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VERSTEHEN SICH: Andora (links) und Harald Layenberger.

VERSTEHEN SICH: Andora (links) und Harald Layenberger.
© privat

Kunst

Pop-Art-Künstler Andora: Seine Rettung ist die Provinz

Seine Bilder waren immer noch bunt, sein Leben aber grau: Pop-Art-Künstler Andora (59) steckte in der Krise. Der Rettungsanker: Unternehmer Harald Layenberger (60) holte den schrägen Künstler in die pfälzische Provinz, stellte ihm in seiner Firma ein Atelier zur Verfügung. Der NP erzählten die beiden Männer, wie es zu der ungewöhnlichen Kooperation – und einer Freundschaft kam.

Rodenbach. Hannover, Hamburg, Wien, Berlin und New York – das sind die Stationen von Pop-Art-Künstler Andora (59), der es eigentlich immer schön groß brauchte. So groß, dass er auch schon mal eine russische Rakete be­malte und seine Kunst auf die Reise um die Erde ge­schickt hat. Doch plötzlich ist alles anders. Andora ist geerdet, auf eine ganz be­sondere Weise – und glücklich in der Provinz von Rheinland-Pfalz gelandet.

In Rodenbach, abseits der großen Metropolen und irgendwo im Funkloch zwischen Kaiserslautern und der US-Air-Base in Ramstein, findet der Meister der bunten Bilder mit den besonderen Botschaften wieder zu sich – und nach einer langen Krisenphase auch wieder zu seiner Kunst. Der Mann, der ihm dabei geholfen hat, heißt Harald Layenberger (60), Chef der Layenberger-Gruppe, die Nahrungsergänzungsmittel für Sportler oder auch Diätprodukte herstellt.

Diese Zusammenarbeit ist einzigartig

Andora hat in dessen Un­ternehmenszentrale in Ro­denbach jetzt einen festen Platz, der Künstler sagt selbst: „Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass ein Künstler ein festes Atelier in einer Firma hat und dort frei und ohne Einschränkungen arbeiten kann.“ Man könnte auch sagen, die Firma Layenberger zeichnet sich in diesen Tagen durch eine besondere Unternehmenskultur aus.

Kennengelernt haben sich ihr Chef und Andora in einer Loge im Stadion des Kult-Zweitligisten Union Berlin. Layenberger ist Hauptsponsor, der Pop-Art-Künstler einer der enthusiastischen Fans. Er sei hier auf die Kunst von Andora aufmerksam geworden, habe den Künstler wenig später kennengelernt – und sich gewundert, dass die kraftvollen Bilder nicht so richtig mit dem Auftreten des Künstlers übereinstimmten. Der steckte damals nämlich in einer endlosen und kräftezehrenden juristischen Auseinandersetzung mit seinem Ex-Management um die Rechte an seiner eigenen Kunst. Außerdem hatte er sich zuvor über einen langen Zeitraum in Hannover um seine partnerschaftliche Unterstützerin Gabi Fürst gekümmert – bis sie vor wenigen Monaten ihrem Krebsleiden erlag.

„Als ich ihn gesehen habe, war mir klar: Der Mann hat nicht mehr genug Power“, so Layenberger. „Ich hab ihm gesagt: ‚Du musst hier raus, bekommst von uns die Unterstützung, die du brauchst. Und am Ende machen wir eine Ausstellung, die Teil der Feiern um unseren Umzug in die neue Unternehmenszentrale wird.’“

Andora ist der Magnet für die Mitarbeiter

Der Umzug ist für Ende Oktober geplant, groß gefeiert wird aber erst im März 2018 – auch mit Andoras Vernissage. Bis Oktober hat Andora sein Atelier noch in den alten Räumen. „Er bleibt aber wahrscheinlich noch länger bei uns und zieht mit uns um“, hofft Layenberger.

Mit seiner rettenden Idee für den Pop-Art-Künstler ist der Unternehmer zufrieden: „Der verrückte Künstler und die verrückte Kunst passen wieder zusammen, er kommt wieder auf die Beine. Und für mich ist er auch ein bisschen zum Freund geworden.“ Dabei sei ihm immer auch bewusst gewesen, dass er ein Risiko eingegangen ist: „Das hätte auch völlig in die Hose gehen können. Aber es ist optimal gelaufen. Die Mitarbeiter nehmen ihn an, eigentlich schaut ständig je­mand in den Pausen bei Andora vorbei.“

„Es ist die Stunde null für Andora“

Der Erfolg des Projektes lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: 30 großformatige Bilder habe er seit September bereits in Rodenbach geschaffen, sagt Andora. „Vielleicht kann diese Ge­schichte ein Vorbild sein für andere Unternehmer, die Kunst fördern wollen“, meint er. Für ihn persönlich stellt es noch viel mehr dar: „Es ist die Stunde null für Andora.“

Von Zoran Pantic