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MENSCHEN: Bloggerin Ninia Binias.

MENSCHEN: Bloggerin Ninia Binias.© Michael Joos

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Ninia Binias: Bloggerin mit spitzer Zunge

Die einen schreiben Tagebuch, andere bloggen. So wie Ninia Binias. Was die Tochter des Landespolizeipräsidenten in und um Hannover bewegt, kann man im Internet nachlesen. Oder bei einem Poetry-Slam erleben.

Hannover. Sie interessiert sich für Prosa, regt sich über Politik auf, beschäftigt sich mit Feminismus und liebt Fotografie - über all diese Sachen lässt sich Ninia Binias (29) auf ihrer Lieblingsplattform aus: dem Internet.

Die 29-Jährige, die man in der 2.0-Welt als Ninia LaGrande (spielt auf ihre Größe an) wiederfindet, ist wohl eine der bekanntesten Bloggerinnen Hannovers, im Monat hat sie 8000 bis 10000 Klicks auf ihrer Internetseite. „Die Ideen kommen im Alltag“, erzählt die Frau, die neben ihrer Größe („In meinem Pass steht 1,42 Meter“) vor allem wegen ihres Stils auffällt: An der Jeansjacke sind Nieten, um ihr Handgelenk schlingt sich eine knallgelbe Uhr, der Nagellack ist grün, und auf der Nase trägt sie eine markante Brille aus dem Hause Armani. Die Haare sind mal hell, mal dunkel und dann wieder rot. Und die Hülle für ihr Arbeitsgerät, das iPad, ist pink.

Da Binias kleinwüchsig ist, berichtet sie oft von ihrer Behinderung und den Problemen, die sich dadurch auftun. „Geldautomaten sind zum Beispiel so ein Problem. Blöde“, sprudelt es aus ihr heraus, „und die Eistruhe im Supermarkt ist auch so eine Sache.“

Sehr offen geht Binias mit ihrer Geschichte um und weiß sehr wohl, dass sie als Gesamtwerk ankommt. „Ich hätte sonst nicht so eine große Klappe“, sagt sie. Es hat also Vorteile, klein zu sein? „Ich traue mich mehr. Wenn ich normal groß wäre, würden gewisse Dinge auch funktionieren, aber ich würde mich nicht trauen.“

Im Alltag nerven sie vor allem Respektlosigkeiten. Von Kindern? Die können ja richtig fies sein. „Alte Leute aber auch“, weiß Binias, „Kinder gucken - und fragen dann. Teenies gucken auch - und kichern. Aber alte Leute starren. Und das ist richtig schlimm.“ In der Grundschule haben sie ihre Mitschüler für etwas Besonderes gehalten, „für cool und besonders“, ergänzt sie. Und in der Pubertät? „Da hatten ja alle ihre Problemchen. Ich dachte zum Beispiel, dass ich nie einen Freund finden würde.“ Den hat sie aber längst, und der ist 1,80 Meter groß und Lehrer: „Alles kein Problem.“ In ihren Geschichten taucht er übrigens als „Der Mann“ auf.

So präsent, hellwach und spitzzüngig, wie sie im Gespräch mit der NP wirkt, tritt die Bloggerin auch im Internet auf. „‚Wetten, dass..?!“ wird sterben. Erst in meinem Wohnzimmer und dann, über kurz oder lang, überall‘“, schrieb sie kürzlich in ihrem Blog.

Was wäre sie geworden, wenn sie in einer Zeit vor dem Internet leben würde? „Schauspielerin“ kommt es prompt: „Irgendwas Egozentrisches, etwas, bei dem ich Feedback bekomme. Eben etwas mit Bühne - auch ohne Internet!“

Dass Binias das Internet aber viel cooler findet, denkt man sich: „Da findet man mit einem Klick sofort Menschen, die sich für Lokomotiven interessieren“, führt sie beispielhaft an. Und sie setzt - natürlich - noch einen drauf: „Lokomotiven, die 1853 in Nebraska gebaut wurden, oder so.“ Irgendwas fällt der kleinen Frau mit dem ansteckenden Lachen immer ein.

An ihren Einfällen lässt sie aber auch Publikum außerhalb des Internets teilhaben. Bei Dichterwettstreiten, den Poetry-Slams, tritt sie überall in der Republik auf. Schwerpunkt: Prosa: „Obwohl ich Lampenfieber habe, habe ich immer weitergemacht.“ In der Staatsoper ist die 29-Jährige schon vor 1200 Zuschauern aufgetreten.

Vielleicht erzählt sie da auch mal von ihren Visionen: „Da sitze ich in einem Schlosskeller, trinke Wein, rauche Zigarre und schreibe - und gewinne den Pulitzer.“ Wie war das noch? Wenn Visionen Realität werden ...