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Porträt NKR-Chefin Marlena Robin-Winn.© Rainer Dröse

Porträt

NKR-Chefin Robin-Winn: Ich habe ein Helfer-Syndrom

Als Gründerin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers sucht Marlena Robin-Winn (68) unermüdlich nach Unterstützern. Mit der NP sprach die Ärztin über ihr soziales Engagement, die Liebe zur Kultur und ihren Doppelnamen.

Hannover. Sie lässt kaum einen gesellschaftlichen Event aus: Marlena Robin-Winn (68) scheint in Hannover omnipräsent. „Die meisten denken sich: Was für ein Leben! Aber sie sehen nicht, dass das für mich Arbeit ist“, sagt die fesche Dame mit den pechschwarzen Haaren. Die Gründerin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers (NKR) nutzt die vielen Wochenenden und Abende, um ihr Netzwerk zu pflegen. „Es läuft alles über Spenden. Ohne die vielen Unterstützer ginge es gar nicht“, sagt die Misburgerin dankbar.

1996 hatte alles begonnen. Damals leitete Robin-Winn das Labor für Gewebetypisierung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Als Transfu-sionsmedizinerin untersuchte sie mit ihrem Team auch die Proben von Leukämiepatienten. „Es standen immer wieder Angehörige oder Betroffene vor unserer Tür, die keinen geeigneten Knochenmarkspender in ihrer Familie hatten und um Hilfe baten“, erinnert sich die NKR-Geschäftsführerin. So reifte die Idee eines Registers für Stammzellspender, das es in der Region damals noch nicht gab. Aus dem Verein ist inzwischen eine gemeinnützige Gesellschaft geworden, die seit 2000 NKR heißt. 1300 Spender wurden bereits vermittelt - und zwar weltweit.

Der 15. Geburtstag der Datenbank wurde dieses Jahr natürlich groß gefeiert - aber nicht, um sich selbst zu beweihräuchern, wie Robin-Winn betont. „Ein schöner Anlass, den Spendern zu danken - das ist wichtig“, sagt die Medizinerin. Auch viele Betroffene waren ins Maritim-Hotel am Flughafen eingeladen. „Die Erste, für die ich damals nach einem geeigneten Knochenmarkspender suchte, war auch da. Es geht ihr heute gut“, erzählt die sonst so kecke Dame plötzlich ganz gerührt. „Das ist für uns eine große Freude“ - der Grund, warum Marlena Robin-Winn unermüdlich weitermacht.

Sie hat es jedoch immer schwerer: „Mittlerweile wird für so vieles gesammelt, aber das Geld ist begrenzt.“ Doch die stets adrett gekleidete Ärztin ist eine Kämpferin. Aufgeben ist keine Option, die 68-Jährige engagiert sich noch mehr. Just gründete sie einen neuen Lions-Club. „Ich mache das nicht, um mich Präsidentin nennen zu können, sondern weil wir gemeinsam helfen können“, erklärt sie resolut. Der Name des Clubs: Kurfürstin Sophie. Ebenfalls eine starke Frau. „Sie war sehr klug. Herrenhausen, die Oper - das gäbe es ohne sie nicht“, schwärmt die Hannoveranerin. Die barocken Gärten sind Robin-Winns Lieblingsplatz. Bei herrlich sonnigem Herbstwetter schlendert sie mit der NP in Stilettos (trägt sie so gut wie immer) durch den Großen Garten und plaudert über ihre Liebe zur Oper, ihr Faible für klassische Musik. „Ich höre aber auch Modernes“, bemerkt sie in ihrer liebenswert-frechen Art und lacht.

Sie hat viel übrig für Kulturelles. „Ich bin aber auch eine richtige Reisetante“, flötet sie. Einmal im Jahr gehts weit weg. In Kürze nach Asien: Kambodscha, Myanmar, Thailand. Mit dem Kreuzfahrtschiff - wie so oft. „Das ist am bequemsten, wenn man alleine reist“, sagt die Medizinerin, die schon lange geschieden ist. Der Name Winn ist vom Ex-Mann geblieben. „Eigentlich wäre ich den gerne losgeworden. Manchmal ist es besser, wenn man Sachen ablegt“, bemerkt sie geheimnisvoll. Aber Tochter Saskia Schmaus (36, hieß vorher Winn) zuliebe blieb er. „Nach Saskias Hochzeit den Namen noch zu ändern, fand ich dann aber albern“, sagt die NKR-Chefin. Sie ist in allen Dingen konsequent: „Ich mache auch nichts, wo ich nicht dahinterstehe.“

Wobei: Als junge Frau beugte sie sich doch - und zwar den Berufswünschen ihres Vaters. „Er fand, eine Frau hätte auf dem Bau nichts zu suchen“, erinnert sie sich. Denn eigentlich wollte die gebürtige Herzbergerin Architektur studieren - wie ihr Vater. „Mich faszinierte, dass er Häuser baute und sah, was er geschaffen hat“, beschreibt sie, während ihre Arme eine ausladende Bewegung machen, um das erhabene Gefühl zu unterstreichen. Für den Vater studierte die heute 68-Jährige Medizin: „Eine Entscheidung die ich bis heute aber nicht bereue.“ Wie auch? Bei all dem, wohin der Beruf sie geführt hat.

Denkt sie manchmal daran, etwas kürzer zu treten? „Schon. Aber ich habe einfach ein Helfer-Syndrom“, wieder lacht die Misburgerin. „Das war schon als Kind so“, ergänzt sie fast entschuldigend. Klar spiele sie auch gerne Bridge und Golf: „Aber ich habe immer gesagt, ich möchte einmal auf mein Leben zurückblicken und denken: Es hat sich gelohnt.“

Jana Meyer

NPVISITENKARTE - Marlena Robin-Winn

Geboren am 29. Juni 1947 in Herzberg im Harz. Nach dem Abitur studiert sie Medizin in Göttingen. An der MHH arbeitet Robin-Winn zunächst als Anästhesistin und ist Frauenbeauftragte der Hochschule. Später leitet sie das Labor für Gewebetypisierung: „Eigentlich wäre ich gerne Chirurgin geworden, aber das war mit Familie nicht vereinbar.“ Seit 15 Jahren ist sie Geschäftsführerin des von ihr gegründeten Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers. Robin-Winn ist geschieden. Ihre Tochter Saskia Schmaus (38) lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.

www.nkr-mhh.de


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