den ESC gewinnt. In ihrem Heimatland wird sie zu einer der Symbolfiguren der Orangefarbenen Revolution. Auch beim Massenprotest Euro-Maidan ist sie Leitfigur und wirkt deeskalierend. Dafür wird sie mehrfach international geehrt. Die Unesco-Botschafterin ist seit 21 Jahren mit dem Produzenten Olexandr Ksenofontow verheiratet und liebt Extremsport. www.ruslana.ua


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Anzeige

Bild des Tages

Herbst! NP-Leserin Bettina Zeller fotografierte im Hermann-Löns-Park.

zur Galerie