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Mensch-Hannover Palo Palo: Ferry machte den Montag zum Partyevent
Menschen Mensch-Hannover Palo Palo: Ferry machte den Montag zum Partyevent
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00:17 08.01.2018
Ferry Ghods freut sich auf Montag - dann wird im Palo Palo gefeiert.  Quelle: Florian Petrow
Hannover

Am ersten Abend kam ein Gast, am zweiten waren es vier. „Aber nach einem halben Jahr hatte es sich rumgesprochen, dass man montags im Palo gut feiern konnte“ – so erinnert sich Ferry Ghods (49) an den Beginn einer Erfolgsgeschichte von Hannovers Nachtleben.

Er studierte Ende der 80er Jahre Design und Kunst, jobbte nebenbei in Kneipen und Clubs und musste sich als DJ erst einmal beweisen. „Als ich den Palo-Betreibern sagte, dass ich auflegen will, boten sie mir nur den Job als Türsteher an, aber dafür war ich eigentlich nicht muskulös genug“, erzählt er und lacht. Doch schließlich bekam er seine Chance, „nur hatte den Montag anfangs niemand als Ausgehtag auf der Rechnung.“ Das änderte Ghods. Der Plattensammler spielte Funk, Soul, indische und afrikanische Musik und Raritäten wie „Forever in my Life“ von Prince. Das zog Barfußtänzer und weitere Szenegänger, die dienstags ausschlafen konnten, an, aber auch Remixer Mousse T. (51) und die anderen Jungs vom Peppermint Park. Aus dem Geheimtipp wurde ein Pflichttermin für Hannovers Nachtschwärmer.

Dann folgte die zweite Chance. „Als die Betreiber mich fragten, ob ich den Club übernehmen will, rief ich sofort meinen Kumpel Kasi an“, erinnert sich Ghods. Kasi Hashemi (53) jobbte damals im Palo an der Bar, „ich schlug ihm vor: Du machst Getränke, ich mache Musik.“ Ohne Kapital und Businessplan, aber mit viel Leidenschaft startete das Duo durch. „Ich wundere mich immer noch, dass wir ein Darlehen von der Bank bekamen“, sagt Ghods, „aber unserem Berater gefiel, was wir vorhatten.“

Und vielen anderen auch. Thorsten Wingenfelder (51) von Fury brachte Bela B. (55) von den Ärzten mit, die Fantastischen Vier und Simply Red feierten nach ihren Auftritten am Raschplatz weiter, die Acid-Jazz-Band Jamiroquai kam zur Aftershowparty vorbei, „das war eine super Session bis in den frühen Morgen“, schwärmt Ghods. Die Zeiten waren wild, chaotisch, aufregend. „Es war fantastisch, wie offen die Leute für Neues waren“, findet der 49-Jährige im Rückblick. „Wenn ich unbekannte Songs auflegte, war die Tanzfläche voll. Heute halten die Leute den DJs bloß ihre Playlist aus dem Handy vor die Nase und wollen Mainstream hören“, sagt Ghods, dem das Experimentelle, Individuelle von damals fehlt: „Wenn ich ich die Augen zumache, weiß ich doch gar nicht mehr, in welchem Club ich gerade stehe.“

Mehr Vielfalt in die Szene brachten Ghods und Hashemi, als sie 2012 das „Monkeys“ am Raschplatz eröffneten. Das Palo Palo übergaben sie vor drei Jahren an Marlon Melzer (39) und Martin Polomka (36) von der Agentur Trend ID. „Wir haben den Weg für junge Leute frei gemacht“, so Ghods, der aber stiller Teilhaber des Clubs geblieben ist, in dem seine DJ-Karriere begann.

30 Jahre, wie fühlt sich das an? „Es ist der Hammer“, sagt Ghods und lacht, „aber auch Mist – da weiß man genau, wie alt man ist.“

Von Julia Braun

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