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Mensch-Hannover „Rosy Vista“: Die wilde Frauenband rockt wieder
Menschen Mensch-Hannover „Rosy Vista“: Die wilde Frauenband rockt wieder
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17:41 04.01.2019
DA GEHTS LANG: Anca Graterol (rechts) und Andrea Schwarz starten mit „Rosy Vista“ nochmal durch. Quelle: www.fotowilde.de
Hannover

Warum eine Frauenband? Das Lachen von Anca Graterol (66) rollt wie ein kleines Gewitter aus ihrer Kehle. „Mit 13 fand ich Jungs doof, die zogen mich immer an den Zöpfen“, erinnert sie sich an ihre Kindheit in Rumänien. Ihre Reaktion: Sie gründete die Mädchenband Catena, wurde ein Megastar – und floh 1977 vor dem Regime von Staatspräsident Nicolae Ceauşescu in den Westen.

„Rosy Vista“ – die erste deutsche Frauen-Rockband

In Deutschland wiederholte sie das Konzept 1984 – und riss damit wieder eine Grenze ein: Graterols Band „Rosy Vista“ galt damals als erste deutsche Frauen-Rockband. „Wir haben die härtere Richtung eingeschlagen“, erzählt Graterol, die mit den Rolling Stones und Led Zeppelin aufgewachsen ist. „Ich bin die geborene Hardrockerin.“

Deshalb will sie es auch nochmal wissen: „Rosy Vista“ hatte einst mit der EP „You better believe it“ und mitreißenden Live-Auftritten für Furore gesorgt, nun bringt das Label SPV am 8. Februar das Album „Unbelievable“ heraus, die wiederaufgelegte und neu produzierte Single „Crazy“ ist schon mal ein Vorgeschmack. Old-School-Gitarren und in den Lyrics eine Abrechnung mit Gigolos, Blendern und Grapschern. „Wir sind auf Tour unglaublich oft angemacht worden“, sagt Graterol über die Hochzeit der Band. „Aber wir sind kein Freiwild. In Wahrheit hatten wir damals immer nur Musik im Kopf.“

LANGE HER: Das alte Tourplakat zeigt „Rosy Vista“ in den 80ern. Quelle: Frank Wilde

Das gilt auch heute noch, vor allem für Sängerin Andrea Schwarz (54), die wie Marina Hlubek (59) am Schlagzeug zur Originalbesetzung gehört. „Ich war ein junges Ding damals, gerade 19 Jahre alt“, erzählt sie mit einem amüsierten Kopfschütteln von dem Moment, als Graterol sie auf der Tanzfläche einer Disko „entdeckte“. Die erste Frage an die wilde Tänzerin mit der blonden Mähne: „Kannst du auch singen?“

„Rosy Vista“ spielt mit Joe Cocker und Uriah Heep

Schwarz, damals noch Zwölftklässlerin im Gymnasium Mellendorf, probierte es aus – schmiss die Schule, zog in Graterols Musik-WG über der „Pupille“, schlug einen neuen Lebensweg ein. Später hat sie doch noch ein Studium der Sozialwissenschaften abgeschlossen. „Aber meine Seele ist Musik“, bekräftigt die Sängerin, die zusammen mit Graterol auch 26 Jahre in der legendären Hannover-Band Moulin Rouge auftrat. Was folgte, waren Auftritte beim Open-Air an der Loreley vor 25 000 Zuschauern, ein Konzert mit Joe Cocker (†70), sie waren Vorbands für Uriah Heep und Mötley Crüe. „Mit den Jungs von Bon Jovi haben wir in Hannover im Casa Blanca gefeiert“, sagt Anca Graterol mit durchaus verzücktem Augenaufschlag.

Bis 1989 hielt der „Rosy Vista“-Hype („Wir waren eine wilde Band, voll 80er!“), dann stieg Sängerin Schwarz aus. „Ich wurde magersüchtig, machte viele Therapien.“ Ihre eigene Geschichte habe sie dann sogar in ihrer Di- plomarbeit ausgewertet und verarbeitet. Das war nicht das Ende der Band. „Wir haben es danach noch mit zwei Sängerinnen versucht“, sagt Graterol. „Aber die Magie war weg.“

„Die Konstellation damals hatte ein Brizzeln“

Die ist heute, 30 Jahre später, wieder da! „Die Konstellation damals hatte ein Brizzeln, da war ein Heimatgefühl“, schwärmt Schwarz. Graterol nickt zustimmend. „Das ist wie die erste Liebe.“ Nur Ex-Bassistin Regine Hellmann ist heute nicht mehr mit an Bord, für sie kommt in der „Rosy Vista“-Neuauflage Angela Mann (48) dazu.

WIEDER DA (von links): Marina Hlubek, Andrea Schwarz, Anca graterol und Angela Mann sind „Rosy Vista“. Quelle: Martin Huch

Vier Damen gründen eine Frauenband – und auch im 21. Jahrhundert sorgt das für Aufregung. „Wir werden gerade überrollt“, freut sich Graterol über das rege Interesse von einschlägigen Rockmagazinen wie „Metal Hammer“. Interviewanfragen kommen aus Italien und Skandinavien, auch Autogrammjäger hätten sich bereits gemeldet.

„Heute sagt uns keiner mehr, was wir tun sollen“

2019 werden bei den „Rosys“ Erinnerungen wach: Einst tourten sie durch die Tschechoslowakei mit den Lokalmatadoren Citron, die seit der Gründung 1976 auf der Metal-Welle schwimmen. „Am 28. April treten wir mit ihnen in einer Riesenhalle in Prag auf“, freut sich Graterol. Im Gepäck haben die Damen zwölf Songs – und ein ganz neues Selbstbewusstsein. „Wir haben viel Lebenserfahrung gesammelt“, sagt Gretol und schmunzelt. „Damals hat man uns sogar die Klamotten vorgeschrieben, Heute sagt uns keiner mehr, was wir tun sollen.“

Release-Konzert des Albums „Unbelievable“ am 9. Februar ab 20 Uhr im Musikzentrum (Emil-Meyer-Straße 26). Tickets kosten 18 Euro.

UNGLAUBLICH: Das neue Album von „Rosy Vista“ heißt „Unbelievable“. Quelle: Frank Wilde

Von Andrea Tratner

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