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DJ-DUELL: Comedy-Star Anke 
Engelke und Moderator Roger
 Willemsen stehen gemeinsam an 
den Plattentellern. 
Zwei Geschmäcker, zwei
Musikwelten ...

DJ-DUELL: Comedy-Star Anke
Engelke und Moderator Roger
Willemsen stehen gemeinsam an
den Plattentellern.
Zwei Geschmäcker, zwei
Musikwelten ...

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NP-Interview

„Musik schmust die Frauen blöd“

Fliegende Fetzen oder begeisterte Übereinstimmung? Wenn sich Comedy-Star Anke Engelke und Roger Willemsen am Sonnabend am Großen Sendesaal des NDR eine Schlacht an den Plattentellern liefern, ist alles möglich. Klassik bis Hip-Hop, Augenrollen oder haltloses Schwärmen. Beide legen im Wechsel Musik aus ihrem privaten Fundus auf – und haben Überraschungen dabei.

Hannover/Hamburg. 150 Folgen „Willemsen legt auf...“ bei NDR Kultur. Was ist das Geheimnis des Erfolges?

Er wundert mich selber. Denn eigentlich ist die Sendung ein akustischer Diavortrag. Ich kombiniere Klassik und Jazz und versuche, einen Punkt zu finden, an dem die Stücke zusammenhängen. Der Rest ist Enthusiasmus.

Was war Ihre erste selbstgekaufte Single?

„Magical Mystery Tour“ von den Beatles. Mein liebster Titel war „Fool an the Hill“. Da müsste ich zwölf gewesen sein.

Die größte Sünde in Ihrem Plattenschrank?

Melanie mit „What Have They Done To My Song“ - ein peinlicher Schmachtfetzen aus den 70ern. Ich konnte die Platte nicht wegschmeißen, da auf dem Album mehrere Titel sind, die mit meiner persönlichen libidinösen Erlösung zu tun haben. Damals hat man Jimi Hendrix genauso aufgelegt wie Melanie. Geschmack bildet sich eben langsam heraus, wenn man sehr viel Dreck gehört hat.

Für wen haben sie als Jugendlicher geschwärmt?

Meine Lieblingsband war Procol Harum, über die wusste ich alles! Selbst wenn mein Herz heute weniger an ihnen hängt, muss ich sagen, dass das gute Musik war. Aber ich hab auch 30 Alben mit irischer Dudelsack-Musik im Regal.

Gibt es einen Song, der Sie Ihr Leben lang begleitet hat?

John Coltrane „My Favorite Things“ und Brahms erstes Klavierkonzert sind zwei echte Lebensbegleiter. Die habe ich in einem Kloster gehört und als ich in London im East End in einer kleinen Butze gewohnt habe. Diese Stücke gehen seit drei Jahrzehnten durch mein Leben.

Wie sind sie zur Musik gekommen?

In unserer Familie haben alle Musik gemacht - nur ich habe immer gelesen und geschrieben. Ich habe kein Instrument gelernt, war aber später in einer Gruppe für experimentelle Musik und habe sogar komponiert. Ein Stück von mir ist, als ich 18 war, auf einer Bonner Bühne aufgeführt worden. Heute würde ich sagen, das war reiner Dilettantismus. Damals habe ich Vibrafon gespielt.

Damit kann man doch nicht bei den Mädchen landen.

Oh doch! Das Vibraphon hat etwas Erotisches, es wird mit viel Pedal gespielt. Man bringt alle Stäbe zum Schwingen, man kann Atmosphäre erzeugen. Die Musik schmust die Frauen blöd.

In Hannover treten Sie zusammen mit Anke Engelke auf. Woher kennen sie sich?

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich ihr den Grimme-Preis überreicht. Weil sie nicht zur Verleihung kommen konnte, habe ich sie mit dem Preis auf dem Set der Dreharbeiten überrascht. Unsere erste Begegnung fand also vor laufender Kamera statt. Ich war Gast in der ersten Ausgabe ihrer Late-Night-Show, wir machen seit Jahren zusammen eine Silvester-Radiosendung für den WDR. Sie ist eine meiner wichtigen Quellen für Gegenwartsmusik.

Aber ihre Geschmäcker gehen auseinander, oder?

Ja. Aber Anke kann sofort vermitteln, was an ihrer Lieblingsmusik interessant ist. Selbst wenn sie mir einen Rap mitbringt, weiß ich, dass es ein guter ist! Ihre Musik ist kein dummer, kommerziell blödgeklopfter Pop. Sondern sie ist gut gedacht, raffiniert komponiert.

Gibt es auch etwas zu sehen bei Ihrem Auftritt in Hannover?

Anke ist eine begnadete Sitztänzerin, sie bewegt sich sofort mit, wenn die Musik sie ergreift. Das Publikum kann sich darauf einstellen, dass sie den Bühnenraum nutzen wird.

Sie legen „ohne Absprache“ auf. Was kommt auf das Publikum zu?

Das wird eine bunte Tüte! Ich werde sicher auch fassungslos sein, wenn ich höre, was Anke mitbringt. Wir werden aber auch schonungslos ehrlich zueinander sein. Ich habe mal eine französische Musikerin entdeckt, die eine Art sehr weit entwickelten Reggae spielte. Ich fand das klasse. Aber Ankes erster Satz war: „Ich hasse Reggae!“ Da musste ich dann durch.