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KÖSTLICH: Julia Ryvkina (44) präsentiert ihre vegan-rohen Süßigkeiten.

KÖSTLICH: Julia Ryvkina (44) präsentiert ihre vegan-rohen Süßigkeiten.
© Nancy Heusel

Menschen

Rohkost macht sie einfach froh

Vegan ist modern. Julia Ryvkina (44) geht mit Rohkost noch einen Schritt weiter. Salat, Schokolade oder Früchte stehen auf ihrem Speiseplan. Mit ihrem Catering und der Firma „einfach fROH“ möchte sie nun die Hannoveraner überzeugen. Ihre Ernährung hat die gebürtige Russin bereits komplett umgestellt. Mit der NP sprach sie über Ernährung, ihre Geschäftsidee und Allergien.

Hannover. Buchweizen, Rosenblätter und Gojibeeren zählen zu den so genannten Superfoods. Das hört sich exotisch an und soll besondere Kräfte haben. Für Modedesignerin Julia Ryvkina (44) haben diese Nahrungsmittel ihr Leben verändert.

Die „Raw food“-Liebhaberin bereitet rein vegane Kuchen, Muffins und jede Menge Salate für Veranstaltungen zu, „bald verkaufe ich das hoffentlich auch auf einem Wochenmarkt“. Der Clou dabei: Alle Gerichte werden weder gebacken, gebraten noch gekocht. „Weil alles ohne Hitze zubereitet wird, bleiben die Nährstoffe und Vitamine erhalten“, erklärt die 44-Jährige. Dafür wird Muffinteig zum Beispiel mit Nüssen und Datteln gemacht – und ist damit deutlich länger haltbar.

Jahrelang kämpfte sie mit Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten. „Mir ging es schlecht. Aber die Idee des Arztes, meine Symptome mit Kortison zu behandeln, fand ich nicht gut“, sagt die gebürtige Russin. 2013 unterzog sie sich einer sechswöchigen Entgiftungskur mit Saft, nach und nach stellte sie ihre Ernährung komplett um. „Ich hatte vorher schon viel Fleisch gegessen. Es war also ein großer Schritt für mich.“ Inzwischen isst sie zu 80 Prozent Rohkost: Salate, Säfte, Früchte, Süßigkeiten, sogar Suppen. Nur wenn sie mit Freunden unterwegs ist, verzichtet sie auch mal auf die rohe Kost.

„Einfach fROH“ ist ein Mix aus froh und roh

Tränende Augen, schlechte Haut, ständige Müdigkeit – all das liegt nun hinter ihr. Fast zwei Jahre hat es allerdings gedauert, bis sie beschwerdefrei war. „Ich habe inzwischen keine Allergien mehr, meine Blutwerte sind besser und ich fühle mich gut“, erzählt Ryvkina. Ihre Firma heißt „Einfach fROH“ – ein Mix aus froh und roh. Noch steht sie ganz am Anfang, hat in ihrer Küche in Wettbergen aber bereits mehr als 100 rohe Rezepte ausprobiert. Momentan ist sie mit Workshops an Schulen unterwegs und zeigt Kindern, dass es auch Süßigkeiten ohne Zucker gibt. „Es war erstaunlich, wie wenig manche Kinder über Lebensmittel wissen. Kein Kind konnte mir sagen, wieso Zucker ungesund ist.“ Ihr eigener Nachwuchs (14 und acht Jahre alt) ist inzwischen auch neugierig geworden. „Meine Tochter probiert viel, was ich aus esse. Für meine Kinder und meinen Mann koche ich aber auch Nudeln oder Fleischgerichte.“

In Zukunft will sie mehr Rohkost-Workshops für Erwachsene anbieten, „mir fehlt nur noch der Raum.“ In den Kursen sollen roh-vegane Süßigkeiten entstehen. Süß sind die Leckereien auch ohne Zucker – getrocknete Früchte und etwas Agavendicksaft bringen natürliche Süße. Eine Freundin hatte die 44-Jährige motiviert, aus ihrem Hobby ein Geschäft zu machen. „Ich hatte einen Rohkost-Karottenkuchen zu einer Party mitgebracht – alle waren total begeistert.“ Für ihre Freundin war klar: „Damit musst du raus.“

Inzwischen hat Ryvkina die Lizenz für ihr Rohkost-Catering erhalten. Auf ihrem Instagram-Account „@yulbon“ zeigt sie ihre farbenfrohen Pralinen, Salate und Küchlein. Sie experimentiert für ihr Leben gerne herum. „Ich glaube, dass der vegane Lebensstil mehr als ein Trend ist“, sagt die 44-Jährige. „Wenn man sich länger rein pflanzlich ernährt, spürt man die wohltuende Wirkung.“ Für sie steht fest: „Ich will nicht mehr zurück in meine altes Muster.“ Und abends auf dem Sofa? Gibt es bei ihr eben Grünkohlchips und getrocknete Früchte – denn das macht sie froh.

Von Karina Hörmann