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Mensch-Hannover Rainer Aulich: Durchs wilde Tadschikistan
Menschen Mensch-Hannover Rainer Aulich: Durchs wilde Tadschikistan
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00:15 05.07.2016
Das Tor zur Hölle: So heißt der seit 1971 brennende Krater in der Wüste Karakum in Turkmenistan. „Über die Entstehung ranken sich viele Geschichten.“ Foto: Privat
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Hannover

Manchmal hilft die beste Vorbereitung nichts. „Ich habe vor dem Start bis auf Motor und Getriebe alles neu gemacht“, erzählt Rainer Aulich (59) über seinen 117-PS-Mercedes-Geländewagen, mit dem er vor drei Jahren schon bis nach Südafrika gebrettert war. Die Bilanz nach 126 Tagen durch den wilden Osten: Kühler kaputt, zwei Federn gebrochen, Radlager hinüber – „und in Teheran ist mir der Öldruckschalter geplatzt“.

Aus seiner Afrika-Tour hatte Aulich gelernt, er hatte ein Sammelsurium an Ersatzteilen dabei. Und ein E-Bike an die Heckklappe des Wagens geschnallt. „Für den Fall, dass ich mal liegen bleibe. Das ist die größte Sorge, wenn man alleine fährt.“ Aber auch der Reiz. „Ich suche die Einsamkeit, will möglichst wenige Eindrücke von Menschen auf so einer Tour“, sagt der 59-Jährige. Mit seinem Auto pflegt er wegen der überstandenen Strapazen eine durchaus innige Beziehung: „Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft.“

Die Seidenstraße. Das Netz an Karawanenrouten, das einst Mittelmeer und Asien verband, fasziniert Aulich. „Da wurden ja nicht nur Seide und Gewürze transportiert, sondern auch Ideen, Kultur und Erfindungen wie das Schwarzpulver“, erzählt er. Im Februar flog er nach Dubai, wo sein „Fluchtfahrzeug“ nach der letzten Reise eingelagert war – in zwölf Wochen war er schon 2015 über die Balkanländer, Georgien und Iran in die Ölmetropole gefahren. Für den Trip durch Asien war das Wetter aber noch zu rau. Also kurvte Aulich einige Tage durch die Arabischen Emirate („Dieser Staat ist so überdreht, so maßlos“), hängte eine Tour durch den Oman dran, setzte dann von Dubai in den Iran über („Ein hochspannendes Land. Aber die Achse des Bösen habe ich nirgends gefunden“).

In Turkmenistan wurde es dann erstmals auf der Reise knifflig. Aulich hatte nur ein Vier-Tage-Transitvisum, musste das totalitär regierte Land mit Präsidialrepublik und Ein-Parteien-System zügig durchqueren – und wurde verhaftet. „Ich habe in einem Internetladen, der kein WLAN, aber dafür ein mannshohes Porträt des Präsidenten hatte, wohl eine abfällige Handbewegung in Richtung des Fotos gemacht“, berichtet Aulich. Der Wirt aus Hannover wurde sofort in Gewahrsam genommen und von Soldaten „mit Tatütata“ zur Grenze nach Usbekistan eskortiert. „Die haben mich ausgewiesen. Das hatte aber den Vorteil, dass der Grenzübertritt mit der ganzen Bürokratie nicht einen halben Tag gedauert hat, sondern nur eine halbe Stunde“, sagt er und muss bei der Erinnerung lachen. Angst habe er nicht gehabt. „Ich als alter 68er habe mit Staatsgewalt kein Problem  ...“

In Tadschikistan wartete dann die größte Herausforderung auf Aulich: der Pamir-Highway. Eigentlich eine Hauptverkehrsachse, „im Grunde aber nur ein Trampelpfad“. Aulich wagte sich auf die 500 Kilometer lange Strecke, obwohl Neuschnee lag und vor ihm keine Spur auszumachen war. „Der Offroad-Himmel“, sagt er trocken. Gibt aber zu, dass eine Nacht im „Dachzelt“ seines Autos bei minus zehn Grad keinen Spaß gemacht hat. Die schroffe Landschaft im Hochgebirge sei die Belohnung gewesen. Und überhaupt: „Einfach geht nicht, das wäre ja langweilig.“

Bis zu 5000 Meter hoch lag die Strecke, die er in zwei Tagen bewältigte. „Wenn ich ausgestiegen bin, um Fotos zu machen oder die Scheibenwischer von Eis zu befreien, habe ich gewankt wie ein Betrunkener. Den Sauerstoffmangel merkt man sofort.“ Trotzdem machte Aulich einen Abstecher zum Basislager des 7134 Meter hohen Pik Lenin. „Das ist Adrenalin, das ist Thrill. Es hat Spaß gemacht. Für Kreuzfahrten bin ich noch zu jung.“

Dann ging es durchs wilde Kirgistan („Ich habe noch nie so viele Pferdeherden gesehen“), den Norden Kasachstans fand Aulich nicht so spannend („Wüste oder Steppe. Oder beides. Und immer Wind“), den Süden liebte er wegen des unendliches Grüns und der absoluten Ruhe. Fahren war auf der gesamten Strecke anstrengend. „Dirty Roads“, schmutzige Straßen führen durch die Länder Asiens. „Schlaglöcher so groß wie Gullydeckel“, klagt Aulich, der sich zuvor schon im Iran in einem trocken geglaubten Flusslauf festgefahren hatte. „Bei 40 Grad und unerträglicher Luftfeuchtigkeit wäre ich fast kollabiert.“

Probleme gab es aber auch mit der „Bürokratistan“. Weil ein wichtiges Dokument in seinen Unterlagen fehlte, musste der Hannoveraner einen Abstecher zur usbekischen Grenze machen, zusammen mit Dolmetscher und Rechtsanwalt um einen Stempel kämpfen. „Das hat mich einen Tag gekostet.“

Über Russland, Ukraine und Polen ging es zurück nach Deutschland. „Ich wollte ja zum Schützenfest wieder da sein“, sagt der Gründer des Brauhaus Ernst-August, der den Lieben daheim nur alle zwei Wochen ein Lebenszeichen sendete. Jetzt ist er wieder hier, reist aber bereits dieses Wochenende zu einem Globetrotter-Treffen. „Es ist inspirierend, was diese Weltenbummler berichten.“

Aulich hat selber Pläne: „Sibirien steht ganz oben auf meiner Liste. China auch“, sagt er. Wieder mit dem alten Mercedes, der jetzt etwa 300 000 Kilometer auf dem Buckel hat? „Nein“, sagt der Abenteurer und lacht: „Das Auto kommt ins Museum!“

Andrea Tratner

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