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Mensch-Hannover Mit Hollandrad in 17 Stunden nach Berlin
Menschen Mensch-Hannover Mit Hollandrad in 17 Stunden nach Berlin
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06:16 14.09.2012
LEBENSFREUDE PUR: Auf seinem ollen Drei-Gang-Rad hat es Christian Malsch bis nach Berlin geschafft. Quelle: Natalie Becker
Hannover

Was für eine alte Kiste! Der Lack blättert, die Schweißnähte rosten, die Räder müssten mal zentriert werden - nur die Klingel ist geil. Wenn man an der Ratsche zieht, geht ein glockenklarer Ton um die Welt. Das alte Fahrrad von Christian Malsch ist nicht mehr das neueste. 30 Jahre alt.

Damals war der alte Diamant-Rahmen was Ordentliches. Und die Torpedo-Drei-Gang-Schaltung erst! Und doch ist diese Scheese, dieses Teil, das entweder sein Gnadenbrot im Keller finden oder auf dem Flohmarkt landen müsste, ein rollendes Stück Glück. Es spielt die Hauptrolle in einem 17-Stunden-Abenteuer, das einen Menschen happy gemacht hat und das dem Rest der Welt den Glauben an die Gestaltbarkeit des eigenen Lebens zurückgeben kann.

Auf diesem Rad nämlich ist Christian Malsch, ein Mediengestalter aus Hannover, in nur 17 Stunden von Hannover aus nach Berlin gefahren. Einfach so. In einem Stück. Und ohne große Pause. Um Mitternacht ist er losgefahren, am späten Nachmittag desselben Tages ist er angekommen: „Es war ein geiles Gefühl, vor dem Brandenburger Tor zu stehen.“ Warum? Wieso? Was soll das? Es gibt keine Geschichte dahinter. „Ich wollte da einfach hin. Es war der Hammer!“, sagt Malsch einfach so. Aber es gibt eine Bilanz. Der 29-Jährige hat in nur 17 Stunden gut 320 Kilometer zurückgelegt. Das heißt: „Ich bin im Schnitt in jeder Stunde rund 24 Kilometer gefahren.“ Das ist schnell. Sehr schnell für eine so lange Strecke sogar.

Den NP-Fitnesstest beim Interview besteht Malsch jedenfalls. 31 Liegestützen, dann ist der Kopf rot. Wir glauben seine Geschichte. Wir glauben sie auch deshalb, weil der junge Mann durchdrungen ist von der Lebensfreude, die er beim Fahren erlebt hat: „Die Welt riecht anders, sieht anders aus, und sie hört sich anders an, wenn man mit dem Rad fährt.“

Start um Mitternacht in Hannover, über Isernhagen nach Wolfsburg, Stendal, Spandau - nächster Halt Berlin. Christian Malsch ist in der Dunkelheit der Nacht gefahren, hat den Sonnenaufgang erlebt, war bei Regen und bei Sonne auf dem Bike - und saß am Abend immer noch auf demselben lächerlichen Plastiksattel, auf dem er schon am frühen Morgen gesessen hatte. „Es war einfach wunderbar!“ Und nein: „Mein Arsch tut mir nicht weh.“

Mit 29 hat man Kraft bis zum Anschlag: „Nö, die Beine haben eigentlich nicht geschmerzt. Das war schon okay.“ Und trainiert hatte er auch nicht für den Berlin-Trip: „Ich jogge manchmal.“ Was hat er auf der Fahrt gelernt? „Ich weiß jetzt, dass man die Dinge schafft, die man schaffen will. Und dass es Spaß macht, sich dafür anzustrengen.“

Als Nächstes könnte er sich einen Europatrip mit dem Rad vorstellen. Wer hat Lust mitzukommen? Malsch freut sich auf E-Mails an „c.m.design@gmx.de“.

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