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TOLLES ENSEMBLE: Nadolny mit den Kollegen Andreas Werth, Michael Schanze, Werner H. Schuster (von links).© Peter Bocklage

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Porträt

Petra Nadolnys sechs Gesichter

Sie schlüpft gerne in verschiedene Rollen: „Switch Reloaded“-Star Petra Nadolny (56) hat in der Komödie „Ein Herz aus Schokolade“ im Theater am Aegi ab Donnerstag viel zu tun - sie spielt sechs Frauen!

Ihre Vorstellungskraft ist so ausgeprägt, so präzise, dass es Petra Nadolny (56) schon mal die Laune verhageln kann, wenn sie einen Film guckt, zu dem sie vorher das Buch gelesen hat. „‚Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins’ konnte ich echt nicht zu Ende gucken, so unerträglich fand ich das“, sagt die Schauspielerin im Gespräch mit der NP und lacht. Sie hatte sich eben ein ganz anderes Bild von Tomáš, der Hauptfigur aus Milan Kunderas (87) Roman, gemacht, ihm in ihrer Phantasie einen ganz anderen Charakter eingehaucht.

Figuren ganz besondere Wesenszüge verleihen, das ist wahrscheinlich eins der größten Talente der 56-Jährigen. Wer erinnert sich nicht an ihre grandiosen Parodien in „Switch“ und „Switch reloaded“? In mehr als 100 Rollen (Frauke Ludowig, Nina Hagen, Veronica Ferres, Ursula von der Leyen, Elke Heidenreich) ist sie in der Comedysendung bei Pro7 geschlüpft, gewann dafür mit dem Schauspiel-Ensemble mehrfach den Deutschen Comedypreis und einen Grimme-Preis.

Kein Wunder, dass sie da für das Theaterstück „Ein Herz aus Schokolade“ mehr als prädestiniert ist: „Ich spiele sechs Frauen - Manon, Charlotte, Jaqueline, Isabelle, Tatjana, Sophie. Da ist alles dabei - von der naiven Bäuerin, der liebenswerten Esoterik-Tante, einer sehr harten Frau mit fast schon militärischem Ton bis zur russischen Domina Tatjana“, sagt sie über ihre Rollen in der Komödie, mit der Nadolny ab Donnerstag bei uns im Theater am Aegi spielt. „Ich gebe mir dann quasi die Klinke selbst in die Hand, so schnell muss ich als nächste Figur auf die Bühne kommen.“

Wie gelingt ihr das? „Es ist nicht der große Kostümwechsel, der es ausmacht“, erläutert die Schauspielerin, „sondern vielmehr eine andere Haltung, Stimme, Mimik und vor allem Innerlichkeit, die ich diesen so unterschiedlichen Frauen gebe.“ Man könnte sagen, sie werde eins mit dem Charakter. „Bei mir entsteht schon beim Drehbuchlesen ein Bild im Kopf. Und wenn ich schnell einen Zugang zu dieser Figur bekomme, dann könnte ich darin den ganzen Tag durch Hannover laufen. Die Geschichte dafür spinne ich mir zusammen“, sagt sie. Nur eins würde sie nie tun: „Für einen Gag die Figur auf der Bühne verraten.“

Mit Michael Schanze (69, spielt Chocolatier Henri Ledoux), Andreas Werth (38, als Pascal Gaspard) und Werner H. Schuster (61, Louis Margaux) steht Nadolny mit „Ein Herz aus Schokolade“ schon länger auf der Bühne: „Wir haben uns gut eingegroovt.“ Nun spielt das Ensemble in Hannover. „Ich freue mich schon riesig auf das Haus und bin wirklich gespannt“, verrät die Künstlerin. „Mir haben Schauspielkollegen schon so viel davon erzählt.“ Vielleicht hat sie dann ja auch noch etwas Zeit, sich die Landeshauptstadt etwas genauer anzugucken, „Hannover kenne ich bislang eigentlich nur von Kurzaufenthalten.“

17. und 18. November ab 20 Uhr, 19. November ab 16 und 20 Uhr im Theater am Aegi. Karten kosten 31 bis 40 Euro.

NPVISITENKARTE

Geboren am 11. Januar 1960 in Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern). Sie studiert Diplom-Journalismus an der Uni Leipzig, arbeitet im Anschluss als Redakteurin beim Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel. 1988 reist sie aus der DDR aus und gründet in Nordrhein-Westfalen die freien Theatergruppen „Theater 1+1“ sowie „EWG Böttcher“ und „Brut de luxe“. 1997 gelingt ihr mit „Switch“ der Durchbruch im Fernsehen. Am Donnerstag läuft auch der neue Kinofilm „Radio Heimat“ an, in dem sie eine Lehrerin spielt. Nadolny hat eine Tochter (31), mit ihrem Partner lebt sie in Köln und Wipperfürth, „da wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, stehe ich auf dem Berg und winke“. Reisen (gerne mit dem Rucksack durch Asien) sind ihr große Leidenschaft. www.petra-nadolny.de


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