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SEINE SICHT DER DINGE: In der Biografie „My take on me“ öffnet a-ha-Sänger Morten Harket seine Seele.© Jörg Carstensen

Interview

Morten Harket - „Der Junge in mir war nicht weg“

a-ha-Sänger Morten Harket (56) war einer der größten Popstars der 80er. In einem sehr persönlichen Buch berichtet er über das Leben als Teenie-Idol. Die NP sprach mit ihm über den Verlust der Privatsphäre, Kindererziehung und seinen Heiler.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie jahrelang in der Schule gemobbt wurden ...

Mein Image, das eines Teenie-Idols, haben die Medien erschaffen. Man hat wenig Einfluss darauf. Allein die Tatsache, berühmt zu sein, lässt eine ziemlich undurchsichtige, blendende Fassade entstehen. Menschen, wir alle, haben eine gewisse Sehnsucht danach, zu jemandem aufzuschauen, jemanden anzuhimmeln, oder etwas zu bewundern, das größer als das Leben erscheint.

Hat der gigantische Erfolg der ersten Single „Take On Me“ Sie damals überrollt?

Man droht, in einer nicht nachlassenden, massiven Welle der Aufmerksamkeit zu ertrinken. Sie erscheint übermächtig. Es gibt nichts Gefährlicheres als eine Meute hysterischer Teenager. Dagegen anzukommen, durch diese Mauer der Hysterie zu kommunizieren, ist für eine Band eine Herausforderung. Wir versuchen das mit unserer Musik.

Haben Sie das immer geschafft?

Das hängt nicht nur von uns ab, sondern auch von dir als Fan. Ob du bereit bist, mehr in uns zu sehen als die Band, die „Take On Me“ gesungen hat - oder ob du das nicht willst. a-ha haben es in all den Jahren geschafft, Menschen immer wieder neu zu berühren. Deswegen gibt es uns noch immer. Viele Fans haben mehr in uns gesehen. Aber: Wir haben sie für eine ganze Weile nicht hören können in dieser Pop-Fabrik, in der es mehr um unser Aussehen ging als um die Songs.

Fühlen Sie sich auch heute noch bedrängt?

Ich habe damals meine Privatsphäre für immer verloren. Ich versuche, immer in Bewegung zu sein. Es ist keine gute Idee, irgendwo anzuhalten, weil dies den Menschen Zeit geben würde, auf mich zu reagieren. Wenn sie mich sehen, brauchen sie ein paar Sekunden, um mich wirklich zu erkennen. Das ist die Zeit, die ich habe, um wieder aus dem Bild zu verschwinden. Ich weiß, dass ich erkannt wurde, bevor es die Menschen selbst wissen.

Sie haben Ihrem Vater von den „Take on me“-Tantiemen aus Liebe und Dankbarkeit einen Flügel gekauft. Was hat er Ihnen beigebracht?

Respekt. Gegenüber anderen Menschen, gegenüber allen Lebewesen, dem Leben an sich. Und Disziplin. Er und meine Mutter haben mir das nicht eingebläut, sondern vorgelebt. Ruhm und Reichtum beeindrucken mich nicht, auch das habe ich von ihnen gelernt. Sie haben mich gewissermaßen geimpft, indem sie mir zeigten, worauf es im Leben ankommt, und nicht, indem sie mir vorschrieben, dieses oder jenes zu tun.

Erziehen Sie Ihre fünf Kinder genauso?

Im Wesentlichen ja. Denn es handelt sich um fundamentale Werte im Leben. Verschiedener Meinung zu sein in bestimmten, kleineren Angelegenheiten, Dinge anders zu regeln als die Eltern, widerspricht dem nicht. Im Gegenteil: Das zeigt nur, dass wir nicht alle gleich sind, dass wir Situationen unterschiedlich lesen und beurteilen. Dies zu akzeptieren, hat wieder mit Respekt zu tun.

Ihr Buch endet am 26. Januar 1991 im Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro. a-ha spielten vor 195 000 Fans. Sie waren 31. Fühlten Sie sich erwachsen?

Der Junge in mir war nicht weg, aber ich spürte eine gewisse Stärke, eine Selbstsicherheit, mir war bewusst, was mir guttut und was nicht. Ich war imstande, „Nein“ zu sagen, und das aus einem Gefühl tieferer Überzeugung heraus. Erwachsen sein heißt, du kannst die Verantwortung für dich und deine Entscheidungen übernehmen.

Aufgrund des Stresses verloren Sie in den 80ern Ihren Farb- und Geschmackssinn für ein Weile. Sind Sie deshalb heute mit einem Heiler unterwegs?

Ein Heiler kümmert sich um ein Problem oder eine Herausforderung, mit der du nicht fertigwirst, weil du keine Zeit dafür hast oder nicht weißt, was du tun sollst. Es klappt auch am Telefon. Ich weiß nicht, wie er das macht. Ich weiß nicht, warum er diesen Einfluss auf mich hat. Ich weiß nur: Es passiert tatsächlich.

Wann bitten Sie ihn um Hilfe?

Auf Tournee ist für mich entscheidend, jeden Tag voll da zu sein, ich muss alles dafür tun, um abends auf der Bühne zu stehen und zu singen, abzuliefern. Das erfordert Disziplin. Zu jeder Show strömen Tausende Fans. Du darfst es nicht vermasseln.

Morten Harket: „My take on me“, Edel, 256 Seiten, 19,95 Euro.

NPVISITENKARTE

Geboren am 14. September 1959 in Kongsberg (Norwegen). Er wächst mit drei Brüdern und einer Schwester auf, in seiner Schulzeit wurde er jahrelang gehänselt und gemobbt. 1982 gründeten Pål Waaktar und Magne Furuholmen die Band a-ha, Harket stieß als Sänger dazu. 1985 gelang mit „Take on me“ und einem spektakulären Video der Durchbruch. Die Band verkaufte bis heute 80 Millionen Tonträger, löste sich endgültig im Mai 2016 auf. Harket hat fünf Kinder, seit 2005 ist er mit seiner ehemaligen Assistentin liiert.


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