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JUNGE, JUNGE! Fotograf Micha Neugebauer stellt seine „Jungs“ aus. © Michael Wallmueller

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Porträt

Neugebauers „Jungs“ sind frech und stark

Wann ist ein Mann ein Mann? Fotograf Micha Neugebauer (47) hat in seiner Ausstellung „Jungs“ alle Altersgruppen mit feinem Blick für Details und einem Augenzwinkern porträtiert. „Ich mag Langzeitprojekte“, sagt er auch über seine Arbeit mit Sportlern.

Ein durchdringender Kinderblick durch die Schlitze einer Batman-Maske. Ein alter Mann, der sanft in die Kamera winkt. Das mit Sommersprossen übersäte Gesicht eines Endzwanzigers. Ein zahnlückiger Sohn, der Papa frech am Bart krault. „Jungs“ hat Fotograf Micha Neugebauer (47) die Fotoserie genannt, die er bis 28. Oktober in der Galerie Boesner ausstellt. Alle Altersklassen sind dabei, auch gestandene Männer. „Jungs ist doch ein Synonym für Männlichkeit“, findet Neugebauer: „Was machen erwachsene Männer heute? Sie fahren Skateboard, träumen von schnellen Autos, wollen spielen.“

Die meisten Bilder hat er mit einer Leica M9 aufgenommen: „Ein Klassiker unter den Sucherkameras, aber mit digitaler Technik“ - den Leica ihm neun Monate zum Experimentieren zur Verfügung gestellt hat. Das Ergebnis der Serie „Jungs“ sind vielschichtige Porträts. „Inszeniert ist in der Fotografie ja alles“, gibt Neugebauer zu. Sein Konzept: Die Bilder entstanden mittags vor einer weißen Wand in einem Hof in der Calenberger Neustadt, das Licht wurde von einer gegenüberliegenden Wand gespiegelt. „In einer Sechzigstelsekunde ist das erledigt“, scherzt er über die vermeintliche Leichtigkeit der Fotografie. „Aber es sind Momente, die kann man nicht planen. Ein Foto ist immer ein großes Versprechen. Es geht um alles - und nichts. Ein ewiger Spagat“, sagt er und deutet auf das Porträt von Spitzenjudoka Dimitri Peters (32), den er als brüllendes Kraftpaket abgelichtet hat: „Das sieht martialisch aus, aber er ist ein lieber Kerl und zweifacher Vater.“

Und ein guter Freund. Neugebauer begleitet den Bronzemedaillengewinner von 2012 seit mehr als fünf Jahren, nennt ihn liebevoll beim Spitznamen „Dima“ - und will das Ergebnis dieser Studie 2017 in einer großen Ausstellung präsentieren. „Ich arbeite gerne dokumentarisch, ich mag Langzeitprojekte - vor allem im Sport“, sagt der Freiberufler, der viel Zeit und Geld dafür investiert. Auch die hannoversche 400-Meter-Läuferin Ruth Sophia Spelmeyer (25), die bei den Spielen in Rio ihre persönliche Bestleistung gelaufen ist, hat er immer wieder fotografiert. Judo, Leichtathletik. Sportarten, die ein Nischendasein fristen und nur alle vier Jahre Beachtung finden: „Es ist bestimmt auch spannend, Mesut Özil zu fotografieren, aber der Kontakt mit einem Judoka ist direkter, persönlicher, näher.“ Eine Nähe, die man in Neugebauers Bildern sofort sieht.

„Jungs“ bei Boesner (Bornumer Straße 146), geöffnet werktags 9.30 bis 18.30 Uhr, sonnabends zehn bis 16.30 Uhr. Morgen Vernissage ab elf Uhr.


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