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Mensch-Hannover Rick Jurthe komponiert Soundtrack für Feuerwerk der Turnkunst
Menschen Mensch-Hannover Rick Jurthe komponiert Soundtrack für Feuerwerk der Turnkunst
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11:54 28.12.2016
Mit PASSION: Rick Jurthe steckt viel Herzblut in seine Arbeit. Er komponiert die Stücke, bearbeitet die Musik und schreibt eigene Texte. Quelle: Sielski

Vom Studenten zum Produzenten: Für Rick Jurthe (27) geht es rasant bergauf. So hat der gebürtige Bad Nenndorfer, der seit September in London lebt, mal eben den Soundtrack zum Feuerwerk der Turnkunst komponiert, das am 31. Dezember in der Tui-Arena stattfindet.

„Ich bin 2014 beim Fuchsbau-Festival aufgetreten, da war Heidi Aguilar, die Regisseurin des Feuerwerks der Turnkunst, auch da. Ihr hat meine Arbeit gefallen“, so Jurthe. Daraus entwickelt sich eine Zusammenarbeit - bei der Tour 2015 ist er als Sänger mit dabei. Dann hat der 27-Jährige Glück: Der Musikalische Leiter steigt aus, und der Platz wird frei. Jurthe darf den Soundtrack für die „2gether“-Tournee komponieren. „Für mich ist ein Traum wahr geworden, ich hätte nicht gedacht, dass ich die nächsten Jahre in eine sichere Zukunft blicken kann“, gesteht er. Denn die Musikbranche ist alles andere als einfach: „Ich muss schon heute an meine Rente denken, als selbstständiger Musiker ist es oft hart.“

Doch mit seinem Klavier („Das klingt einfach besser als ein Keyboard“) und seiner außergewöhnlich hohen Stimme kommt Jurthe an. Sogar Warner und Universal Music klopfen an seine Tür. Doch es gibt einen Haken: „Sie wollen, dass ich deutschen Soul mache.“ Der Künstler ist hin- und hergerissen zwischen dem Karrierewunsch und seiner Leidenschaft. Denn wenn er für sein eigenes Musikprojekt Foxos singt, dann tut er das auf Englisch. Für ihn ist klar: „Der deutsche Markt ist zu einheitlich, die Künstler haben sich verkauft.“ Ihm fehlt die Poesie in den Texten: „Es gibt keinen Bob Dylan mehr.“

Man merkt schnell: Der junge Mann will die Kontrolle behalten. Über sich und seine Musik: „Für mich kommt es nicht darauf an, auf großen Bühnen zu stehen, ich möchte das machen, was mir am Herzen liegt.“

Dass die Musik für ihn eine besondere Bedeutung haben würde, steht früh fest. „Ich hatte ein altes Klavier von meinem Opa, darauf habe ich immer herumgeklimpert“, erinnert sich der 27-Jährige.

Dann geht es schnell: Seine Mutter hält es für eine gute Idee, den damals Fünfjährigen zum klassischen Klavierunterricht anzumelden. Damit behält sie recht - für Jurthe entwickelt sich eine Leidenschaft. Während der Schulzeit spielt er in der Big Band des Gymnasiums Bad Nenndorf: „Da bin ich mit anderen Musikrichtungen in Kontakt gekommen und habe gemerkt, dass mir das viel mehr Spaß macht als klassische Musik.“ Er hat Glück - sein Lehrer fördert ihn: „Ich habe noch heute das Gefühl, dass er mich wirklich weitergebracht hat.“

Trotzdem entscheidet sich Rick Jurthe nach dem Abitur 2008 nicht für ein Musikstudium - er geht den konventionellen Weg und wählt Germanistik. Doch das hilft nichts, er merkt schnell: „Mir fehlt die Musik.“ Nach einem Semester bricht er sein Studium ab: „Danach habe ich versucht, mich selbst kennenzulernen, mich zu finden. Das hat etwas gedauert.“ Schließlich bringt er den Mut auf und bewirbt sich an der Hochschule für Musik, Theater und Medien: „Als Künstler, gerade in der Musikbranche, ist man oft von Selbstzweifeln geplagt. Wenn man sich für diesen Weg entscheidet, ist die Rente nicht sicher.“ Es zeigt sich schnell: Die Selbstzweifel sind unbegründet. Rick Jurthe kann sich gegen 250 Bewerber durchsetzen und ergattert einen von zehn Plätzen im Studiengang Popular Music. Er studiert Gesang, „um die Stimme weiter auszuprägen“. Inzwischen lebt er in London, um seinen Master zu machen, und studiert an der renommierten Goldsmith University. Zufrieden ist er damit aber nicht: „Ich habe mir mehr versprochen, gehofft, es wäre nicht so theorielastig.“

Denn dem Künstler juckt es in den Fingern. Er will wieder nach Hannover, „in die Stadt, die so besonders unbesonders ist, in der man sich zu Hause fühlt“. Voller Tatendrang will er die Musikszene bewegen. Jurthe ist sich sicher: „In Zukunft wird sich die Branche wieder verändern.“

INFO

Bereits seit 30 Jahren gibt es das Feuerwerk der Turnkunst. In diesem Jahr lautet das Motto „2ge-ther“ – Vertrauen, Synchronität und Harmonie stehen im Vordergrund.

Heute feiert die große Deutschland-Tour in Oldenburg Premiere, danach folgen 19 weitere Städte. Schon am 31. Dezember kommt das Ensemble zum ersten Mal in die Tui-Arena.

Los geht es um 17 Uhr. Wer es vor der großen Party am Silvesterabend lieber ruhig angeht, muss keine Sorge haben, die Künstler zu verpassen. Am 21. Januar kommt das Ensemble erneut nach Hannover. Diesmal gleich mit zwei Shows (um 14 und 19 Uhr).

Karten sind noch verfügbar und kosten zwischen zwölf und 48 Euro. www.feuerwerkderturnkunst.de

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