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Mensch-Hannover Regisseurin Stünkel stiftet Kunst für die Kleiderkammer
Menschen Mensch-Hannover Regisseurin Stünkel stiftet Kunst für die Kleiderkammer
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17:31 06.04.2018
ENGAGIERT: Fotografin und Regisseurin Franziska Stünkel stiftet dieses Motiv aus der Serie „One of all“. Quelle: Alexander Körner
hannover

Die puristischen Eisenregale könnten auch in einem Hipster-Laden in der Innenstadt stehen, durch die breite Fensterfront flutet Licht, an den Wänden hängt – Kunst! „Dieser Raum ist schön. Und das ist ein Zeichen“, erklärt Matze Cramer (49), Mitarbeiter der Kleiderkammer der Zentralen Beratungsstelle (ZBS, siehe Info) an der Berliner Allee. „Es geht um Würde und Respekt, wir zeigen unseren Besuchern, dass sie anerkannt werden.“ Und das ist häufig genug nicht der Fall. Wer sich hier mit Hosen, Pullis, Schuhen oder auch Hausrat versorgt, ist obdachlos.

Stünkel: „Hier steckt viel Liebe drin“

Franziska Stünkel (44) hat einige Zeit in der Kleider-Ausgabestelle verbracht. „Es war mir wichtig, mir einen Eindruck zu verschaffen“, sagt die Regisseurin und Fotografin, die zwei Bilder gestiftet hat. „Ich habe gesehen, wie viele Menschen hier ein- und ausgehen. Und wie viel Engagement und Liebe hier drin steckt.“

GESCHENK: Fotografin Monika Rauer stiftet ein Bild der Brücke im Georgengarten. Das Morgenlicht soll Hoffnung schenken.“ Quelle: Alexander Körner

Matze Cramer ist Initiator des Verschönerungs-Konzeptes: Der Mann der in 30 Jahren Gastroerfahrung viele Kontakte (und Telefonnummern) gesammelt hat, gründete die Facebookgruppe „Kunst in der Kleiderkammer“, bat um Spenden. „Ich habe offene Türen eingerannt“, freut er sich.

Stünkel hat sich viele Gedanken gemacht: „Menschen auf der Straße können sich nicht in ihre eigenen vier Wände zurückziehen.“ Kunst sei immer ein Angebot für Gefühle, die Auseinandersetzung mit dem Innenleben, Dialog und Wahrnehmung. Sie findet es „wunderschön“ , dass Obdachlose hier Kunst erleben können. An der Wand hängen zwei Motive ihrer Fotoserie „One of all“, die in New York entstanden sind. Ein farbiges Pärchen kuschelt sich in der Subway aneinander: „Ich habe das Gefühl von Wärme und Zuneigung festgehalten“, erklärt die 44-Jährige.

SCHÖN BUNT: Pop-Art-Künstler Della macht die Kleiderkammer mit drei Werken farbenfroh. Quelle: Alexander Körner

Auch Pop-Art-Künstler Della (61) kann Geschichten erzählen. Ein großformatiges Motiv ist der Andruck eines Werkes zum Tod von 96-Torwart Robert Enke (†32). „Es beschreibt die Stille im Stadion bei der Trauerfeier, als man fast den Flügelschlag eines Schmetterlings hören konnte.“ Über den Platz an der Wand im Eingangsbereich freut er sich: „Ich hatte mir diesen Ort anders vorgestellt“, gibt er zu. „Aber diese Kleiderkammer hat gemütlichen Boutique-Charakter.“ Außerdem hat er eine Lampe und eine poppig verzierte Blumensäule gestiftet.„Ich bin froh, bei diesem Projekt dabei zu sein.“

Auch Fotograf Razvan Abinger-Marin (51) folgte dem Kunst-Spendenaufruf. „Künstler stehen ja immer mit einem Bein in Hartz IV“, scherzt er – doch die ernste Botschaft ist in seiner Stimme zu spüren. „Ich will Leute unterstützen, die es nicht geschafft haben, diese Kurve zu kriegen.“

Hier findet man die Kleiderkammer

Seit September ist die Kleiderkammer der Zentralen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes in der Berliner Allee 8 – zu erreichen ist die Ausgabestelle über eine Rampe zum Hof oder durch den Haupteingang. Geöffnet (auch für die Annahme von Spenden) ist montags bis donnerstags von neun bis 13 Uhr, freitags bis zwölf Uhr. Etwa 1000 Besucher nutzen das Angebot, kostenlos Kleidung und Hausrat auszuwählen. „Wir verteilen etwa 20 Tonnen Kleidung im Jahr“, freut sich ZBS-Leiter Norbert Herschel (49) über das Engagement vieler Ehrenamtlicher. „Da steckt viel Herz drin.“ Infos unter Telefon 0511/99040 59.

GRATWANDERUNG: Fotograf Razvan Arbinger-Marin weiß, dass Künstler auch leicht finanziell abstürzen können. Quelle: (Alexander Körner)

Von Andrea Tratner

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