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Mensch-Hannover Nach 34 Jahren sagt Toto Veneziano „Ciao“
Menschen Mensch-Hannover Nach 34 Jahren sagt Toto Veneziano „Ciao“
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17:12 10.08.2018
EINE INSTITUTION: seit 34 Jahren speisen nicht nur Lindener bei Antonio „Toto“ Veneziano. Ende August schließt er das Lokal. Quelle: www.fotowilde.de
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hannover

Die Abende bei „Toto“ sind derzeit tränenreich. Und daran wird sich in diesem Monat wenig ändern: Nach 34 Jahren schließen Toto (63) und Gina Veneziano (60) ihre Pizzeria Salerno an der Fössestraße, die kein Gast je anders genannt hat als „Toto“. Am 31. August hat die Trattoria das allerletzte Mal geöffnet, was für die vielen Stammgäste eine überaus traurige Nachricht ist. „Manchmal weinen wir zusammen“, sagt Gina – die genau wie Toto mit all ihren Gästen per Du ist – und lächelt wehmütig. Täglich außer dienstags waren die beiden für ihre Besucher da, nun schwindet die Kraft: „Wir sind nicht mehr die Jüngsten und brauchen mehr Zeit für uns“, sagt das Ehepaar, das seit 1988 verheiratet ist.

„Toto“ kommt 1972 mit einem Koffer aus Italien

Deutlich früher, am 8. Januar 1972 um 20.45 Uhr, war Toto Veneziano mit nur einem Koffer in Hannover angekommen. Der 17-Jährige aus Salerno war auf der Suche nach Arbeit, „bei uns in Süditalien gab es keine Jobs“, erinnert er sich zurück. Toto fing in dem Lokal „Da Gigi“ an der Podbielskistraße als Tellerwäscher an, lernte bald, Pizza zu backen. „Schon damals sagten die Gäste irgendwann: ,Komm, wir gehen zu Toto’“, erzählt er. Nach einem Gastspiel im Restaurant „Sorrento“ an der Limmerstraße eröffnete er 1984 seine eigene Pizzeria Salerno in Linden. „Die trug anfangs noch den Untertitel ,Die alternative Kneipe in Linden’“, sagt der 63-Jährige und lacht herzlich.

TOLLES PAAR: Seine Gina lernte Toto Veneziano bei einem Besuch in der Heimat kennen. Quelle: Frank Wilde

Dann kam der Sommer 1987, in dem Veneziano wegen einer Familienfeier in die Heimat reiste – und dort seine Gina kennenlernte. „Er wollte mich sofort nach Deutschland mitnehmen“, sagt seine Frau amüsiert, „aber ich stoppte ihn, sagte: ,piano, piano’.“ Allzu sachte ging es aber gar nicht weiter. Schon ein Jahr später heirateten die beiden und führten ihr Lokal fortan gemeinsam: Toto an der Bar, Gina im Service. Kultstatus erreichten in kürzester Zeit nicht nur die Lieblingspizzen der Gäste: die Pizza Linden (mit Gemüse und Schinken), die Pizza Salerno (mit Schinken, Champignons, Sardellen und Peperoni) und vor allem die Pizza Vampiro mit extraviel Knoblauch.

Soundtrack des Lokals auf sechs Kassetten

Auch die sechs Musikkassetten, die der Chef Abend für Abend abspielte (und die er mittlerweile tatsächlich digitalisiert hat), wurden zum Markenzeichen der Pizzeria. Oldies wie „San Francisco“ von Scott McKenzie, „Summer in the City“ von Joe Cocker und „California Dreamin’“ von The Mamas and the Papas waren der Soundtrack eines jeden Toto-Besuchs.

Bis zum letzten Tag muss man reservieren!

Den wollen die Stammgäste noch so oft wie möglich erleben. „Jeder Abend ist zurzeit voll“, sagt Gina und empfiehlt dringend zu reservieren. Wie sie ohne ihre treuen Besucher leben sollen, wissen die beiden noch nicht. „Wir sind hier wirklich wie eine Familie“, sagt die Chefin und seufzt. „Wir kennen uns ewig, das ist viel mehr als ein Verhältnis zwischen Gastgeber und Gast.“ Woran das liegt, wissen die beiden auch. „Wir haben uns immer über jeden gefreut, der bei uns reinkam. Uns ist egal, welche Kleidung jemand trägt oder was er arbeitet.“ Das Ehepaar Veneziano war für jeden da, „darum wurde ,Toto’ zum zweiten Wohnzimmer unserer Gäste.“ Vielleicht schafft das ja auch der Nachfolger: Noch im September soll nach kurzer Umbauphase ein südamerikanisches Restaurant an der Fössestraße 61 eröffnen.

WECHSEL: Im September soll ein südamerikanisches Lokal in der Fössestraße eröffnen. Quelle: Frank Wilde

Toto Veneziano wird sich in Zukunft nun noch mehr seinem Hobby widmen: den Fußballspielen von Hannover 96 und des SC Neapel. Und Gina wird nicht mehr in dem schönen Garten des Lokals pflanzen und jäten, sondern in ihrem eigenen zuhause in Wettbergen, „dazu bin ich ja nie gekommen.“ Ihre acht Enkelkinder werden sie öfter sehen und hin und wieder bei ihren Freunden im „La Cascina“ in Holtensen einkehren.

Dennoch: Nicht mehr sechs Tage pro Woche zu arbeiten, wird eine große Umstellung für die Gastronomen. „Erstmal müssen wir runterfahren“, sagt sie. „Wenn das klappt“, fügt er hinzu. Wenn nicht, können sie ja wieder Gäste zum Essen einladen. Dann aber privat. „Mit ein paar Stammgästen haben wir schon verabredet, dass wir uns reihum bekochen werden“, sagt Gina Veneziano.

Der Abschied wird am 31. August emotional

Aber zunächst einmal muss das Ehepaar den letzten Abend überstehen. „Für den 31. August ist aber überhaupt nichts Besonderes geplant“, betont die Gastgeberin. Große Reden und Überraschungen fürchtet sie eher. „Das wird mir zu emotional“, gesteht Gina und lächelt: „Ich schlafe ja jetzt schon schlecht.“

Von Julia Braun

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