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GEWINNER-LACHEN: Niko Nikolaidis ist am entspanntesten, wenn er malen kann – auf großen Leinwänden: „Es wirkt dann einfach besser. Je kleiner das Bild, desto beschränkter der Blick.“ © Nancy Heusel

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Porträt

Niko Nikolaidis - Seine Kunst sagt „Ja“ zum Leben

Seine Bilder sind bunt, sie sind schrill und haben eine Botschaft: Niko Nikolaidis (25) will in der Welt Frohsinn verbreiten. Seit April hat er ein eigenes Atelier in Linden-Süd, seine Bilder schafften es schon nach Amerika. Die NP hat ihn besucht.

Sein Lachen. Das ist es, was bei Niko Nikolaidis (25) sofort auffällt, was ihn sympathisch macht. Er lacht viel. Und dazu hat der junge Grieche allen Grund: Ihn darf man als aufsteigenden Stern am Kunsthimmel bezeichnen! „Es ist im vergangenen Dreivierteljahr so viel passiert“, begrüßt er die NP in seinem Atelier an der Göttinger Straße. Dabei macht der 25-Jährige ein Gesicht, als könne er es selbst kaum glauben.

„Da ist ganz plötzlich mein Leben“, sagt er und blickt sich in dem nur wenige Quadratmeter großen Raum in Linden-Süd um: An den Wänden hängen seine großformatigen, bunten Bilder, im Regal stehen fein säuberlich sortiert seine Acrylfarben, dutzende Pinsel stecken in einer 0,5-Liter-Cola-Flasche. „Ich habe die Bilder in Miami und in New York ausgestellt“, fasst er die jüngsten, sehr aufregenden Monate zusammen.

Dabei war es gar nicht geplant, dass er seine Leidenschaft zum Beruf macht. Zum 30. Geburtstag seines Freundes Tim Lasch (31) hatte er vor einem Jahr ein Bild gemalt. „Er und viele andere Leute waren begeistert und haben mich animiert, es doch mit der Kunst zu versuchen.“ Nikolaidis befasste sich mit dem Thema und schaute sich nach Galerien um. Schließlich bewarb er sich bei einer in Hamburg. Als die Rückmeldung kam, man wolle mit ihm und seinen Werken zur Kunstmesse Scope nach Miami, „war ich erst mal baff“. Der Agent sprach dem jungen Hannoveraner viel Mut zu: „Ich sehe wirklich viel Potenzial.“ Aber er fügte auch hinzu: „Erwarte anfangs nicht zu viel.“ Das hat der 25-Jährige auch nicht – und trotzdem gleich ein Bild verkauft. „Irre, oder?“ Der Künstler war ganz „geflasht“, als er seine Bilder neben denen von Größen wie dem New Yorker Alec Monopoly (36) und Rap-Star Flo Rida (36, „Ich wusste gar nicht, dass der auch Kunst macht“) hängen sah. „Das war für mich der Moment, in dem ich wusste: Das will ich machen. So richtig.“ Es folgte die Ausstellung in New York, „da wollte jemand sogar ein Interview“. Willkommen im Leben eines Künstlers.

Seitdem er denken kann, hat Nikolaidis einen Stift in der Hand: „Dragon Ball und Pokémon habe ich rauf und runter gezeichnet.“ Vor allem die Urlaube in der griechischen Heimat seiner Eltern, in Saloniki, fallen ihm dann wieder ein: „Schon morgens, kurz nach Sonnenaufgang, haben meine Geschwister und ich um die Wette gemalt.“ Jeder hatte eine Minute, um etwas zu Papier zu bringen, die anderen mussten dann erraten, was es ist. Aus den kleinen, kindlichen Bildchen sind mittlerweile große, zwar immer noch verspielte, aber erwachsene Bilder geworden. Mit den hellen und kräftigen Farben will Nikolaidis verdeutlichen, „dass das Leben neben dem ganzen Hass, der herrscht, echt lebenswert ist“. Auf den Leinwänden finden sich Logos von Luxus-Mode-Labeln neben einem Totenkopf wieder. Ein Gedanke, dass Reichtum auch schnell wieder verfliegen kann.

Sowieso ist der 25-Jährige im Vergleich zu Gleichaltrigen irgendwie sehr nachdenklich, besonnen – und einfach gescheit. „Als ältestes von fünf Geschwistern hatte ich ja keine Wahl, als immer ein Stückchen reifer zu sein“, erklärt er. Schon immer hat er genau hingehört, wenn sich Erwachsene ausgetauscht haben – und gezielt nachgefragt, etwa wenn er am Wochenende im elterlichen Restaurant (die Familie hatte das „Saloniki“ in Brelingen) ausgeholfen hat.

Und schon immer war er gern in Gesellschaft: „Ich finde, gemeinsam kann man viel kreativer sein. Wenn man alleine rummacht, setzt man sich doch viel eher Grenzen.“ Deswegen hocken viele Freunde gern in seinem Atelier – und malen auch! „Hätte ich früher gesagt: ‚Hier, nimm einen Pinsel und mal was, hätten sie mir einen Vogel gezeigt.?“ Heute hat der 25-Jährige in seinem künstlerischen Reich auch viel lieber erste Dates als im Restaurant: „Das sitzt man doch nur und führt belanglose Gespräche“, meint der (Achtung, liebe Mädels!) Single: „Hier macht es irgendwie gleich Bumm. Wir hören Musik und malen.“

An seinem Stil feilt er noch, auch ein Markenzeichen hat er noch nicht: „Daran arbeite ich noch, ich bin in der Findungsphase. Aber irgendwie will ich mich auch noch gar nicht festlegen.“ Er weiß aber, dass er ein Teil des „großen Ganzen“ sein möchte, damit alle etwas davon haben. Auf die Zukunft freut sich Nikolaidis: „Da habe ich wirklich Bock drauf, ich habe so viele Ideen im Kopf.“ Und dann sagt er wieder Sätze mit Nachhall: „Ich weiß nicht, was kommt. Aber ich weiß, dass es gut wird. Das bedeutet für mich Leben, das ist glücklich sein.“ Chapeau.

NP-VISITENKARTE

Geboren am 23. November 1990 in Großburgwedel. Er wächst in Resse (Wedemark) mit vier Geschwistern auf, seine Eltern kamen als griechische Gastarbeiter. Nach dem Abitur studiert er Marketing-Management des Mittelstands und schließt mit der Note 1,9 ab. Aber: „Wenn du zwischenmenschlich nichts draufhast, fällst du auf die Fresse.“ Weil er keine Lust hat, sich ein Jahr im Voraus festzulegen, wann er Urlaub machen möchte, entscheidet er sich gegen einen Job „von neun bis 17 Uhr“. Er geht gern spazieren und arbeitet nebenbei im „Schöne Aussichten“.


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