Navigation:

© Joachim Sielski

|
Jubiläum

Opa Wucherpfennig wird 90 Jahre alt!

In seiner aktiven Kaufmannszeit galt er als zukunftsorientiert und innovativ: Werner Wucherpfennig hat seine Lebensmittelmärkte geprägt und zum Traditionsunternehmen gemacht. Heute wird er 90 Jahre alt. Die NP besuchte ihn in der Oststadt.

Hannover. Gut, er läuft an einem Rollator. Aber der hindert ihn ja keineswegs daran, mobil zu sein. Jeden Dienstag fährt er etwa noch zum Schwimmen nach Hemmendorf. So wie er es mit seiner Frau Gerda († 87) früher auch immer getan hat: „Und manchmal gehe ich auch noch in unsere Märkte und gucke dort mal rund.“ Werner Wucherpfennig schmunzelt. Das tut er nicht nur, weil er heute 90. Geburtstag feiert. Auch die NP gratuliert dem pensionierten Unternehmer von Herzen!

Mal rundgucken - so nennt der „Denker und Lenker“ der Familie Wucherpfennig das also. Denn auch wenn er längst pensioniert ist (übergab fünf Geschäfte 1980 an seine Söhne Volker, heute 64, und Wolfgang, heute 62), ist Opa Wucherpfennig, wie ihn die Familie liebevoll nennt, immer noch interessiert, wie sich sein Erbe entwickelt. „Wenn es was zu meckern gibt, dann sage ich das nicht dem Filialleiter. Dann rufe ich gleich meine Enkel an“, erzählt der Jubilar in seiner Wohnung an der Yorckstraße.

Stefan (39) und sein Cousin Thorsten Wucherpfennig (40, führen die Geschäfte seit 2014) müssen sich es dann anhören, wenn Opa matschige Pfirsiche im Obstregal entdeckt hat oder ein Verkäufer nur „im dritten Gang auf der rechten Seite“ antwortet, anstatt den Kunden, der gerade Salz sucht, bis zu den Gewürzen zu begleiten. „Ein bisschen Ahnung hat man ja noch“, betont der 90-Jährige - und das darf er auch. Schließlich ist er es einst gewesen, der als Erster eine Tiefkühltruhe im Laden und auf Selbstbedienung umgestellt hatte. „Tiefkühlkost, das war damals unvorstellbar“, erinnert sich Wucherpfennig, nicht nur, weil die Investition ein Vermögen gekostet hatte, „meine Frau musste extra einen Kursus belegen, um mit Tiefkühlware umgehen zu können“. Etwas zu verändern, hat ihn nie abgeschreckt, auch wenn er geschäftlich große Risiken eingegangen ist. „Wir haben sehr viel gearbeitet“, erinnert sich der Mann mit den wachen Augen an die Zeit, in der er und seine Frau die Firma vergrößert haben. Urlaube waren zwar drin - es ging vier Wochen mit den Kindern nach Grömitz an die Ostsee -, aber auch die Zeit haben sie sich aufgeteilt, „sie zwei Wochen, ich zwei Wochen“. Zusammen mit ihr hat er aber am liebsten gearbeitet: „Ich war nie gut in Kundengesprächen, das konnte meine Frau viel besser.“ Dafür ist er morgens früh aufgestanden und auf den Großmarkt nach Bornum gefahren - „je nach Saison habe ich den Bauern aus der Region Kohl, Champignons und Blumen abgekauft“.

Apropos saisonal, während des NP-Gesprächs bringt ihm Haushälterin Edeltraut Baytcher (61) einen frisch gemixten Vitaminsaft, je nach Jahreszeit sind Kiwis, Orangen, Möhren, Äpfel und Weintrauben drin. „Mit 15 hat sie bei uns als Verkäuferin angefangen“, freut sich Wucherpfennig über die treue Seele. „Und heute pflege ich meinen Chef“, sagt sie und lacht.

Werner Wucherpfennig freut sich über diese Harmonie, „vor allem bin ich dankbar, dass die Familie mit den Geschäften mitgezogen ist“. So eine Tradition findet sich eben nicht mehr allzu oft. Was seine Nachkommen sich für ihn und den heutigen Tag ausgedacht haben, haben sie ihm im Vorfeld nicht verraten. Das machen wir an dieser Stelle auch nicht - es soll ja schließlich eine Überraschung werden.