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Am Platz der Göttinger Sieben: Patrick Bach bei seinem Bummel durch Hannover – der Schauspieler tritt vom 5. bis 7. Oktober im Theater am Aegi auf.

Am Platz der Göttinger Sieben: Patrick Bach bei seinem Bummel durch Hannover – der Schauspieler tritt vom 5. bis 7. Oktober im Theater am Aegi auf.
© Rainer Dröse

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Patrick Bach macht Theater in Hannover

Er war umschwärmter Kinderstar und der ultimative Mädchenschwarm der 80er Jahre – aber auch heute ist Patrick Bach (49) noch in zahlreichen TV-Rollen zu sehen. Nun traut sich der „Silas“-Darsteller auf die Theaterbühne, spielt im Theater am Aegi in dem Gastspiel „Frühschicht bei Tiffany“ mit. Die NP begleitete den Schauspieler bei einem Bummel durch Hannover.

Hannover. Logisch, ist er älter geworden. Aber dieses verschmitzte Lachen, das Anfang der 80er Jahre insbesondere Mädels in den ZDF-Weihnachtsserien als „Silas“, „Jack Holborn“ und Rainer Hellwig in „Anna“ um den Verstand brachte, das ist immer noch dasselbe. Größter Wiedererkennungswert – die Zahnlücke! Und die wird Patrick Bach (49) drei Tage bei uns in der Stadt zeigen: Der Kinderstar von einst steht im Theater am Aegi auf der Bühne.

„Ich bin ja eigentlich so eine Film- und Fernsehnase“, gesteht der 49-Jährige beim Treffen mit der NP in der Markthalle. „Lange habe ich mich geziert, Theater zu spielen, hatte echt furchtbare Manschetten.“ Es sei eben ein Unterschied, ob man sich einfach so auf die Bühne stellt oder von der Schauspielschule kommt. Florian Battermann (43) hatte da aber ganz offensichtlich gar keine Zweifel, dass Bach das packt – der Chef der Komödie im Theater am Aegi verpflichtete den Schauspieler für seine Inszenierung von „Frühschicht bei Tiffany“.

Ganz unerfahren ist Bach auf den Theaterbrettern aber nicht: Mit Herbert Hermann (76) und Nora von Collande (59) stand der zweifache Vater in „Die Hochzeitsreise“ bereits auf der Bühne. Das wichtigste für Bach war in der Vergangenheit vor allem eins – die Familie. „Ich wollte nie riskieren, dass meine Kinder irgendwann 20 sind und ich sage: Schade, dass ich nie da war“, gesteht der Vater von Lucca (15) und Sienna Amelie (12). Der Schauspiel-Job ist grenzwertig, „es kann nicht sein, dass die Frau so viel mit den Kids allein zu Hause ist.“ Da Bach sein Berufsleben auf mehrere Säulen (Synchronsprecher, Synchronregie, Lesungen) gestellt hat, musste Carola Bach (48) das auch nicht sein. Das Paar ist seit 23 Jahren zusammen, sie leben in Hamburgs ländlichem Stadtteil Duvenstedt.

Nach Hannover ist es da zwar nicht weit, „trotzdem kenne ich die Stadt eigentlich gar nicht. Ich war mal auf der Messe, aber das war es dann auch schon.“ Wird Zeit, dass sich der 49-Jährige genauer umschaut, es gibt ja genug schöne Ecken. Sollte er mit seinem Auto unterwegs sein, muss er schauen, wo wir hier E-Ladestation haben: Bach fährt nämlich ein Elektroauto. „Ich habe den Fehler gemacht, mal eine Probefahrt zu machen“, sagt er mit Blick auf seinen Tesla, Model S (zu haben ab etwa 70 000 Euro, Wartezeit drei Monate). „Eigentlich bin ich der totale Motorradfetischist, meins macht so viel Krach, das kann man gar nicht lautlos fahren.“ Nun cruist er ganz still durch die Straßen, aber mit ordentlich Bumms unter der Motorhaube – die NP hat in dem Schauspielerwagen für eine kurze Spritztour Platz auf dem Beifahrersitz genommen – wow! „Mit dem Wagen habe ich gar kein Bedürfnis, schnell zu fahren“, betont Bach . „Ich könnte es aber“, ergänzt er grinsend und tippt das Gaspedal kurz so an, dass es einen in die schicken Ledersitze presst.

Jedenfalls ist er ganz verknallt in sein neues Auto. Nun ist er zu Hause derjenige, der freiwillig ein paar Erledigungen mehr erledigt, „aber nicht. weil ich unbedingt das Shampoo besorgen will.“ Zu der Fahrfreude kommt bei ihm der Sinn für die Umwelt, die Familie hat auch eine Solaranlage auf dem Dach: „Wir müssen alle unseren Teil beitragen.“

Das hat der Mädchenschwarm von einst übrigens vor einem Jahr in Sachen Fernsehlandschaft getan, er hat sie nämlich offen kritisiert! „Mich nervt unter anderem die immer gleiche Typ-Besetzung“, erklärt Bach. In dem Zusammenhang hatte er den Namen Matthias Schweighöfer (36) genannt. „Ich meinte ihn nicht persönlich, es geht nicht gegen Kollegen. Ich hätte auch Thomas Mustermann sagen können.“ Ihm geht es um die Abwechslung, „die Zuschauer würden sich über Schauspieler von früher oder ganz frische von der Schauspielschule freuen. Das höre ich immer wieder.“

Auch deshalb nutzt Bach längst Streamingdienste wie die von Netflix und Amazon, um sich bespaßen zu lassen. „Fernsehen hat sich in vielerlei Hinsicht verändert: Früher ging es um Freundschaft, Gefühle, Liebe, die Natur, um Grundwerte eben. Filme und Serien waren nicht überladen mit technischen Effekten und schnellen Schnitten. Da hat man anderthalb Minuten einen reitenden Jungen gezeigt“, spielt er auf seine Rolle als Silas an. „Heute bekommt man schon Probleme zu erkennen, welche Farbe das Pferd hatte.“ Sein Appell: Einfach mal entschleunigen.. Warum nicht gleich nächste Woche im Theater?!

Von Mirjana Cvjetkovic