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Guter Redner: Jan Philipp Reemtsma kommt am 20. November in die Buchhandlung Decius.

Guter Redner: Jan Philipp Reemtsma kommt am 20. November in die Buchhandlung Decius.
 © dpa

Leute

Reemtsma liest bei Decius

Er ist ein Germanist, Publizist und Mäzen, der in seinem Leben eine schlimme Erfahrung machen musste: Jan Philipp Reemtsma (64) wurde 1996 entführt und erst nach 33 Tagen gegen 30 Millionen Mark Lösegeld freigelassen. Die NP sprach mit dem Intellektuellen, der am 20. November die Neuübersetzung von Homers „Ilias“ um 20 Uhr bei Decius an der Marktkirche vorstellt.

Herr Reemtsma, wie schwer ist es heutzutage, Menschen für ein so bedeutendes, aber im aktuellen Fall 576 Seiten langes und zwei Kilo schweres Stück Literaturgeschichte zu begeistern?

Naja, das Gewicht eines Buches in Kilogramm oder der Seitenanzahl ausgedrückt ist nebensächlich. Aber sonst: Ich glaube nicht, dass es schwieriger ist als in den vergangenen paar hundert Jahren.

Und was sagen Sie Leuten, damit sie etwaige Berührungsängste in Bezug auf die „Ilias“ verlieren? So ganz locker-flockig ist der Stoff ja nicht zu lesen.

Literatur, die etwas taugt, lässt sich nicht „locker-flockig“ lesen, was immer Sie damit auch meinen mögen. Bedeutende Literatur ist darüber hinaus immer nur etwas für Minderheiten. Das liegt daran, dass man viel Lebenszeit aufbringen muss, um sich auszukennen. Und das kann – leider – nicht jeder. Allgemein gilt: anfangen zu lesen und sehen, ob das Buch einem Spaß macht. Die Lust kommt, wenn sie kommt, beim Lesen. Im Fall der „Ilias“ übrigens: laut lesen.

Warum das?

Weil man alles, was in Versen verfasst worden ist – ob ein einfaches Gedicht oder ein Versroman –, laut lesen sollte, um es besser zu verstehen. Ich empfehle das häufig, und Leute haben es mir anschließend bestätigt: Laut lesen hilft tatsächlich beim Verständnis.

Wie kommt man eigentlich dazu, ein Nachwort für so ein monumentales Werk zu verfassen: Fragt man? Oder wird man gefragt?

Man wird natürlich gefragt. Ich habe einmal etwas über Homers „Odyssee“ geschrieben und das hat dem Verlag wohl gefallen.

Was hat Sie an der Geschichte und Neuübersetzung des Troja-Klassikers gereizt?

Eine Neu-Übersetzung eines solchen Werks ist immer ein Ereignis. Und die von Kurt Steinmann ist wunderbar gelungen. Und es ist immer eine Herausforderung, etwas über ein Buch für einen Leser zu schreiben, der sich dem Text zum ersten Mal nähert.

Was macht die Version von Steinmann denn so wunderbar?

Das lässt sich an dieser Stelle nicht auf eine kurze Formel bringen. Man muss der Kunst der vorherigen Übersetzungen gerecht werden und es dann besser, manchmal auch nur auf interessante Weise anders machen. Das hat Steinmann getan.

Sie kommen mit dem „Ilias“-Übersetzer Kurt Steinmann zu uns nach Hannover. Wie gestalten Sie den Abend?

Steinmann spricht über seine Übertragung, gemeinsam sprechen wir über den Text.

Von Mirjana Cvjetkovic