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Mensch-Hannover Musical Factory: Webers Wurzeln sind in der Südstadt
Menschen Mensch-Hannover Musical Factory: Webers Wurzeln sind in der Südstadt
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13:22 06.11.2018
GROSSE HITS: Florian Hinxlage und Philipp Lang (rechts) als „Blues Brothers“.
Hannover

Wenn sich (Lebens-)Kreise schließen, sollte man kurz innehalten. Gerhard Weber (68) setzt im NP-Gespräch an der Bar im Sofa-Loft in der Jordanstraße die Kaffeetasse ab und sinniert. „Es ist bizarr und schön, dass ich wieder genau hier zurück bin“, sagt der Theatermann, der Kindheit und Jugend in der Südstadt verbracht hat. Vor zweieinhalb Jahren en­dete sein letztes Engagement am Theater Trier, seit 2004 hatte er elf Jahre lang das Dreispartenhaus mit Schauspiel, Tanz und Oper geleitet.

Das ruhige Rentnerdasein war aber nichts für den Mann, der seit Jahrzehnten an der markanten runden Brillenform festhält. „Blues Brothers“ ist nach „Non(n)sense“ schon das zweite Stück, das er für die neue „Musical Factory“ in Hannover auf die Bühne bringt. Theater im Möbelhaus statt großer Bühne? Weber winkt ab, seine Augen blitzen amüsiert. Der Künstlerische Leiter schwärmt vom „Spirit im Team“, dass nicht die Ausstattung, sondern die Idee zähle, dass die begrenzten Möglichkeiten zur Innovation zwingen: „Es ist ein großes Fest für mich.“

Ein Fest, zu dem er das Publikum noch bis 16. Dezember zusammen mit Geschäftsführerin Julia Goehrmann (49) einlädt. Die „Musical Factory“-Gründer kennen sich schon lange – die Schauspielerin mit den wilden, roten Locken glänzte einst in Webers Landesbühneninszenierung von „Victor/Victoria“. Beide fanden, dass der „Unesco City of Music“ noch ein Musical-Standort fehle.

Dass Hannover so einiges fehle, das fand der junge Gerhard Weber Ende der 60er Jahre. „Ich wollte nur weg, ich fand Hannover zu spießig“, gesteht der Mann mit dem immer noch dichten weißen Schopf. Verständlich: „Ich war ein alter 68er, habe schon als Schüler kräftig auf Demos mitgemischt.“

Ein Deutschlehrer hatte bei ihm Lust und Neugier auf Theater geweckt. Der erste Plan: „Ich wollte Schauspieler werden.“ Der 20-Jährige hatte sich mental auf die berüchtigte Ochsentour, den Bewerbungsmarathon an den Schauspielschulen, eingestellt, da brachte ihn ein Bühnenprofi zurück auf den Boden der Tatsachen: „Ich habe einem Schauspieler vorgesprochen – als Test.“ Der ging aber in die Hose, den Rat des Mimen, doch lieber Regie zu machen, beherzigte Weber.

Vier Jahre Assistent von Claus Peymann

Nach dem Studium am Wiener Max-Reinhardt-Institut kam die „wichtigste Phase“ der Karriere: Vier Jahre lang war Weber Assistent von Theater-Legende Claus Peymann (81) in Stuttgart: „Das war persönlich, politisch und künstlerisch aufregend. Er machte eine neue Art Theater, diese Zeit hat mich geprägt.“

1978 war Weber „des Assistierens überdrüssig“, er arbeitete als freier Regisseur – und war zehn Jahre ein Zugvogel in der deutschen Theaterlandschaft. Bis zu fünf Inszenierungen im Jahr, diverse Wohnorte, in der Zeit knüpfte er Kontakte zu Intendanten, Dramaturgen und Schauspielern und baute sich ein Netzwerk auf.

Hannover? Spielte keine Rolle in Webers Leben. Es folgten Stationen in Krefeld, Mönchengladbach und Saarbrücken, er arbeitete sich hoch zum „Oberspielleiter“. Und wollte eine Intendanz. Die bot sich 1998 an Hannovers Landesbühne an – und überraschte den Mann mit den Südstadt-Wurzeln: „Ich erkannte Hannover nicht wieder“, erinnert er sich an die Zeit vor der Expo 2000: „Es war Aufbruchstimmung, alle waren neugierig, freuten sich auf neue Ideen.“

Und die hatte der damals 50-Jährige („Da, wo ich Menschen kennenlerne, werde ich neugierig“). Mit dem Ensemble der Landesbühne musste er zwar „voll in die Pampa“ – der Einzugsbereich ging fast bis nach Bremen, im Westen bis nach Nordrhein-Westfalen –, aber er brachte auch Theatersport, Dinner-Theatre und Musicals in das Haus an der Bultstraße: „Es ging nicht nur um den Bildungsauftrag, ich wollte Unterhaltung auf hohem Niveau bieten. Hannover war eine Herzensangelegenheit“ – und ist es bis heute. Zwar reizte ihn 2004 nochmal die Herausforderung in Trier, zwar verließ er Hannover auf dem Zenit mit Heinz Rudolf Kunzes (61) Version des „Sommernachtstraums“ in den Herrenhäuser Gärten, die Rückkehr an die Leine nach Ende des Berufslebens stand aber nie in Frage. „Ich genieße das Leben zwischen den Stadtteilen“, sagt Weber verschmitzt. Von der eher gediegenen Südstadt radle er gerne in die List, reise gerne, schaue auf „ein schönes Theaterleben“ zurück. Und durchaus in die Zukunft. „Wir haben Pläne für 2019“, verrät er schon mal aus der „Musical Factory“.

Die Geschichte der „Blues Brothers“ ist ein Klassiker der Film- und Musicalgeschichte: Jake und Elwood Blues haben eine Mission – sie wollen das Waisenhaus retten, in dem sie aufgewachsen sind. Also bringen sie die Band zusammen. Im Sofa-Loft (Jordanstraße 26) wird das Musical mit Hits wie „Everybody Needs somebody“ Freitag ab 19.30 Uhr gespielt. Weitere Termine: 16., 18., 24. und 25. November, 7., 8., 9., 14., 15., und 16., Dezember. Karten kosten 17 bis 34 Euro.

www.musical-factory-hannover.de

Von Andrea Tratner

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