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BLICK DURCH DIE BRILLE: Die Figur Paul Panzer ist liebenswert durch eine gewisse Naivität. Dahinter steckt Comedian Dieter Tappert.

BLICK DURCH DIE BRILLE: Die Figur Paul Panzer ist liebenswert durch eine gewisse Naivität. Dahinter steckt Comedian Dieter Tappert.© Georg Wendt

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Interview

Paul Panzer ist eigentlich Indiana Jones

„Paul Panzer, ich begrüße Sie!“ Mit diesem Satz hat der Comedian jahrelang seine Telefonstreiche eingeleitet. Am 28. Oktober kämpft er in Hannover gegen die „Invasion der Verrückten“. Die NP sprach mit ihm über Pril-Blumen, lange Autofahrten und Dieter Tappert.

Herr Panzer, wie verrückt muss man sein, innerhalb einer Tour 175-mal aufzutreten?

Jaaaa, das ist eine gute investigative Frage (überlegt). Das, was ich mache, tu ich ja gerne. Fernsehen ist ja ganz nett, einen Film drehen auch, Radio macht Spaß. Es gibt mittlerweile so viele Leute auf der Bühne, für die das Arbeit ist. Ich mache das aus Liebe. Und keiner redet mir rein.

Wie meinen Sie das?

Na, es gibt die Crew, die Fans und mich. Da ist kein Produzent dazwischen, der unbedingt etwas anders machen will. Es ist ein bisschen wie auf der Kirmes. Wir kommen an, die Crew baut bis nachmittags auf, dann kommt der Künstler - tääädää -, dann wird wieder abgebaut. Da muss man schon ein Team auf Augenhöhe sein, damit das so gut funktioniert.

Wie schaffen Sie das körperlich?

Also das Anstrengendste für mich sind die Autofahrten. Erst gehts hoch nach Kiel, dann wieder irgendwohin runter. Da weißt du irgendwann nicht mehr, wie du dich hinsetzen sollst. Deswegen bin ich auf die lustige Idee gekommen, meinen Flugschein zu machen. So fliege ich manchmal von A nach B, das Fliegen ist meine zweite große Liebe.

Vor kurzem ging es Ihnen ja nicht so gut, oder? Der Auftritt in Paderborn wurde abgesagt ...

So was hatte ich vor acht Jahren zum letzten Mal, dass ich etwas Falsches gegessen habe. Um 17 Uhr hatten wir Hunger, eine Pizzamann-Karte kreiste, ich hatte Bock auf Pommes mit Mayo ... Langsam geht es aber wieder.

Wie verrückt gehts in Ihrem neuen Programm zu?

Eigentlich ist es ja das Leben, das verrückt ist. Ich stelle die These auf „Einen Dachschaden haben alle“. Aber bei wem regnet es schon rein? Man hat es ja nicht leicht im Leben: Wir sind zivilisationskrank, haben „Björn out“, jeder Fünfte ist depressiv. Die einzige Invasion sind wir Menschen, die kommt nicht aus dem Weltall. Wenn ein Tier so wäre wie wir Menschen, würde es erschossen werden - wegen Tollwut.

Wenn das nicht schon mal ganz gut ist für Ihre Show ...

Ich kann nichts anderes, außer Quatsch machen (lacht).

Doch: schweißen! Das haben Sie ja mal gelernt.

Witzigerweise bin ich gerade in einer kleinen alten Backsteinhalle. Ich wollte mal wieder irgendwas bauen, vor allem wollte ich schon immer mal Stühle bauen. Mittlerweile sind es 80 retromäßig bunte Metallstühle geworden.

Wie crazy finden Sie eigentlich Hannover?

Nicht crazier als andere Städte. Ich mag Hannover total gerne, war da sogar oft feiern. Und der Olli, mein Lichtmann, der kommt aus Hannover und ist totaler 96-Fan. Das habe ich in Braunschweig auf der Bühne erzählt, und die Halle ging richtig steil. Können Sie bei sich in der Zeitung nicht schreiben, dass der Olli totaler Braunschweig-Fan ist? Ja? Bitte!

Zu uns kommen Sie dann aber auch bitte in diesem Pril-Blumen-Hemd. Wie viele haben Sie davon schon verschlissen?

In all den Jahren? Vielleicht 50. Aber die kann man ja waschen. Und die sind so gut, dass wir sie auch verkaufen (lacht). Und solche Shorts auch.

Was macht Paul Panzer eigentlich aus?

Paul ist beschränkt. Also in seinen Möglichkeiten, weil er so ist, wie er ist. Auf den ersten Blick ein Spießer, der von seinem Horizont aber völlig open-minded ist. Eigentlich ist er ein Indiana Jones.

Sie verheimlichen wenigstens nicht, dass Sie im echten Leben Dieter Tappert sind.

Wieso sollte ich? Das ist ja ein Teil von mir. Der Dieter könnte wahrscheinlich auch locker ohne das Berühmtsein leben. Ich bin bekennender DMAX-Gucker und könnte in Alaska leben. Kaya Yanar, er ist ein guter Freund, findet übrigens, dass Dieter ja viel lustiger ist als Paul.

Schon mal mit Horst Tappert verwechselt worden?

Nein. Das würde höchstens passieren, wenn ich ein paar Tage nicht geschlafen hätte. Wegen der Tränensäcke und so.

28. Oktober ab 20 Uhr, Swiss-Life-Hall (Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg), Karten kosten 35,30 Euro.

Tickets gibts in den NP-Ticket-Shops, unter Telefon 0511/12 12 33 33 oder www.neuepresse.de/tickets

NPVISITENKARTE

Geboren am 8. Januar 1972 in Düren (Nordrhein-Westfalen) als Dieter Tappert. Er lernt Schweißer und studiert danach Musik- und Medienpädagogik. Vor 14 Jahren erfindet er die Figur Paul Panzer. 2005 schafft er es vom Telefonstreiche-Paul auf die Stand-up-Comedy-Bühnen, im Jahr drauf ist er mit seiner eigenen Show bei RTL zu sehen. Im selben Jahr wird er mit dem Deutschen Comedypreis (Bester Newcomer) ausgezeichnet. Das erste Mal tritt er im Kinofilm „Männersache“ mit seinem bürgerlichen Namen auf, das Drehbuch hat er mit Mario Barth (43) geschrieben. 2011 macht er mit Comedian-Kollege und Freund Kaya Yanar (43) die Sendung „Stars bei der Arbeit“, später dann allein. Er ist verheiratet und hat einen Sohn. Der Comedian besitzt einen Flugschein, werkelt gern in seiner Metallwerkstatt und spielt Gitarre und Klavier. www.paulpanzer.de


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