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HÄNDE HOCH, ER HAT GEBURTSTAG: Hannovers Star-Remixer Mousse T. wird 50.© Jörg Carstensen

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Interview

Mousse T. feiert Sonntag seinen 50. Geburtstag

Er ist der Mann für die coolen Beats - Mousse T. wird am Sonntag 50. Wie fühlt sich das an? Im NP-Interview mit Mirjana Cvjetkovic gesteht der Mix-Maestro, dass auch er Rückenschmerzen kennt und mehr Schlaf braucht. Dafür gewinnt er mit dem Alter an Überblick.

Können Sie sich noch erinnern, was Sie mit 25 über 50-Jährige gedacht haben?

Ich weiß es nicht mehr so genau. Aber ich glaube, ich fand die ganz schön alt (lacht). Aber ich glaube ganz im Ernst, dass es einen Unterschied zwischen den 50-Jährigen damals und heute gibt. Also ich hätte mir meinen Vater nicht joggend und einen Smoothie trinkend vorstellen können (lacht). Leute kümmern sich heute viel mehr um sich selbst.

Und wie sieht das bei Ihnen aus?

Na ja, ich habe ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass die Hülle endlich ist. Mit 25 hatte ich nur Musik im Kopf, es gab zwar Gott sei Dank keine Drogen, dafür aber schon das eine oder andere Bier und häufiger auch ziemlichen Schlafmangel. Heute geht das nicht mehr. Ich habe einen ziemlich zickigen Rücken, einmal in der Woche knetet mich meine Physiotherapeutin durch. Außerdem gehe ich schwimmen, mache Krafttraining. Ich könnte diszipli-nierter sein, aber ich fühle mich wohl.

Macht denn die 50 irgendwas mit Ihnen?

Wenn ich darüber nachdenke, dann schon. Ich denke dann, dass die vergangenen 25 Jahre ganz schön verflogen sind. Was ja irgendwie ein gutes Zeichen ist, denn es ist vieles und Tolles passiert. Mit dem Kopf war ich noch nie so klar wie heute. Ich denke nämlich auch, dass es noch etwas anderes außer Musik gibt. Als Mensch für Menschen etwas zu tun, etwa. Und nicht immer nur den nächsten Beat im Kopf zu haben.

Und Sie wollen, anders als in den Jahren zuvor, Ihren Geburtstag mal feiern. Wann, wie, wo?

Ich hätte so Bock gehabt, in Italien mit meiner Familie zu feiern, das ist ja fast mein zweites Zuhause. Aber: Ich habe mich um nichts gekümmert (lacht). Vielleicht fahre ich spontan nach Berlin und gehe in eine Kneipe. Ich habe mir aber fest vorgenommen, meinen 51. groß zu feiern, ganz bestimmt (lacht).

Es heißt ja, Sie sind ein Arbeitstier. Und dass Sie deshalb sogar mal Michael Jackson abgesagt haben? Nicht im Ernst, oder?

Das stimmt tatsächlich, muss 1996 gewesen sein. Da saßen wir mit dem Peppermint-Park-Studio noch am Weidendamm. Ich war ziemlich mit Remixen für Quincy Jones und Mr. President beschäftigt. Damals konnte das Internet ja noch nicht so genutzt werden wie heute, also ging der Remix für Michael Jacksons „Ghosts“ per Kurier nach London.

Ja, und dann?

Rief mich jemand von Sony USA an und sagte, der Künstler wolle sich persönlich bedanken. Dann war er am Telefon. Und hat sich erstaunlicherweise normal angehört. Ich war zwar baff, habe das gar nicht so richtig wahrgenommen, so beschäftigt, wie ich war. Kurzum: Er hat mich eingeladen, zu seinem Konzert zu kommen, und ich habe abgesagt. Heute bereue ich das schon, hätte ihn gerne von Angesicht zu Angesicht getroffen.

Welche Künstler haben Sie denn so auf dem Radar, mit denen Sie gern mal arbeiten würden?

Da gibt es wirklich so, so viele. Und in Zeiten des Internets finden sich so viele gute Künstler. Andreya Triana, die Leadsängerin von Bonobo, hat zum Beispiel eine Wahnsinnsstimme. Aber auch einen Tom Jones hörst du singen und weißt, wo der Hammer hängt. Wir sind auch immer noch im ständigen Kontakt.

Wir freuen uns darüber ja sehr: Warum sind Sie nie aus Hannover weggegangen?

Vielleicht, weil ich zu sehr in der Tretmühle drin war? Es mit „Es ist so heimisch hier“ zu beantworten, wäre zu simpel. Meine Familie, meine Eltern, meine Schwestern und die Firma sind in Hannover, ich habe alles aus Hannover geschafft. Zeitweise hatte ich ja ein Office in London, aber die Leute kommen echt gerne zu mir nach Hannover ins Studio. Und warum sollte ich mir in Berlin eine Wohnung nehmen, wenn ich mit dem Zug so schnell da sein kann? Das war irgendwie nie eine Option. Und geschäftlich würde ich auch nie wegziehen aus der Stadt.

Sie haben hier ja auch Ihren Freund Ferry Ghods, bei dem Sie im Monkeys ja auch immer mal wieder auflegen.

Wir sind schon sehr, sehr lange befreundet. Ferry hat mich damals aufgenommen, als ich mal wieder eine meiner Freundinnen zerschlissen habe vor lauter Arbeit. Unsere Freundschaft hat sich seitdem immer mehr gefestigt. Und im Monkeys aufzulegen ist irgendwie logische Konsequenz.

Apropos: Wie siehts denn aus an der eigenen Musikfront gerade, was macht denn das neue Album?

Die Musik ist ja schon fertig. Nur heutzutage reichen Bauzaunplakatierung und die Vorstellung des neuen Albums in der Carmen-Nebel-Show nicht mehr aus. Ich beobachte Künstler wie Beyoncé, die ihre Singles nach und nach monatlich bei Spotify veröffentlichen, da arbeite ich mich gerade rein und will nichts falsch machen.

Die Leute da draußen warten schon ziemlich lange, seit 2004, um genau zu sein.

Ich mache so viel, bin der Typ hinter den Reglern. Das sehen viele nicht. Ich habe zum Beispiel einige Soundtracks gemacht, was mir wirklich extrem Spaß macht. Es ist toll, deine Musik im Verbund mit einem tollen Film zu sehen.

Aber was ist nun mit dem Album?

Ich lasse mir Zeit, weil ich im Weihnachtsgeschäft nicht zwischen den Wildecker Herzbuben und dem Best-of von Tina Turner landen möchte. Dann geht das nämlich unter, und das will ich nicht (lacht). Aber wenn es erscheint, dann gehe ich auch wieder auf Tour.


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