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Mensch-Hannover René Nieschka - Norddeutschlands „backende Tunte“
Menschen Mensch-Hannover René Nieschka - Norddeutschlands „backende Tunte“
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12:39 15.10.2014
HIER IST ER GLÜCKLICH: René Nieschka alias René Twix geht für sein Leben gern ins „Glücksmoment“ in der Altstadt Quelle: NANCY HEUSEL
Hannover

Wenn er Schwarzwälder Kirschtorte macht, dann schmeckt sie auch wie eine. Aber: So wie man die mit Kirschwasser getränkte Sahnebombe kennt, sieht die bei René Nieschka (21) garantiert nicht aus: „Meine ist knallpink. Und statt dunkler Streusel sind meine rot-glitzernd-lila-pink.“ Kunterbunt also, so wie Welt von Norddeutschlands backender Tunte (so nennt Nieschka sich stolz) eben aussieht.

Als der Hobbybäcker (sein Geld verdient er als Friseur-Azubi) sich den Ort für ein Gespräch mit der NP aussuchen sollte, fiel die Wahl des 21-Jährigen auf das Café „Glücksmoment“ in der Altstadt. „Ich identifiziere mich mit dem Laden, so bunt, so pastell“, schwärmt er. Und: so lecker! Kaum ein Cupcake ist vor dem jungen Mann aus Marienwerder sicher. Was er alles in Sachen süßer Leckereien draufhat, präsentiert er bald auf der Infa (siehe Info-Box): Am 25. und 26. Oktober steht das lustige Kerlchen um zwölf und 14 Uhr auf der Lebensart-Bühne (Halle 23) und präsentiert sein Kochbuch „Mein Leben ist ’ne Sahnetorte“, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.

Zu Hause hat er viele andere stehen - 150! Die Küche seiner Zweizimmerwohnung ist nicht groß („Bei meinem zarten Kaliber wirds schnell eng“), da entstehen aber unverschämt leckere Dinge: „Ich bin ein Fan von Cupcakes. Die sind so schön klein, handlich, man kann sie überall mit hinnehmen, und sie schmecken einfach super.“ Seine Leidenschaft für Teig und Sahne hat er als Steppke an der Seite seiner Oma Marie-Luise (heute 65) entdeckt. „Bei ihr durfte ich immer mithelfen, den Mixer schwingen und Mehl in die Schüssel kippen“, erinnert er sich. Viele Rezepte hat er sich von ihr abgeguckt „und mich dabei immer gefragt: Wie kannst du das jetzt noch aufpeppen?“ Im Alter von elf Jahren wagte er sich dann an die großen, sahnigen Sachen.

Was bringt der Mann, den alle nur Twix nennen („Meine Oma hat mich mit den Dingern gemästet, und der Name Kräuterbutter war dann doch doof“), auf die Waage? „Och, gute 75 Kilo“, sagt er und muss selbst über die Notlüge lachen: „Das ist doch eigentlich auch egal.“ Stimmt. Deshalb wollen wir auch viel lieber über den offenen Umgang mit seiner Homosexualität sprechen: „Ja, ich bin homosensationell!“ Mit 13 Jahren merkte er, dass Jungs ihn interessieren, mit 16 folgte das Outing. Probleme hat ihm das eigentlich nicht bereitet: „Ich war auf dem Land ja schon immer der Paradiesvogel“, betont er, „und mein Vater hat jetzt eben zwei Töchter.“ Gelächter. Sein Credo zu dem Thema: „Leben und leben lassen.“ Das wünscht er sich auch im Bezug auf sich und sein schrilles Wesen: „Ich kann ja auch nicht alles auf der Welt tolerieren, lasse die Leute aber trotzdem in Ruhe.“

In seiner Freizeit ist er gern mit seinen Mädels zusammen („Ich habe keine männlichen Freunde“), trifft sich mit seinem Partner („22, Student, durchtrainert, süße Maus“) oder besucht auch mal die Landfrauen: „Die freuen sich, wenn sie ein Sektchen mit mir zwitschern können.“ Denn etwas Prickelndes gehört zum Leben von René Nieschka einfach dazu.

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