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AUTORIN: Desiré Nick stellt die Lieblingsspeisen der Aristokraten vor.

AUTORIN: Desiré Nick stellt die Lieblingsspeisen der Aristokraten vor.

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Interview

Nick kennt die Wahrheit

Sie war jahrelang mit Heinrich Prinz von Hannover liiert: Kabarettistin Désirée Nick kennt sich mit dem Thema Adel also bestens aus. Jetzt hat die schrillblonde Comedy-Zicke der Aristokratie in die Töpfe geschaut.

Hannover. In „Fürstliche Leibspeisen“ geht es um Lieblingsgerichte des Adels. Es ist aber kein Kochbuch?

Es ist eher eine Sozialstudie. Durch die Persönlichkeiten und die Familiengeschichten meiner Gastgeber wird Geschichte ganz anders begreifbar. Dadurch, dass man die Speisen auch noch nachkochen kann, wird Historie ins Heute transportiert, und man kann sich die Anekdoten und Zitate der Herrschaften, die ich skizziere, genüsslich auf der Zunge zergehen lassen.

Waren die diese Anekdoten für Sie selbst überraschend?

Natürlich. Die Gespräche zwischen Topf und Tiefkühler fingen dort an, wo der Chronist lieber schweigt. Man kann generell sagen, dass die Adelsdynastien schon immer spezielle Charaktere hervorgebracht haben, vor allem großartige und seit jeher emanzipierte Frauen, die keine Herausforderung scheuten. Aber deswegen hat mir dieses Buch so enormen Spaß gemacht: Es korrigiert das Bild, welches heute in den Medien als Aristokratie präsentiert wird.

Sie meinen gekaufte Adelstitel oder Ähnliches?

Ja. Es interessiert den Leser nicht die Bohne, ob das nun Fantasiewappen, Adoptierte oder sonstige falsche Titel sind, was da als Adel inszeniert wird. Mir war daran gelegen, die wirklich alten Aristokraten-Dynastien in ihrem persönlichem Haushalt vorzustellen, um dem ganzen Zerrbild die Wahrheit gegenüberzustellen. Wie wir wissen, ist seit bald 100 Jahren der Adelsstand abgeschafft und projiziert sich seitdem mit unterschiedlichem Erfolg in unser Gesellschaftssystem.

Und diese Menschen inszenieren sich etwa nicht gern?

Die regierenden Monarchien stellen sich heute medial bewusster denn je dar, aber hinter den Kulissen herrscht Understatement. Von den 100000 Adeligen in Deutschland tauchen die meisten in den Medien so gut wie gar nicht auf. Ich habe auch häufig Sätze gehört wie: „Nennen sie mich bloß nicht Baronin“. Umso schwieriger war es also bei einem Stand, dem Privatheit der größte Luxus ist, nach Rezepten zu forschen. Das Vertrauen basierte auf meinen gewachsenen Verbindungen, auf Mundpropaganda, aber auch auf meinem Fotografen und Mitstreiter, Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen. Er ist mit einem Teil der Protagonisten verwandt.

Sie selbst hatten ja auch schon über die Liebe mit dem Adel zu tun. Hatten Sie nach jüngsten Prozess-Erfahrungen nicht genug vom Adel überhaupt?

Von einer einzigen Familie verallgemeinernd ein Bild der Aristokratie zu entwerfen, wäre für einen Autoren sehr unzulänglich. Ich habe die Verfahren gewonnen, und sie sind nur eine Episode. Sie waren nötig, um meinen guten Ruf zu retten, da Ehrlichkeit mein Markenzeichen ist. Die Vergangenheit hat eindeutig gezeigt, dass Prozesse immer nur als Zäsur zu verstehen sind.

Das heißt?

Dass gegenseitige Anziehung und Liebe ein Mysterium sind. Meine Diskretion übertrifft mit Sicherheit die Erwartungen jener, die mich nicht kennen. Wer mich aber kennt, weiß, dass ich weder nachtragend noch kleinlich bin. Ich bin lustig, harmoniebedürftig, feinfühlig und fühle mich Traditionen sehr verbunden.

Sind Sie aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung Adels-Expertin?

Hätte ich einen Schweinebauern kennengelernt, würde ich heute alles über Futtermittel wissen. Hätte ich einen Pferdezüchter kennengelernt, würde ich alles über Reitsport wissen. Wir in unserer Familie interessieren uns nunmal für die Dinge, die die Menschen betreffen, die uns etwas bedeuten.

Das Buch „Fürstliche Leibspeisen - Gerichte mit Geschichte“ von Désirée Nick, mit Fotos von Karl Graf zu Castell-Rüdenhausen, ist im Lingen-Verlag erschienen. Es hat 216 Seiten und kostet 19,95 Euro.