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In der Tui-Arena: Rick Jurthe ist der Komponist des Feuerwerks der Turnkunst. Im Februar will er sich für eine größere Bühne bewerben – den ESC.

In der Tui-Arena: Rick Jurthe ist der Komponist des Feuerwerks der Turnkunst. Im Februar will er sich für eine größere Bühne bewerben – den ESC.
© Frank Wilde

Eurovision Songcontest

Rick Jurthe ist Hannovers Stimme für Lissabon

Am 22. Februar entscheidet sich, ob er Deutschland beim ESC in Portugal vertritt: Rick Jurthe (28) aus Hannover ist der Komponist des Feuerwerks der Turnkunst – im Mail will er Lissabon verzaubern.

Hannover. So war das überhaupt nicht geplant: Als im November das Telefon von Rick Jurthe (28) klingelte und man ihm mitteilte, dass er zu den 20 besten Bewerbern für den Vorentscheid zum Eurovision-Songcontest (ESC) gehörte, war er baff. „Ich hatte mich überhaupt nicht beworben“, erzählt der Musiker.

Kein Problem: Denn die Bewerbung konnte auch von anderen eingereicht werden – zum Beispiel von Plattenfirmen. Doch wer ihn vorgeschlagen hat, weiß der 28-Jährige noch immer nicht: „Ich weiß bloß, dass ich von mehreren ins Spiel gebracht wurde.“ Offenbar zu Recht: Gegen 4000 Bewerber konnte sich Jurthe problemlos durchsetzen – ohne überhaupt davon zu wissen.

Entscheidung kommt erst kurz vor Weihnachten

Als der Anruf dann kam, war der Künstler sprachlos und völlig überwältigt: „Ich bin schon immer ein großer Fan vom ESC. Für mich war sofort klar, dass ich in die nächste Runde gehe.“ Heißt: Bei einem Zusammentreffen mit den anderen 20 Bewerbern wollte man ihn kennenlernen. Aber nicht nur das – Jurthe sollte auch zeigen, was er wirklich kann. In einem Videoausschnitt präsentierte er seinen eigenen Song „You and I“. Doch leicht war das nicht. „Wir waren im Studio und hatten bloß zwei Versuche. Aus diesen Versuchen sollten wir die besten 90 Sekunden auswählen.“ Eine Antwort gab es aber nicht gleich – bis kurz vor Weihnachten musste er warten, dann stand fest: Der Hannoveraner darf beim ESC-Vorentscheid „Unser Lied für Lissabon“ gegen fünf weitere Kandidaten antreten – und mit etwas Glück sogar Deutschland in Lissabon vertreten.

Rick Jurthe wählt für den ESC einen Künstlernamen

Für Jurthe ein großer Sprung auf der Karriereleiter: „Das ist die größte Bühne, auf der ich je stand. Und auf der kann ich mich auch noch selbst verwirklichen; sein, wer ich wirklich bin.“ Bisher hat er zwar Musik gemacht, aber dabei hauptsächlich Wünsche von Auftraggebern umgesetzt – wie beim Feuerwerk der Turnkunst. Diesmal steht er im Mittelpunkt. Dafür hat er sich sogar einen Künstlernamen zugelegt: Ryk. „Die anderen Produktionen laufen unter meinem richtigen Namen. Diesmal will ich aber in eine andere Welt schlüpfen. Ryk ist da wie ein Kleidungsstück, das kann ich anziehen, wenn ich in meine eigene Welt eintauchen will.“

Diese Welt ist in den Augen des Künstlers mystisch. Er schreibt hauptsächlich Balladen und setzt sich in den Texten mit sich selbst auseinander – schreibt nicht einfach über Liebe, sondern über die Suche nach seinem persönlichen Glück. So wie in „You and I“: „Ich bin oft hin und hergerissen, möchte vernünftig sein, und tue deswegen Dinge, die ich manchmal gar nicht will. Auf der anderen Seite steht dann aber der Wunsch, das Leben in vollen Zügen zu genießen und keine Zeit zu verschwenden.“ Beim ESC habe er Raum, um er selbst zu sein. Niemand verlange von ihm, auf Deutsch zu singen, nur damit er erfolgreicher sein kann. Andere aus der Branche hätten das ganz anders gehandhabt.

Schon die ersten 20 Sekunden des Songs sollen das Publikum verzaubern

Doch auch wenn er diesmal alle Freiheiten hat, will er noch nicht verraten, was er am 22. Februar beim Vorentscheid singen wird. Nur so viel: „Mir ist es wichtig, dass ich so viel Arbeit in den Vorentscheid stecke wie in den ESC.“ Deswegen versucht er schon in den ersten 20 Sekunden seines Liedes zu überzeugen. Sein Vorsatz – auch für Lissabon. Ähnlich wie Lena Meyer-Landrut (26) aus Hannover, die 2010 mit „Satellite“ den ESC gewann, will er das Publikum sofort verzaubern. Diesmal soll Deutschland nicht wieder ohne Punkte nach Hause fliegen.

Und wenn er am 22. Februar nicht gewinnt? Dann ist das auch kein Problem, meint Jurthe. „Jetzt gerade ist alles rasant und ich habe eine aufregende Zeit. Aber mein Leben wäre auch ohne den Gewinn perfekt.“ Immerhin hat er noch bis 2021 einen Vertrag als Komponist für das Feuerwerk der Turnkunst. Trotzdem hofft Rick Jurthe, in Zukunft häufiger Ryk sein zu dürfen.

Das ist der ESC-Vorentscheid

Gegen 4000 Kandidaten konnten sich die sechs Teilnehmer der Show „Unser Lied für Lissabon“ schon durchsetzen.

Am 22. Februar kämpfen sie nun in Berlin darum, Deutschland beim Eurovision Song Contest (ESC) zu vertreten. Neben Ryk stehen in der ARD-Show im Februar auch noch Xavier Darcy (23), Michael Schulte (27), Natia Todua (21), Ivy Quainoo (25) und die Band Voxxclub auf der Bühne. Die Krux: Alle Lieder der Kandidaten dürfen nicht länger als exakt drei Minuten sein. Am Ende sollen dann die Fernsehzuschauer, das 20-köpfige Eurovisions-Panel und eine internationale Jury entscheiden, wer Deutschland am Sonnabend, 12. Mai, bei der großen Show in der portugiesischen Hauptstadt vertritt.

Die internationale Jury besteht aus 20 Personen, die bereits ESC-Erfahrung haben. In den vergangenen Jahren waren es Mitglieder der nationalen Jury der Heimatländer. Für die ARD wird das ein radikaler Neuanfang – künftig wolle man den Auswahlprozess beim ESC-Vorentscheid internationaler gestalten.

Von mandy sarti