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Eigentlich ist Lars Oppermann Musikproduzent und Musiker, aber vom Filmemachen kann er die Finger auch nicht lassen. Für seinen Kinofilm „Los Veganeros“ (soll im März 2015 in die Kinos kommen) sind auch Szenen am Maschteich
entstanden.© Dröse

Kino

Oppermanns Film ist ein veganes Statement

Wie kann man Leuten vegane Ernährungsweise näher bringen, ohne ein Besserwisser mit erhobenem Zeigefinger zu sein? Für Produzent und Veganer Lars Oppermann (41) eine klare Angelegenheit – er dreht einfach die Actionkomödie „Los Veganeros“.

Hannover. Ein krasses Youtube-Video hat das Leben von Lars Oppermann (41) komplett umgekrempelt – zumindest essenstechnisch. In dem Video ging es um Massentierhaltung und die Verarbeitung in der Fleischindustrie. „Das hat mich eiskalt erwischt“, sagt der Produzent heute, „nach fünf Minuten habe ich mich geschämt, ein Teil dieses Konsums zu sein.“ Das war vor drei Jahren. Danach war Oppermann ein Jahr nur noch als Vegetarier unterwegs, seit zwei Jahren lebt er vegan. „Vorher habe ich keinen Bogen um Dönerläden gemacht.“
Jetzt verfilmt der zweifache Vater seine Ansichten zum Veganismus, „aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Ich will die Leute anders aufklären.“ Deshalb soll es ein Kinofilm, „Los Veganeros“, werden, einer mit lustigen Inhalten, eine Actionkomödie. „Aber auch ein Film, der aufzeigt, wie vielfältig vegane Ernährung sein kann.“
Die Geschichte – eigentlich sind es sogar zwei: Eine Omi, so um die 90 Jahre, ist stinkreich, hat aber keine körperlichen Kapazitäten mehr. Deswegen castet sie junge Leute, die ihre Idee umsetzen sollen. Sie sucht Aktivisten, die etwa Geschäftsführer von Dönerläden bestechen sollen, nur noch Veggie-Döner anzubieten. Und dann gibt es noch die Liebesgeschichte am Rande: Rosalie Wolff (31, „SOKO Köln“, „Verbotene Liebe“) spielt Vicky, die ist Veganerin. Liiert ist sie mit Matt (gespielt von Nils Brunkhorst, 38, „Verbotene Liebe“), ein passionierter Fleischfresser. Da sind die Probleme programmiert – nicht nur am Küchentisch. Die Profis waren so begeistert vom Drehbuch, dass sie unbedingt dabei sein wollten – ohne Gage!
Gestern wurde der Streifen abgedreht, das Team um Oppermann war in Hannover (Wedekindplatz, Lindener Markt), dem Knast in Sehnde und in einem Krankenhaus unterwegs, außerdem sind Szenen in Algermissen entstanden. Da lebt der Filmemacher mit seiner Frau Anne (36, mit ihr hatte er einst in Linden eine WG) und den zwei Söhnen (7, 4). Einige bekannte Gesichter aus Hannover wird man entdecken, auch Mucker Osssy Pfeiffer (44) hat in „Los Veganeros“ eine kleine Rolle ergattert. Ulas Kilic (38) ist da schon eine andere Hausnummer, sein Gesicht kennt man aus dem Fernsehen längst.
Lustig, dass Oppermann überhaupt Filme macht – eigentlich kommt der gebürtiger Einbecker aus der Musikbranche: Er war als Gitarrist der Band „Eat no Fish“ unterwegs, „ich habe vier Jahre alles auf eine Karte gesetzt.“ Kein leichtes Unterfangen, „wenn man aus dem Proberaum plötzlich auf die große Bühne kommt, muss man das auch erst mal verdauen.“ Er schmiss hin, ließ sich auszahlen, kaufte ein Studio. Mittlerweile produziert Oppermann Bands.
Seinen Wechsel zum veganen Leben hat er längst verdaut, ziemlich gut sogar: „Wir konnten anfangs gar nicht so viel essen, wie wir gekocht haben“, erzählt der 41-Jährige. „Veganes Kochen ist nicht nur eine Bereicherung, sondern ein Statement. Und für den Gaumen ist es der Hammer!“ Sein Ziel ist es, Menschen aus ihrer Bequemlichkeit rauszuholen, „ich esse ja auch nicht nur Möhrchen und trinke Wasser.“ Auch wenn in Hannover das Angebot für Veganer längst nicht so groß ist wie beispielsweise in Berlin, „bekommt man sehr wohl alles das, was man möchte.“ Wenn er Musikbands seine vegane Lasagne im Studio auftischt, „merken die es nicht mal. Außer, ich erzähle es.“
Jetzt erholt sich Oppermann nach den anstrengenden Drehtagen (bis zu 17 Stunden am Tag) und fährt mit der Familie nach Frankreich zum Wellenreiten – „Akku aufladen.“
Danach warten 50 Stunden Rohmaterial, die auf die Länge eines 90-Minüters gebracht werden müssen. Die Filmmusik macht er selbst, im März kommt sein Film in die Kinos. „Ich hoffe, dass er deutschlandweit läuft.“
Könnte klappen: Bei gut fünf Millionen Vegetariern und einer Million Veganern im Lande wäre jedenfalls ausreichend Zielpublikum da!