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GENIALES TRIO: Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck und Jens Wawrcek (von links) sind seit 35 Jahren die Stimmen der „Drei ???“ und ermitteln in Rocky Beach. Rohrbeck hat sich mit der Lauscherlounge im Hörspielbereich einen Namen gemacht.© Christian Zehe Europa

Interview

Oliver Rohrbeck: Als Justus Jonas ist er für immer 18

Er ist für viele Erwachsene die Stimme ihrer Kindheit: Oliver Rohrbeck (51) leiht seit 182 Folgen Justus Jonas von den „Drei ????“ die Stimme. Mit seiner Lauscherlounge macht er außerdem auf Schloss Marienhof Kino für die Ohren: „Jack the Ripper“ Freitag ist ausverkauft, aber es gibt bereits Karten für 2017. Und am 8. September gibt Rohrbeck ein Detektiv-Gastspiel im Theater am Aegi.

Freuen Sie sich auf das Ambiente auf Schloss Marienburg?

Ja, das wird großartig! Der Innenhof ist toll, wir haben in den vergangenen Jahren dort auch schon „Dracula“ und „Frankenstein“ gespielt. Bei „Romeo und Julia“ haben wir die berühmte Balkonszene auch mit einem echten Balkon rechts oben inszeniert - der gehörte zu den Räumen des Erbprinzen Ernst August von Hannover. Wir hatten mal eine Führung durch die Gemächer.

Der Erbprinz hat sich verlobt. Wir hoffen nächstes Jahr auf eine royale Hochzeit ...

Oh, da bin ich nicht auf dem Laufenden. Ich weiß nur, dass wir auch für 2017 schon zwei Spieltermine fix gemacht haben auf der Marienburg.

Wie sind sie an das Thema „Jack the Ripper“ herangegangen?

Es eignet sich hervorragend für ein Hörspiel. Der Täter wurde ja nie gefasst, es gab nur jede Menge Spekulationen. Also haben wir viel recherchiert, uns durch Unmengen Material gewühlt - in unserem Stück stecken alle Forschungstheorien drin. Außerdem kann man die Morde akustisch gut darstellen - beim Hörspiel findet das eigentliche Kino ja im Kopf statt. Das Fernsehen liefert zu allem Bilder. Aber wenn diese Bilder mich langweilen, dann zappe ich weg. Beim Hörspiel macht sich jeder seine eigene Variante, bastelt sich seine Figur zu einer Stimme.

Hörspiel boomt. Wie erklären sie sich das?

Hörspiel war nie richtig weg (lacht). Aber es gibt da viele Phänomene. Wer nachts um 23 Uhr Deutschlandfunk-Hörspiele hört, der wird sich keine „Drei ???“-CD einlegen - und umgekehrt. Ich finde es schade, dass es diese Schnittmengen eher nicht gibt. Aber viele Leute lieben die szenische Umsetzung eines Stoffes. Das regt den Geist und die Fantasie unglaublich an.

Warum sind die „Drei???“ immer noch erfolgreich?

Das ist Nostalgie! Die Fans wurden in ihrer Kindheit konditioniert. Wenn Sie krank waren, dann hat Mama früher ein Glas Milch ans Bett gebracht und hat eine neue Folge mit den Abenteuern von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews gekauft. Leute mit solchen Erfahrungen sehen in den „Drei ???“ eine gewisse Qualität und greifen darauf gerne zurück, wenn sie Stress haben. Es soll auch bei vielen immer noch eine tolle Einschlafhilfe sein. Das sich das 35 Jahre gehalten hat, ist natürlich überhaupt nicht zu erklären. Schon gar nicht von mir!

Die Folgen nehmen sie seit der ersten Stunde zusammen mit Heikedine Körting auf ...

... und zwar auf eine ganz altmodische Art mit Bandmaschine! So entsteht ein bestimmter Sound. Und es sind immer alle Sprecher dabei. Sobald ich ein Script lese, in dem der Rollenname Justus Jonas steht, schlüpfe ich in diese Teenagergestalt, fühle mich in die Zeit zurückversetzt - und automatisch klingt meine Stimme wie die eines 18-Jährigen.

Ist es von Vorteil, wenn man wie Sie eine abgeschlossene Schauspielausbildung hat?

Das ist eigentlich eine Voraussetzung. Wir bekommen viele Bewerbungen von Leuten, die glauben, sie haben eine interessante Stimme. Eine Hörspiel-Rolle wird aber nicht nach Stimme besetzt.

Können Sie sich noch an den allerersten Einsatz vor der Kamera erinnern?

Das müsste 1971 bei der „Sesamstraße“ gewesen sein. Synchronrollen kamen dazu, weil sich schnell rumgesprochen hatte, dass da ein Junge ist, der das kann (lacht). Eine spannende Zeit: Für mich war das Studio, wie mit Freunden nachmittags auf den Spielplatz zu gehen oder sich zu verkleiden. Ich durfte ja auch in verschiedene Rollen schlüpfen, das war nicht Arbeit, sondern Freizeit. Und ich durfte mit zehn Jahren alleine im Flieger von Berlin nach Hamburg sitzen. Ohne Namensschildchen und ohne Begleitung von der Stewardess!

Warum stehen Sie nicht öfter vor der Kamera?

Ich habe viel Theater gespielt, war auch in guten Filmen mit Stars wie Jürgen Prochnow dabei. Aber ich habe gemerkt, das ich mehr Verantwortung übernehmen will - und habe mich auf Dialogdrehbücher und Synchronregie konzentriert. Das war interessanter, als als Schauspieler auf Anrufe von Regisseuren zu warten. Abwechslung ist für mich das Wichtigste im Leben. Ich habe gerade die Synchronregie für den neuen „Bourne“-Film gemacht und bei der Premiere Matt Damon kennengelernt. Auch die „Fast & Furious“-Filme haben unglaublich Spaß gemacht. Wenn ein Film im Kino landet, stecke ich schon wieder im nächsten Projekt ...

Können Sie sich noch an alle Synchronrollen erinnern?

Nein, das verdränge ich oft. Es gibt da ja akribisch geführte Listen, die sind unglaublich lang. Ich kann mich auch nicht an jede „Drei ???“-Folge erinnern. Wenn mich Fans auf Details in einer Folge ansprechen, die ich vor 25 Jahren zuletzt gehört habe, dann muss ich passen ...

Sie waren mal Bundessieger im Vorlesewettbewerb?

Lesen ist unglaublich wichtig. Und zwar mehr als nur Schlagwörter beim Durchscrollen von Whatsapp und Facebook.

Was lesen Sie Ihren zwei Töchtern vor?

Mittlerweile nichts mehr, die sind inzwischen 25 und 26 Jahre alt (lacht). Aber früher waren es vor allem Märchen. Später dann Pferderomane.

Haben Sie als St.-Pauli-Fan mit Dauerkarte schon Angst vor Hannover 96?

Im Gegenteil! Ich freue mich, dass die zweite Liga dieses Jahr so stark und spannender als die erste Liga ist. St. Pauli muss sich nicht verstecken. Und 96 wird lernen, dass die zweite Liga manchmal schneller, härter und direkter ist. Allerdings hab ich getippt, dass 96 direkt aufsteigt ...

NPVISITENKARTE

Geboren am 21. März 1965 in Berlin. Seine Mutter leitete eine Kinderagentur, Oliver Rohrbeck übernahm schon früh Rollen vor der Kamera und synchronisierte unter anderem „Pinocchio“ und „Fünf Freunde“. Mit Andreas Fröhlich, mit dem er bis heute 182 Folgen der Kultserie „Drei ???“ sprach, ging er zur Schule. Die Stimme leiht er US-Schauspieler Ben Stiller (50) und Greg German (58, „Ally McBeal“). 2003 gründete er die „Lauscherlounge“ in Berlin, inszeniert Live-Hörspiele.

DIE TERMINE

Freitag spielt die Lauscherlounge „Jack the Ripper“ auf Schloss Marienburg in Pattensen – die Show ist längst ausverkauft. Der Ticketverkauf für 2017 hat aber schon begonnen: Am 26. August ab 20 Uhr gibt es erneut „Jack the Ripper“, am 25. August ab 20 Uhr eine Vorstellung des Live-Hörspiels „Dracula“. Mit dabei sind neben Oliver Rohrbeck auch David Nathan (deutsche Stimme von Johnny Depp) und Detlef Bierstedt (George Clooney). Karten kosten 30 bis 40 Euro.

Wiedersehen mit den „Drei ???“: Am 8. September ab 20 Uhr gastiert Rohrbeck mit der Klassikertour im Theater am Aegi. Als Mitmachhörspiel inszeniert er mit Geräuschemacher Jörg Klinkenberg und dem Publikum „Die gefährliche Erbschaft“. Karten: 18,70 Euro.


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